Die Saat des Begehrens

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Die Saat des Begehrens

Die Saat des Begehrens

Chloé d'Aubigné

Ja, da war mehr als bloß Neugier. Es war diese Spannung, die in der Luft lag – jedes Mal, wenn wir zufällig dicht nebeneinander arbeiteten. Dass meine Schulter seinen Arm streifte, dass wir uns zu zweit über einen Sämling beugen mussten, damit er mir zeigte, wie man den Wurzelballen löst. Dann hielt ich instinktiv die Luft an, beobachtete, wie sein Zeigefinger sachte ein Blatt zur Seite bog, beinahe zärtlich, und vergaß, meinen eigenen Teil der Arbeit zu tun. In diesen Momenten konnte ich auch immer seinen betörenden Geruch wahrnehmen. Es ist eine Mischung aus Schweiß mit einem Hauch von Deospray – und einer Menge an Pheromonen. So gerne würde ich mein Gesicht an seiner Brust vergraben oder wenigstens in seinem Hemd, wollte in seinen Duft eintauchen.
Gleichzeitig rangen meine Gedanken darum, diese Empfindungen einzuordnen. Ich war doch hier, um zu zeigen, was ich konnte – und fand mich dabei immer öfter wieder, wie ich mir wünschte, er würde mich einfach nur ansehen. Ein Luxus, den ich mir nur im Verborgenen meiner Fantasie gönnte. Während meine Hände pflanzten und jäteten, lebte in mir ein leises Knistern – etwas, das mit jedem Tag, mit jedem unausgesprochenen Wort, stärker wurde.
Je länger der Sommer voranschritt, desto mehr verdichtete sich die Luft im Gewächshaus – und mit ihr die Spannung zwischen ihm und mir. Die Arbeit wurde zur Routine, jedes Umtopfen, jedes Schleppen von Pflanzensäcken ging zunehmend leichter von der Hand. Aber meine Gedanken waren alles andere als routiniert.
Oft standen wir am Beet, nur eine Armlänge voneinander entfernt, während ich spürte, wie sein Blick durch meine Sonnenstrahlen tanzte. Sein Schatten fiel auf meine Hände, wenn er sich vorbeugte, um mir einen Handgriff zu zeigen. Unsere Hände oder Schultern berührten sich manchmal zufällig, als wir Seite an Seite unerbittlichen Unkräutern zu Leibe rückten – kleine, flüchtige Kontakte, die jedes Mal ein heimliches Beben durch meinen Körper jagten.
Auch die Pausen wurden zu einem Feld leiser Annäherungen. In der Mittagshitze saßen wir auf umgedrehten Eimern unter dem knorrigen Apfelbaum. Er biss in ein Butterbrot, schloss die Augen und lehnte den Kopf zurück – dabei rutschte das T-Shirt ein Stück weit nach oben, und ich konnte einen Blick auf seine sonnengebräunten Hüften erhaschen. Ich ertappte mich dabei, wie ich länger hinsah, als ich sollte. Sein Lachen, selten, aber herzlich, ließ mich jedes Mal leise erschauern.

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