Das kühle Wasser des Bachs war wie ein Segen. Marijana zog sich nackt aus und stieg in den Fluss, um sich gründlich zu waschen. Das erfrischende Prickeln vertrieb die bleierne Müdigkeit des gestrigen Tages, doch jeder Wirbel ihrer Wirbelsäule erinnerte sie an Julios kräftige Hände und das plötzliche Zurückweichen am Feuer. Sie blickte zurück zum Lager. Julio stand mit dem Rücken zu ihr und prüfte den Verschluss seines Rucksacks. Es gab keinen Luxus in seinem Leben. Aber er trug seine Entbehrungen wie eine zweite Haut. Die Art, wie der nasse Stoff seines Hemdes sich über seine breiten Schultern spannte, während er die Gurte festzog, ließ Marijana unwillkürlich innehalten. Er wirkte so autark, so vollkommen eins mit dieser unerbittlichen Umgebung, dass sie sich für einen Moment wie ein zerbrechlicher Fremdkörper fühlte. Sie wusch sich gründlich und versuchte, die schwüle Hitze, die bereits wieder zwischen den Bäumen aufstieg, zu ignorieren. Als sie zum Lager zurückkehrte, hatte Julio das Feuer bereits fachmännisch mit Erde gelöscht.
„Wir verlieren Tageslicht“, sagte er, ohne sie direkt anzusehen. Er drückte ihr ein Stück trockenes Fladenbrot in die Hand. Sein Hut war tief in die Stirn gezogen, doch Marijana bemerkte, wie sein Blick kurz an ihrem nassen Haar hängen blieb, an dem noch ein paar Wassertropfen glitzerten.
Der Marsch an diesem Vormittag war anders. Der Boden stieg steil an, weg vom Sumpfland, hinein in ein Gebiet, in dem die Bäume so hoch waren, dass ihre Kronen im Dunst verschwanden. Die Luft war hier oben dünner, aber nicht weniger drückend.
„Wir nähern uns dem Sektor 7“, erklärte Julio nach Stunden des Schweigens. Er hielt inne und deutete mit der Machete auf eine Gruppe von Farnen, die seltsam symmetrisch angeordnet schien.
„Hier beginnt das alte Wächter-Areal.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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