Die Steine unter dem Moos sind keine Naturprodukte mehr.“
Marijana spürte einen Adrenalinstoß, der die Schmerzen in ihren Beinen kurzzeitig vergessen ließ. Sie trat näher an eine bemooste Erhebung und strich vorsichtig über die Oberfläche. Tatsächlich – unter dem Grün verbarg sich behauener Basalt.
„Julio, schauen Sie sich das an! Diese Gravur... das ist kein Maya-Stil, den wir kennen. Das ist älter.“
Sie war so begeistert, dass sie seine Warnung fast überhörte. Er war zwei Schritte hinter sie getreten, die Hand am Griff seines Messers, die Augen unruhig den Dschungel absuchend.
„Bewundern Sie die Steine später, Dr. Vance“, murmelte er. „Wir sind nicht mehr allein. Ich rieche Diesel und Tabak.“
Julio bückte sich abrupt. Mit zwei Fingern fischte er etwas aus dem feuchten Farn: einen zerdrückten, nach billigem Tabak riechenden Zigarettenstummel. Er drehte ihn langsam zwischen den Fingern, seine Augen zu schmalen Schlitzen verengt.
„Keine zwei Stunden alt“, murmelte er. Sein Blick glitt weiter zum Boden, wo die Farne nicht einfach nur niedergetrampelt, sondern regelrecht zermalmt waren. Zwei parallele, tiefe Furchen schnitten sich in das Erdreich.
„Kettenfahrzeuge“, stellte er fest, und seine Stimme klang nun wie das tiefe Grollen eines aufziehenden Sturms. „Sie dringen mit schwerem Gerät in den Sektor 7 ein. Das ist das Herzstück des Waldes, Marijana. Ein Hochplateau, auf dem die alten Wasserläufe zusammenlaufen. Wenn sie dort graben oder die Ketten die Wurzeln zerfetzen, stirbt alles, was flussabwärts liegt. Die Tiere, die Ruinen… alles.“
Noch bevor sie antworten konnte, legte er ihr die Hand fest auf den Mund und zog sie mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung hinter den massiven Stamm einer jahrhundertealten Würgefeige. Er drückte seinen Körper gegen ihren, um sie im Schatten der tiefhängenden Luftwurzeln völlig verschwinden zu lassen.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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