Mit Osterhasen gab es ja keine Probleme, auch Schokoladetafeln verkauften sich gut – selbst in unergonomisch dreieckiger Form, wie das zum Beispiel bei der bekannten Toblerone der Fall ist. Zuallererst benötigte Rolf Wenger ein Übungsmodell. Welche Frau würde aber bereit sein, ihre Schamlippen in Schokolade giessen zu lassen? Flüssige Schokolade war naturgemäss heiss, und was heiss ist, schmerzt. Naturgemäss. Zudem… – war die Situation nicht etwas peinlich? Man stelle sich eine Frau vor, unten nackt und fein säuberlich rasiert, auf einem Untersuchungstisch in einer Bäckereistube liegend. Vor ihr ein Mann, mit hochrotem Kopf, der ihr Genital einmehlt, damit die Schokolade, mir der er ihre Spalte übergiesst, nicht kleben bleibt. Auskühlen, den Guss sorgfältig entfernen – und ab damit ins Schaufenster des Ladens. So ging das natürlich nicht, das war sich auch der Fanatiker Rolf Wenger bewusst. Das mit den Modellen in der Bäckereistube ging ja noch an – aber die Vermarktung? Der Laden gehörte ja nicht mehr ihm – eine Schokospaltenausstellung im Schaufenster stand ausser Frage. Rolf Wenger sah jedoch die Lösung vor sich: Das Internet! Hier wurden sogar bizarr geformte Cornflakes und obszön gestaltete Möhren versteigert – dort, im World Wide Web, würde doch bestimmt Platz sein für Schokospalten? Sie waren ja qualitativ auf höchstem Schweizer Niveau und über Monate haltbar – im Gegensatz zu Edeltrüffeln beispielsweise.
Rolf Wenger machte sich auf die Suche nach seinem ersten Modell. Seine alte Backstube gehörte ihm noch, nur der Laden war von der Gewerbepolizei geschlossen worden. Einen ganzen Tag lang reinigte Rolf Wenger seine zukünftige Produktionsstätte. Er kaufte sich die Adresse "http://www.schokospalte.ch" und erwarb übers Internet einen Untersuchungstisch. Dann verfasste er ein Zeitungsinserat, das er mehrmals in der Berner Zeitung erscheinen liess.
Die Schokospalte
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Die Schokospalte
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Eine Geschichte für Genießer!
schreibt michael_direkt