Ralf und Lars waren mehr als nur hilfsbereit, blickten sich kurz an und folgten ihrer Freundin über die knarrende Treppe auf den Dachboden. Larissa wiegte sich anmutig in den Hüften. Sie trug rippled Jeans, und diese prägten in unwiderstehlicher Weise Larissas wohlgeformten Hintern. «Zum Anbeissen». Dachte Ralf. «Zum Anbeissen». Dachte Lars. Es roch nach Staub, und diesiges Tageslicht durchströmte die matten Dachfenster. Auch Spinnweben gab es da, Holzverkleidungen, an denen Stoffsäckchen mit getrockneten Pflanzen hingen – etwa Lavendel, um dem grossen Raum einen angenehmen Duft zu verleihen und eventuell, um Schädlinge fernzuhalten.
Den beiden Jungs war sofort klar, um welchen Schrank es ging. Es war einer dieser schweren Teak-Schränke, die in den 1960er Jahren noch als wertvoll und exklusiv galten, dann aber entweder direkt entsorgt oder auf Dachstöcke transferiert wurden – um frisch gestrichene, helle Wohnräume mit Leichtmöbeln von IKEA auszustaffieren.
Larissa rüttelte an der Tür und wirkte selbst während körperlicher Anstrengung anmutig. «Lass mich mal». Sanft schob Ralf Larissas Hand zur Seite und ruckelte an der Tür. Nichts. «Brechwerkzeug»? liess Lars sich vernehmen und hielt triumphierend einen riesigen Schraubenzieher in der Hand. Er rammte ihn entschlossen zwischen die beiden Türflügel. Lars, Mann der Tat. Und wirklich – die Tür sprang auf und gab den Blick frei auf ein wahres Glitzereldorado aus Taschenuhren, Armbanduhren, Küchenuhren, Sanduhren, und sogar ein an einem Fusskettchen befestigtes Zifferblatt zierte das Innere des Schranks – wobei es der Fantasie überlassen sei, wie eine Frau an ihrem Fuss die Zeit ablesen kann.
Jetzt leuchtete nicht nur Larissas Haar im diesigen Licht, sondern ihr ganzes Gesicht strahlte. «Das ist ja…». Sie schnappte nach Luft und blickte an die Decke, so, als möchte sie ihrem Vater danken, der irgendwo «da oben» wohlwollend auf sie herabsah.
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