In der staubigen Goldgräberstimmung der Morgendämmerung geschah etwas, das die Welt außerhalb dieser Felsspalte bedeutungslos machte. Julio, der Mann, der einen Jaguar mit einem Blick bändigen konnte und dessen Bewegungen im Unterholz von tödlicher Präzision waren, zitterte. Als er seine gesunde Hand ausstreckte, um den Verschluss ihres BHs zu suchen, wirkte er plötzlich wie ein Fremder im eigenen Körper. Seine Finger, sonst so sicher am Abzug oder an der Machete, tasteten ungelenk nach dem kleinen Häkchen. Diese unerwartete Ungeschicklichkeit rührte Marijana mehr als jede perfekte Verführung es gekonnt hätte. Es war ein Eingeständnis: Er hatte die Zivilisation der Berührungen verlernt; er war ein Gefangener seiner eigenen Einsamkeit gewesen.
Ein leises Klicken ertönte. Mit einer fast scheuen Vorsicht streifte er den dunklen Stoff zusammen mit den Resten ihrer Bluse über ihre Schultern. Marijana hielt den Atem an, das Herz hämmerte gegen ihre Rippen, während die kühle Luft ihre nackte Haut küsste. Doch was sie in Julios Augen sah, war keine gierige Lust. Es war eine tiefe, fast schmerzhafte Wehmut.
Er verharre reglos. Sein Blick glitt über ihre jugendlich straffen Brüste, die im fahlen Licht wie aus Elfenbein gemeißelt wirkten. Für Julio war dieser Anblick wie eine Erscheinung aus einem früheren Leben – eine Schönheit, von der er geglaubt hatte, sie sei für ihn für immer verloren, vergraben unter Schichten aus Schlamm, Blut und Entbehrung. Ein feuchter Glanz trat in seine Augen, während er die Perfektion ihrer Formen betrachtete, das zarte Geäder unter der Haut und die dunklen, festen Knospen, die ihm so ungeschützt entgegenragten.
Marijana spürte, wie ihre eigene Befangenheit schmolz. An ihre Stelle trat eine Welle mitleidiger Liebe für diesen gebrochenen Krieger.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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