Dann dachte er, er könnte versagen, wenn es wirklich ernst würde, dass er vielleicht diese Frau mit einer so maßlosen Phantasie und einem so unersättlichen Drang nach Sex gar nicht befriedigen könnte. Jedenfalls holte er sich einige Fläschchen Rotwein aus dem Speisewagen, genug, um sich den Mut anzutrinken, den er brauchte, um das zu tun, was er vorhatte. Als er in Lyon den Zug um etwa 16 Uhr verließ, hatte er auf einmal Hunger. Er wollte aber in kein Restaurant gehen, das würden sie später gemeinsam nachholen. Auch ein Hotel würde er jetzt nicht suchen, es gab genügend und vielleicht brauchte er ja ein Doppelzimmer. Stattdessen setzte er sich gleich in ein Taxi und nannte dem Fahrer die Adresse. Der schien etwas überrascht zu sein, sagte etwas, was er aber nicht verstand, seine Kenntnisse des Französischen war weniger als rudimentär, er nickte nur, der Fahrer startete den Motor, der Wagen setzte sich in Bewegung. Vielleicht, dachte er, nachdem sie schon eine ganze Weile unterwegs waren, wäre es gut gewesen, wenigstens eine große Vorstellung zu haben, wo diese Straße lag. Dann hatte das Taxi aber das Ziel erreicht, ein reichlich schäbiger Wohnblock zwischen einer Bahnlinie und einer bewaldeten Höhe. Er zahlte, der Fahrer fragte etwas, vermutlich, ob er warten solle, doch er schüttelte den Kopf und so sah er denn rasch die roten Rücklichter hinter der nächsten Kurve verschwinden. Nun dann, sagte er sich, das Abenteuer kann beginnen und das tat es auch.
Auf dem großen Tableau der Klingelknöpfe fand er ihren Nachnamen. Sollte er klingeln oder bis zum Schluss konsequent sein, auch für ihn selbst die Überraschung weiter voran treiben. Die Haustür war offen und aus der Anordnung der Klingelknöpfe konnte man schließen, dass die Wohnung im fünften Stock war, dem Letzten. Der Aufzug funktionierte nicht und so machte er sich auf den Weg im Treppenhaus und durchquerte einige unterschiedliche Zonen an Gerüchen und Geräuschen.
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