Die Nacht in Cojimar

3 14-23 Minuten 0 Kommentare
Die Nacht in Cojimar

Die Nacht in Cojimar

Yupag Chinasky

Obwohl auch er seit dem Frühstück nichts gegessen hatte, das aber sehr opulente gewesen war, hatte er kaum Hunger, denn er hatte seine Nahrungsaufnahme weitgehend auf das Frühstück und das Abendessen begrenzt, mittags reichte ein Sandwich, ein paar Bananen oder ein Stück Pizza, das meistens nur nach Pappe mit Tomatensoße und langweiligem Käse schmeckte, und das Essen am Abend fand meistens erst reichlich spät statt. Aber als Yaima fragte, ob er ihr eine Pizza oder etwas Ähnliches kaufen könnte, sagte er, dass auch er hungrig sei und sie in ein Restaurant gehen würden. Es gab nur eins am Ort, aber es machte einen guten Eindruck und so bestellten er für beide eine große Fischplatte mit vielen Beilagen, weil auch sie, genau wie er, Fische und Meeresfrüchte liebte. Sie saßen in einer Nische, hinter Yaima war eine Urwaldlandschaft an die Wand gemalt, davor echte Pflanzen und Blumen drapiert und auch ein Wasserfall installiert, der leise, fast einschläfernd plätscherte. Er fühlte sich in Gesellschaft von Yaima wohl und es war ihm nicht langweilig, obwohl die Verständigung mühsam war. Während sie auf das Essen warteten und Bier tranken, betrachtete er sie sehr interessiert. Sie hatte, kaum dass sie Platz genommen hatten, ihn gebeten, Zigaretten zu kaufen. Sie rauchte sehr viel, stellte er fest, war ziemlich fahrig und nervös, und wenn sie nicht rauchte, lutschte sie gern an einem Finger oder nagte an den Nägeln, die alle ziemlich kurz und ohne Lack waren. Auch ihr Mund zeigte keine Spuren von Lippenstift. Er stellte ihr die eine oder andere Frage, wollte wissen, was sie so tat, ob sie Arbeit habe oder einen Freund, aber Yaima war nicht besonders redselig und so vertrieb er sich die Zeit, sich seine Gedanken zu machen und eigene Geschichten zu erfinden, die diese junge Frau durchgemacht haben könnte, denn ihr Gesicht lud zum spekulieren ein.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 6663

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben