Er versuchte, seinen Blick starr auf das rettende Ufer zu richten, doch die Nähe war berauschend. Eine Strähne ihres feuchten Haares kitzelte sein Kinn. Er biss die Zähne zusammen. Seit Jahren hatte er keine Frau mehr so gehalten. Die unterdrückte Erinnerung an Haut auf Haut brannte plötzlich heißer als die schwüle Hitze des Tages.
Nach einer Ewigkeit erreichten sie eine felsige Anhöhe, die über dem Dunst des Sumpfes lag. Hier war der Boden trocken, bedeckt mit einer Schicht aus verdorrten Farnen. Vorsichtig setzte er sie ab. Marijana konnte kaum stehen; ihre Beine fühlten sich an wie Blei.
„Bleiben Sie hier sitzen“, befahl er und deutete auf einen flachen Stein. „Ich mache Feuer. Der Rauch hält die Moskitos fern.“
Während das Licht des Tages endgültig erlosch, beobachtete sie ihn aus halb geschlossenen Augen. Er bewegte sich wie ein Schatten, sammelte trockenes Holz und entfachte mit ein paar geübten Handgriffen eine kleine Flamme. Das flackernde Orange warf lange, tanzende Schatten auf sein markantes Gesicht. Julio kam mit einer Feldflasche und einem sauberen Tuch zu ihr zurück. Er kniete sich vor sie in den Schmutz. Seine Augen fixierten ihre geschwollenen, von Stichen übersäten Knöchel und die Kratzer an ihren Armen.
„Sie müssen das reinigen“, sagte er leise und nahm ihre Hand – seine Finger waren heiß und schwielig – er begann, den Dreck sanft von ihrer Haut zu wischen. Die Berührung war rein funktional, doch in der Stille des Waldes fühlte sie sich wie eine gefährliche Liebkosung an.
Julio kniete im flackernden Licht des Feuers vor ihr. Er hatte seine Bewegungen verlangsamt, als wollte er das Wildtier in ihr nicht aufscheuchen. Er griff in eine kleine Tasche an seinem Gürtel und holte einen hölzernen Mörser hervor, in dem er eine dunkelgrüne, fast schwarze Paste aus zerstoßenen Blättern angerührt hatte.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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