Als die Sonne aufging, stand er auf, ging ins Bad, zog sich an und begann das Frühstück zuzubereiten. Um zu wissen, ob und wie sie ihre Eier wollte, weckte er sie, indem er sie an der Schulter leicht schüttelte. Sie schaute ihn verwirrt an, schien aus tiefem Schlaf erwacht zu sein und brauchte ein paar Sekunden, um sich zu orientieren. Ja, Spiegeleier seien ihr Recht und auch Kaffee. Dann stand sie auf und ging ins Bad, um die Dusche nachzuholen, die sie am Abend ausgelassen hatte. Als sie zurückkam, hatte sie sich wieder sein braunes T-Shirt übergestreift, das sie nun doch nicht in der Nacht angehabt hatte. Sie frühstückten schweigend und mit gutem Appetit. Dann packte er die paar Sachen zusammen, die ihm gehörten. Ja, die Lebensmittel würde sie sehr gerne mitnehmen, beantwortete sie seine Frage, kaum dass er sie gestellt hatte. Und sie habe noch einen Wunsch, fügt sie hinzu, aber vorher wollte sie sich noch bei ihm bedanken, für die Nacht, für das Essen, aber ganz besonders, weil er nicht versucht habe, sie mit Gewalt und gegen ihren Willen zu vögeln, weil er mit dem zufrieden gegeben hatte, was sie ihm gern und freiwillig gegeben habe. Aber sie wisse sehr gut, dass sie ihm mehr schulde und sie wisse nun auch, dass er ein anständiger Mann sei. Jetzt könnten sie zusammen schlafen, wenn er es immer noch wollte, jetzt sei sie bereit und würde es gern mit ihm machen. Er war perplex, damit hatte er nicht gerechnet. Natürlich nahm er ihr Angebot an und sie zogen sich wieder aus und gingen noch einmal in das Bett. Sie liebten sich und es war schön und beide erlebten einen durchaus ordentlichen Orgasmus. Aber die prickelnde Exotik des seltsamen Kampfes vom Abend zuvor hatte sich nicht eingestellt und fragte sich, welcher Akt der interessantere gewesen war und auch, ob er jetzt wirklich zufrieden war.
Sie fuhren in ein nahegelegenes Einkaufzentrum. Er kaufte ihr Unterwäsche, die sie gleich anprobierte. Von der Kabine aus rief sie ihm zu, er solle hereinschauen und ihr sagen, ob sie ihm an ihr gefalle. Dann bekam sie noch einen Rock und ein neues T-Shirt und auch ihren großen Wunsch, den sie ihm am Frühstückstisch ins Ohr geflüstert hatte, erfüllte er ihr, ein paar Turnschuhe, die ersten in ihrem Leben, wie sie ihm mit Tränen in den Augen gestand. Dann ging es weiter in die Stadt, zu seinem Hotel, in dem er schon lange vorher ein Zimmer reserviert hatte. Sie lehnte jedoch sein Angebot ab, mit ihm das Zimmer für eine weitere Nacht zu teilen. Das sei für sie wegen der Polizei zu gefährlich, die hier überall Augen und Ohren habe, aber sie könnten sich am Abend noch einmal treffen, sie würde sich gerne noch einmal zum essen einladen lassen. Dann ging sie und entschwand aus seinem Leben. Sie kam am Abende nicht zu dem vereinbarten Treffpunkt, er hatte keine Telefonnummer und kannte nur ihren Vornamen. Am nächsten Tag flog er zurück in seine kalte Heimat.
Die Nacht in Cojimar
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