Die Reise nach Lyon

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Die Reise nach Lyon

Die Reise nach Lyon

Yupag Chinasky

Jedenfalls waren in diesem Mädchenzimmer zwei Personen, die ja schon bewiesen hatten, wie gut sie sich verstanden und die mit genau diesen Antennen ausgestattet waren und die genau diese Signale aussandten. Das Mädchen hatte, bei ihrem seltsamen Dialog gesagt, sie sei achtzehn, sehe nur noch so jung aus, sie sei aber schon eine perfekte Frau und alles, was sie ihm bisher geschrieben habe, jedes Wort, sei wahr gewesen, sie habe nur andere Bilder verwendet, weil er sonst die Beziehung bestimmt abgebrochen hätte. Aber jetzt sei er da und sie sei froh, dass er da sei, weil sie ihn liebe, ganz ehrlich und es ihm auch zeigen wolle. Sie habe sich nur deswegen so seltsam verhalten, weil sie so überrascht war und dann auch Angst gehabt hatte, er würde sie bestrafen, weil sie ihn so reingelegt hatte oder gleich wieder gehen. Er sei genauso wie sie ihn sich vorgestellt hatte und sie liebe ihn und er solle sie ficken, hier und jetzt, weil sie sich nichts schöneres vorstellen könne, als ihre Jungfräulichkeit ihm zu geben, dem Mann, den sie liebe und immer lieben werde. Ihre Eltern würden erst spät kommen und ihren Bruder habe sie schon gleich nach seiner Ankunft vor den Fernseher gesetzt, der würde sich von dort nicht mehr wegbewegen. Sie wolle ihn unbedingt ficken, denn wenn sie dann wieder allein sei, hätte sie eine wunderbare Erinnerung und er auch und sie könnten mit ihrer Liebe fortfahren.

 

 

Es gibt Konstellationen, da versagt jede Vernunft. Sie entwickeln eine Eigendynamik, die nicht mehr zu steuern ist. Alle Warnsignale werden übersehen, alle Hindernisse ausgeräumt, alle Zweifel verdrängt. So war es in diesem engen Mädchenzimmer mit dem Bett und der bunten Decke und vor allem mit dem Mädchen, das noch keine fünfzehn war, sich aber als Achtzehnjährige ausgab, weil sie die einmalige Chance sah, ihre Phantasie in der Realität zu beweisen.

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