Die Saat des Begehrens

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Die Saat des Begehrens

Die Saat des Begehrens

Chloé d'Aubigné

Ich konnte endlich, vollkommen genießen. Endlich – ließ ich alles hinter mir, was mich zurückhielt. Ich gab mich hin, spürte seinen Schwanz tief in mir, spürte mich selbst intensiver denn je.
Mit jedem Stoß wuchs mein Verlangen – ich wollte nur noch heftiger gefickt werden. Das rhythmische Aufprallen unserer Körper, sein rauer Griff in mein Haar, seine Lippen, die zwischen Stöhnen und Flüstern mein Ohr liebkosten – all das verschmolz zu einem einzigen, brennenden Lustgefühl. Ich wollte zerbrechen – unter seiner Kraft, in seinen Händen, völlig ausgeliefert. Immer wieder, immer tiefer.
Ich ließ jeden Versuch los, noch die Kontrolle zu behalten, klammerte mich an ihn, warf den Kopf zurück und ließ mich von seiner Kraft immer wieder nehmen. Frei, vollkommen lebendig, berauscht. Im gnadenlosen Rhythmus, mit vollständiger Hingabe, explodierte alles in mir. Ich schrie meinen Orgasmus hinaus, zuckte unter seinem Körper, während er mich noch härter nahm, sich ein letztes Mal tief in mir vergrub und sich mit mir zusammen ergoss.
Mein Herz pochte, ich lag schwer atmend in seinen Armen, die Hitze unseres Zusammenseins noch spürbar auf meiner Haut. Ich wusste: Indem ich mich hingab, gewann ich etwas hinzu — Mut, Lust, Freiheit, mich selbst neu zu erleben. Ich lächelte ihm zu, schob mir zerzauste Haare aus der Stirn. Ich war nicht weniger „ich“ – sondern mehr.
Später, im langen Abendlicht auf dem Heimweg, fühlte ich mich ungewohnt leicht. Die Erde an meinen Knöcheln, Kratzer von Rosenranken, die Haut noch ganz warm von seinen Spuren. Aber was blieb, ging tiefer. Es war ein Gefühl von Ruhe und Stolz. Als hätte ich mir ein Stück neue Freiheit geschenkt — die Freiheit, Kontrolle abzugeben und puren Genuss im Hier und Jetzt zu erleben.
Jener Sommer war roh und ehrlich. Und inmitten all dessen war ich mir selbst nähergekommen. Stärke zeigte sich nicht nur im Aushalten, sondern auch im Loslassen, einem Schaudern unter streichelnden Händen, im bewussten Genießen des Moments — mit geschlossenen Augen, voller Vertrauen.
Jetzt knie ich vor meinen Hortensien, zupfe sanft verblühte Dolden ab, während sich die Stille wie ein warmer Mantel um mich legt. Das goldene Abendlicht streicht über meine Haut, und mit jedem Atemzug fühle ich mich ganz im Hier und Jetzt angekommen – in meinem Körper, in meinem Leben.
Ich stehe auf, klopfe die Erde von den Knien und strecke mich dem sinkenden Licht entgegen. Diese Kraft, die mich damals ergriff, trage ich noch immer in mir. Seit damals weiß ich, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als sich freiwillig hinzugeben, die Kontrolle loszulassen und den eigenen Körper in vollen Zügen zu spüren. Diese bewusste Hingabe ist keine Schwäche, sondern eine tiefe Form von Freiheit, die mich wachsen lässt – damals durch ihn, heute durch mich selbst.

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