Die Reithose

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Die Reithose

Die Reithose

Johannes Seilmann

Eigentlich habe ich die Pferde nur aus Gewohnheit, weil sie schon so lange da sind. Zeit habe ich nicht dafür, schon gar nicht zum Reiten.“
Er erzählte, dass er früher viel geritten sei, auch längere Touren, doch als er den Hof ganz von den Eltern übernommen hätte, war einfach für solche Hobbys keine Zeit mehr. Darüber hinaus hätte er auch keine Gesellschaft zum Reiten und allein ausreiten sei noch nie sein Interesse gewesen.
„Willst Du Carlo gleich mal aus der Koppel holen? Ich warte sowieso grade auf den Tierarzt und könnte Dir solange zeigen, wo alles ist. Dann kann ich Dir gleich noch ein bisschen über Carlo erzählen.“
Jetzt taute Peter richtig auf. Es war, als hätte er gerade die richtige Gelegenheit ergriffen, sich zwischendurch mal wieder wenigstens etwas mit den Pferden zu beschäftigen und vielleicht war es auch Sabines Gesellschaft, die ihn dazu animierte.
Sabine war etwas aufgeregt, so plötzlich hatte sie nicht damit gerechnet, gleich ein Pferd an der Hand zu haben. Es war doch so lange her seit dem letzten Mal. Und Peters geradezu gewinnende Art war für einen Bauern auch irgendwie untypisch. Er hätte nicht gerade ihr Vater sein können, war aber doch eigentlich deutlich zu alt, um sie jetzt so beinahe freundschaftlich zu behandeln, wo sie sich doch gar nicht näher kannten. Irgendetwas strahlte er aus, das sie verunsicherte und ihr gleichzeitig Ruhe vermittelte, sodass sie selbstbewusst auf das Pferd zuging und mit dem großen Tier umging, als hätte sie das gestern zuletzt getan. Himmel, fand sie diesen Mann etwa attraktiv? Im Stillen schmunzelte Sabine über sich selbst, denn sie ertappte sich dabei, den Bauern beeindrucken zu wollen. Er beobachtete sie ganz offen, wie sie das Pferd aus der Koppel holte. So bemühte sie sich, alles richtig zu machen. Sah er ihr nur auf die Finger oder ging sein Blick auch zu ihrer Reithose? Da war sie sich nicht ganz sicher.

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