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Chef mailt nach Feierabend - Teil 1

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Otto Eric Riess

Dörte ist euphorisiert und stolz, ihrer Feigheit getrotzt und sich auf das Abenteuer eingelassen zu haben. Eine Mischung aus Auf- und Erregung hat sich ihrer bemächtigt, die sie so nicht kennt und sie zuversichtlich macht, genießen zu können, was auch immer Olav noch mit ihr vorhat. Ihre Pfennigabsätze klackern geräuschvoll über den Bürgersteig und erneut streichelt der weiche Mantel bei jedem Schritt ihre nackte Haut, während sie auf das Behördengebäude zu stakst. Um sich davon abzulenken, widmet Dörte ihre Aufmerksamkeit dem großen Bürohaus, in dem Olav seinen Arbeitsplatz hat. Tagsüber geben seine tiefen Fenster den Blick frei auf die Beschäftigten, die wie in einem Schaufenster arbeiten müssen. Doch jetzt herrscht fast überall Dunkelheit. Nur im zweiten Stock sieht man Licht. Trotz der Entfernung erkennt Dörte hinter der Fensterfront ihren Chef, der vor einem Computerbildschirm sitzt.
Als sie vor dem Haupteingang steht, schaut sie auf ihr Smartphone. 20:28 Uhr. Ihre Vorgaben will sie exakt einhalten. Sie hat also noch Zeit und schaut an der Fassade nach oben bis zu Olavs Bürofenster. Weil sie sich dabei streckt, strafft sich ihr Oberkörper, so dass das Mantelfutter intensiver als zuvor über ihre aufgerichteten Nippel streicht. Der Reiz elektrisiert ihre Nervenenden und verursacht ein lustvolles Kribbeln, das bis in ihren Unterleib zieht. Dörte staunt ein weiteres Mal, wie sensibel ihr Körper reagiert. Es wirkt auf sie, als seien alle Sinne auf maximalen Empfang eingestellt. Die Ursache ist ihr nicht klar. Ob es davon herrührt, was sie schon erlebt hat oder von der Ungewissheit, was ihr bevorsteht, kann sie nicht unterscheiden. Sicher ist nur, dass der Auftakt vielversprechend war. Ihre Busfahrt wird sie so schnell nicht vergessen.
Dörte steht zu dicht vor dem Gebäude, um in die oberen Etagen hineinsehen zu können. Nur einen schwachen Lichtschein kann sie erkennen.

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