Die schwüle Hitze schien hier drinnen zu stehen, schwer von moderndem Laub und dem metallischen Geruch des nahen Kettenfahrzeugs.
„Bleiben Sie hier. Rühren Sie sich nicht, bis ich zurückkomme“, befahl er. Er griff in seinen Gürtel, zog einen schweren, brünierten Revolver hervor und legte die Waffe in ihre Hand – sie war warm von seinem Körper und fühlte sich in ihrer Handfläche erschreckend schwer an. „Der Abzug geht leicht. Nur im äußersten Notfall. Zielen Sie auf die Körpermitte.“
Marijana starrte die Waffe an, dann ihn. „Julio, das ist Wahnsinn. Es sind zu viele.“
Er ignorierte ihren Einwand. Seine Augen scannten bereits das Dickicht hinter ihr. „Wenn ich in vier Stunden nicht zurück bin, folgen Sie dem Bachlauf abwärts. Er führt direkt zum Boot. Schauen Sie nicht zurück.“
Er wollte sich abwenden, bereit, im Grün zu verschwinden und zu dem Schatten zu werden, der er jahrelang gewesen war. Doch Marijana griff nach seinem Arm. Das raue Leinenhemd knitterte unter ihren Fingern. Sie spürte die vibrierende Anspannung seiner Muskeln, die reine, tödliche Energie eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren glaubte.
„Julio, warten Sie“, hauchte sie.
Sie überwand die letzte Distanz. Bevor er reagieren konnte, legte sie ihre Hand in seinen Nacken, spürte die harten Stoppeln seines Bartes und die Hitze seiner Haut unter dem Rand des Safari-Hutes. Sie zog ihn zu sich herab und küsste ihn. Es war kein vorsichtiger Kuss. Es war eine verzweifelte Entladung all der aufgestauten Spannung der letzten Tage – Schweiß, Adrenalin und die rohe Angst vor dem Verlust vermischten sich. Julio erstarrte für einen winzigen Herzschlag, sein Körper hart wie der Basalt der Ruinen. Dann, fast gegen seinen Willen, erwiderte er den Kuss. Seine Lippen waren rau und schmeckten nach Salz und dem herben Kaffee des Morgens.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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