Da war nur noch dieser brennende Schmerz bei dem Gedanken, dass er eins geworden war mit der Erde, die er so verbissen schützte.
Gerade als sie den ersten Schritt Richtung Bachlauf machte, geschah es. Ein Schatten löste sich aus dem dichten Grün der Riesenfarne. Bevor sie aufschreien oder den Lauf der Waffe heben konnte, legte sich eine Hand mit der Schnelligkeit einer zuschlagenden Schlange um ihr Handgelenk. Ein kurzer, präziser Druck auf den Nervenpunkt ließ ihre Finger taub werden. Der Revolver rutschte aus ihrem Griff, doch er fiel nicht zu Boden. Julio fing ihn auf.
Er stand direkt vor ihr, und die Wucht seiner Präsenz traf sie wie eine physische Welle. Sein Leinenhemd war an der linken Schulter zerfetzt und von einem dunklen, klebrigen Rot durchtränkt, das im dämmrigen Licht fast schwarz wirkte. Sein Hut war verschwunden, sein Haar verschwitzt und voller Blattreste.
„Ich sagte: Schauen Sie nicht zurück“, raunte er. Seine Stimme war nur noch ein heiseres Brechen, gezeichnet von Erschöpfung und dem Adrenalin der Schlacht.
„Julio!“, stieß sie hervor. Das Wort war ein Schluchzen und ein Lachen zugleich. Ohne nachzudenken, stürzte sie sich vorwärts, ihre Hände krallten sich in den festen Stoff seines Hemdes. „Ich dachte... ich dachte, Du wärst...“
Er schwankte leicht, fing ihr Gewicht aber mit der unnachgiebigen Härte ab, die ihn ausmachte. „Sie sind weg, Marijana. Die Maschinen schweigen. Für heute gehört der Wald wieder den Schatten.“
Er sah sie an, und in der engen Vertrautheit der Dämmerung explodierte die Spannung, die sich seit dem Kuss vor Stunden aufgestaut hatte. Sein Blick brannte sich in ihren, dunkler und tiefer als der Sumpf. Die Gefahr, das Blut an seiner Schulter, die schiere Erleichterung über sein Überleben – es war zu viel für die Barrieren, die sie beide so mühsam errichtet hatten.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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