Erst als das erste graue Licht der Dämmerung den Dunst des Dschungels durchbrach, waren ihre Lider schwer geworden.
Als Julio das Bewusstsein wiedererlangte, war das Erste, was er spürte, nicht der brennende Schmerz in seiner Schulter. Es war die Wärme. Eine weiche, lebendige Hitze, die seinen Kopf bettete. Er hielt die Augen noch geschlossen, sog den Duft ein, der ihn seit Tagen verfolgte – Jasmin, vermischt mit dem herben Geruch von Regen und der süßlichen Note ihrer Haut. Es war ein Kontrast zu allem, was er kannte.
Langsam schlug er die Augen auf. Sein Blick wanderte nach oben und blieb hängen.
Marijana schlief noch, ihr Kopf war leicht zur Seite geneigt, die Lippen einen Spalt breit geöffnet. Durch das gewaltsame Abreißen des Stoffstreifens in der Nacht war ihre Bluse weit auseinandergefallen. Die Knöpfe hatten dem Zug nicht standgehalten. Direkt über ihm, nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt, sah er die sanfte Rundung ihrer Brüste. Der hauchdünne, durchscheinende Stoff ihres BHs verbarg fast nichts vor der unbarmherzigen Klarheit des frühen Morgenlichts. Er sah das zarte Relief ihrer Haut, das dunkle Schimmern ihrer Brustwarzen unter dem Spitzenstoff, die sich bei jedem ihrer ruhigen Atemzüge leicht hoben und senkten.
Julio hielt den Atem an. Sein Herz, das eben noch schwer und langsam geschlagen hatte, beschleunigte sich augenblicklich. Der Schmerz der Wunde trat in den Hintergrund, überlagert von einer animalischen Spannung, die seinen ganzen Körper flutete. Er lag vollkommen still, gefangen zwischen dem Instinkt, sich zu nehmen, was er begehrte, und der ungewohnten Zärtlichkeit dieses Moments.
Das erste Licht des Morgens sickerte wie flüssiges Blei durch das Blätterdach und tauchte die Felsspalte in ein unnatürliches, diffuses Grau.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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