Aber empfindliche. Garbriellas Zunge wusste so kunstvoll zu reizen, dass Emanuela stets einen feuchten Schritt bekam. Kein Mann hatte bisher den kitzligen Code dieser dunklen Spots knacken können; ...außer der warme Wind vielleicht …
***
Raphael hatte bereits einige interessante Motive geschossen. Er hatte ein Auge für schöne Details. Die verrostete Schubkarre am Fluss, beispielsweise. Kaum noch als Umweltverschmutzung zu erkennen. Interessante Durchrostungen vor wundervoller Kulisse. Genau wie der alte Pflug vor der Flussbiegung. Und der kleine, streunende Hund, der sich soeben das Badewasser aus dem Fell schüttelte. Er hatte genau im richtigen Augenblick den Auslöser gedrückt. Auch die lederne Sandale im Gras war inzwischen so interessant von den Ranken vereinnahmt, dass sie nichts Abfallmäßiges mehr an sich hatte. Doch jetzt fiel Raphaels Blick auf ein Motiv, das ihm augenblicklich erhöhten Puls verursachte. Diese Frau war einfach bildschön, in diesem Gegenlicht. Durfte er wirklich auf den Auslöser drücken, ohne ihre Persönlichkeitsrechte zu verletzen? Ja, im Gegenlicht durfte er. Denn die goldene Korona der Sonne verschleierte jedes Detail; ...und gab ihr zugleich doch etwas Magisches...
Klick, ...klick, ...klick.
Dann wagte er näher.
Emanuela Sabrina war nur wenig erschrocken, als er sie plötzlich auf englisch ansprach. Darum bedeckte sie sich auch nicht. Da sprach inzwischen die moderne Hippie aus ihr. Touristen gab es hier kaum. Und so sollte es auch bleiben.
Zum Glück sprach sie Englisch, was in dieser Region nicht selbstverständlich war.
„Du bist doch nicht etwa so ein nerviger Influencer, der unsere schön verschlafene Einöde zum Hotspot macht?“
„Was fotografierst Du denn hier?“, erkundigte sich die noch immer ungeniert Barbusige, … und registrierte nicht ungeschmeichelt seinen halb irritierten, halb gierigen Blick.
Die Sonnenanbeterin
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Die Sonnenanbeterin
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