Die verbotene Route

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Die verbotene Route

Die verbotene Route

Jürgen Lill

Ich werde kein Auge zutun, dachte sie, während die Geräusche des Dschungels – das Zirpen, das ferne Rufen von Nachtvögeln und das Knistern des Feuers – auf sie einströmten. Doch die gnadenlose Erschöpfung des Marsches forderte ihren Tribut schneller, als ihr Bewusstsein es verhindern konnte. Bevor sie den nächsten Gedanken zu Ende gedacht hatte, glitt sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Als Marijana am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich wie gerädert. Jeder einzelne Muskel in ihrem Körper schien gegen die Bewegung zu protestieren, und ihre Gelenke fühlten sich an wie verrostetes Eisen. Das ferne Licht der Morgensonne drang nur spärlich durch das dichte Blätterdach, aber die Luft war bereits wieder erfüllt von dieser schweren, schwülen Hitze. Julio war bereits auf. Sein Leinenhemd war nass und klebte auf seiner Haut und er trug wieder seinen verbeulten Safari-Hut. Der köstliche, herbe Geruch von starkem Kaffee stieg ihr in die Nase und weckte ihre Lebensgeister effektiver als jeder Wecker. Julio reichte ihr eine dampfende Tasse, ohne eine Miene zu verziehen.
„Dort drüben, hinter den Farnen, ist ein kleiner Bach“, sagte er knapp und deutete mit dem Kopf in eine Richtung, in der das leise Plätschern von Wasser zu hören war. „Das Wasser ist klar und kühl. Ich war schon dort – es sind keine Kaimane oder Schlangen in der Nähe. Sie können sich waschen. Wir brechen in zwanzig Minuten auf.“
Marijana nickte dankbar, nahm ihre wenigen Waschutensilien und humpelte zum Bach. Das Wasser war tatsächlich kristallklar und bot eine unglaubliche Wohltat für ihre erhitzte, zerstochene Haut. Während sie das kühle Nass über ihre Arme und ihr Gesicht laufen ließ, konnte sie den Gedanken nicht abschütteln, wie Julio sie am Vorabend beobachtet hatte – und wie sicher sie sich trotz seiner rauen Art in seiner Nähe fühlte.

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