Die verbotene Route

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Die verbotene Route

Die verbotene Route

Jürgen Lill

„Das kühlt. Und es nimmt das Gift der Moskitos“, sagte er leise und reichte ihr den Tiegel.
Marijana nahm die Paste mit zitternden Fingern entgegen. Der Geruch war intensiv – scharf, minzig und erdig zugleich. Mühsam begann sie, ihre Arme und die brennenden Stellen an ihren Knöcheln einzureiben. Die Erleichterung war sofort spürbar, eine eisige Kälte, die das heftige Pochen unter der Haut betäubte. Doch als sie versuchte, ihre Arme nach hinten zu führen, um die Stiche zwischen ihren Schulterblättern zu erreichen, schoss ein stechender Schmerz durch ihre Muskulatur. Sie keuchte auf und ließ die Arme sinken.
„Ich... ich komme nicht heran“, flüsterte sie, ihre Stimme war brüchig vor Erschöpfung. „Normalerweise bin ich beweglicher, aber meine Schultern... sie sind wie festgefroren.“
Sie sah ihn bittend an. Julio verharrte einen Moment lang völlig reglos. Sein Blick wanderte von ihren Augen zu dem schmalen Spalt ihrer Bluse, die sie am Kragen bereits gelockert hatte. Er wusste, dass dieser Moment eine Grenze überschritt, die er sorgsam bewacht hatte.
„Drehen Sie sich um“, sagte er schließlich. Seine Stimme war kaum mehr als ein tiefes Grollen, das in der Stille des Dschungels vibrierte.
Marijana gehorchte langsam. Sie spürte, wie die kühle Nachtluft über ihre erhitzte Haut strich, als sie den Stoff ihrer Bluse ein Stück weit über die Schultern gleiten ließ, um den Rücken freizugeben. Julio rückte näher und nahm ein wenig der kühlen Paste auf seine Fingerkuppen.
Als er sie zum ersten Mal berührte, zuckte sie unmerklich zusammen. Seine Finger waren rau, gezeichnet von Jahren harter Arbeit, aber seine Berührung war überraschend sanft. Er begann, die Paste in kreisenden Bewegungen auf ihre geschundene Haut aufzutragen. Die schwüle Hitze des Tages schien in seinen Fingerspitzen gespeichert zu sein.

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