Er dringt aus einem Fenster der zweiten Etage und zeigt ihr an, dass der Chef wartet, sie zu empfangen. Als sie erneut die Uhrzeit kontrolliert, ist es exakt halb neun. Auf geht es!
Dörte steckt das Smartphone in die Manteltasche und drückt auf die Klingel. Nach wenigen Sekunden öffnet sich die Tür. Sie gelangt in ein großzügig gestaltetes, einer Halle ähnelndes Treppenhaus. Auf dem marmorartigen Bodenbelag hallen ihre Schritte besonders laut. Sie bleibt kurz stehen. Augenblicklich wird es gespenstisch still. Kein Geräusch dringt mehr von draußen herein und auch aus dem Inneren des Gebäudes ist kein Laut zu hören. Angesichts dieser vollkommenen Ruhe um Dörte herum wirkt der Lärm, den jeder Schritt von ihr verursacht, besonders obszön auf sie. Daher entschließt sie sich, auf den Gang über die Treppe zu verzichten und den Aufzug zu nehmen. Auch wenn offenkundig niemand in der Nähe ist, den das Klappern ihrer hohen Absätze stören könnte, will sie ihre angespannten Nerven nicht unnötig strapazieren.
Im Inneren des Fahrstuhls blickt sie in eine Spiegelwand. Sie nutzt diese Gelegenheit, ihr Aussehen zu überprüfen. Dörte ist zufrieden mit ihrem Spiegelbild. Der lange Mantel und die hohen Schuhe schmeicheln ihrer Figur. Ihr ohnehin eher winziges Bäuchlein wird verdeckt und sie wirkt außerdem zierlicher als in Jeans und Sneakers. Die frisch gewaschenen dunkelblonden Haare, die ihr in sanften Wellen auf die Schulter fallen, betonen ihr feminines Erscheinungsbild. Durch das Make-Up werden ihre strahlend blauen Augen und ihre vollen Lippen dezent, aber wirkungsvoll hervorgehoben. Sie hat “sich schön gemacht”, wie Olav es verlangt hat. So kann sie sich zweifellos sehen lassen.
Im zweiten Stock steigt sie aus und drückt auf den Klingelknopf der Etagentür. Der helle Ton der Türglocke hallt durch das Treppenhaus. Wieder wird ihr nach kurzer Zeit geöffnet.
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Chef mailt nach Feierabend - Teil 1
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