Die Punze

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Die Punze

Die Punze

Anita Isiris

Von alledem ahnte Larissa nichts. Sie war ausgesprochen reif, was ihren Körper anging, klar, und sie war für die Liebe gemacht. Aber so viele Männer suchten ihre Nähe, dass sie sich innerlich zurückzog und sich aufbewahren wollte. Aufbewahren für den Feuerwehrmannbäckerschreinerpfarrerschornsteinfegernaturkundelehrerbademeisterprinz, der eines Tages um sie werben würde.

Larissa, Objekt der Begierde. Und noch etwas ganz anderes reizte ihre Sinne: Die Uhrensammlung ihres verstorbenen Vaters war das, was sie mächtig in Bann zog. All die gut funktionierenden Uhrwerke, die fein ziselierten Gehäuse der Taschenuhren, die liebevoll designten Zeiger liessen ihr Herz höherschlagen – und, klar, die Punze. Der Stempel in den Uhrgehäusen.

Wieder einmal sass sie am offenen Fenster und genoss den Duft des Flieders, der sich an der Hauswand emporrankte. Wie schön das Leben doch sein konnte! Vor sich hatte Larissa eine Lupe, mehrere Pinzetten und eine Gravurnadel. Stundenlang beschäftigte sie sich mit ihres Vaters Sammlung, und wenn es etwas gibt, das wirklich sexy ist, dann sind es hochkonzentrierte Frauen, die nichts und niemanden an sich herankommen lassen und sich einem Objekt widmen – im Fall von Larissa eben bestimmten, unbezahlbar teuren Taschenuhren. Sie wirkten filigran und stabil zugleich, diese Uhren, und sie hatten alle ein Innenleben. Die Sonne brachte Larissas blonde Locken zum Leuchten – der Anblick hätte ausnahmslos alle Männer dieser Welt – auch die Schwulen unter ihnen – in Schnappatmung versetzt. Von Frauen reden wir schon gar nicht. Denn mal ganz ehrlich: Nahezu alle Frauen empfinden einen Glücksrausch, wenn sie eine schöne, anmutige Geschlechtsgenossin sehen. Wir Frauen können diesen Glücksrausch verdrängen, klar – aber wenn wir tief in uns hineinhören…

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