Die Sonnenanbeterin

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Die Sonnenanbeterin

Die Sonnenanbeterin

Peter Hu

Als Raphael am Nachmittag zu dieser Motivsuche am Fluss aufbrach, ahnte er noch nicht, was ihm der Abend noch bescheren sollte. Der junge Hobbyfotograf hatte gerade sein Maschinenbaustudium beendet. Und da er noch ein wenig Zeit und Geld hatte, hatte er sich vor Arbeitsantritt kurzerhand entschlossen, noch einmal eine ausgedehnte Brasilienreise anzutreten. Denn wenn man einmal tief im Job steckte, würde sich eine solche Gelegenheit nicht mehr so schnell bieten.
Außerdem litt er noch ein wenig an Liebeskummer. Denn seine langjährige Freundin hatte den Neunundzwanzigjährigen vor wenigen Monaten erst verlassen. Da half nur ein Tapetenwechsel...

Rio hatte er bewusst gemieden. Gleich nach der Landung hatte er sich mit dem Kleinbus ins Landesinnere begeben. Sein Hotel war gut und günstig. Es lag in der romantischen Flusslandschaft des „Rio-Pinto.“ Die Gegend galt als touristisch nahezu unberührt und Geheimtipp für Rucksacktouristen. Zwar war er mit Koffer angereist und bevorzugte klimatisierte Zimmer mit Dusche, aber ansonsten war der Ort scheinbar auf ihn zugeschnitten. In der Nähe gab es eine verlassene Kupfermine, eine vergessene Festungsruine im Wald, ... ja und irgendwo am Fluss, dem besagten Rio Pinto (er hatte ihn übrigens auf keiner Karte gefunden), sollte es eine moderne Hippiekolonie geben. Raphael hatte zwar keine genaue Vorstellung, was ihn da erwarten würde. Doch er fand den Gedanken daran spannend. Sein Opa war schon Hippie gewesen. Und der hatte immer recht witzige Geschichten aus dieser Zeit erzählt …

***

Emanuela Sabina war gerade erst aufgestanden. Die Sechsundzwanzigjährige schlief gern lang, denn sie war ein Nachtmensch. Ja, eine Sonnenanbeterin war sie auch. In der Biegung des Flusses gab es einen kleinen Sandstrand, der sie ein wenig an Rio de Janeiro erinnerte.

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