Sie trat einen Schritt näher, so nah, dass er den leichten Duft von Jasmin und – untypisch für diesen Ort – sauberer Haut wahrnehmen konnte. Es war ein krasser Gegensatz zu dem schweren Geruch von abgestandenem Schweiß und billigem Tabak, der ihn umgab.
„Dr. Marijana Vance“, sagte sie leise, aber mit einer Bestimmtheit, die ihn aufhorchen ließ. „Und ich bin nicht wegen Goldes hier, Julio. Auch nicht wegen Ruhm.“
Sie griff in ihre Umhängetasche und zog ein zerknittertes, vergilbtes Foto heraus. Sie legte es auf den Tresen, direkt neben seine Bierflasche. Es zeigte ein Detail einer Steinstele, tief eingewachsen in Würgefeigen. Aber es war nicht die Steinmetzkunst, die Julios Blick fesselte. Es war das Symbol in der Ecke des Bildes: Eine stilisierte Klaue, die ein brennendes Herz hielt.
Julios Kiefer mahlte. Sein Herzschlag beschleunigte sich unmerklich. „Woher haben Sie das?“
„Das ist das Siegel der ‚Schwarzen Hand‘“, flüsterte sie. „Ein Konsortium, das vorgibt, Ausgrabungen zu finanzieren, in Wahrheit aber den Dschungel systematisch nach seltenen Erden und Mineralien abscannt. Sie planen, ein riesiges Areal im Sektor 7 zu roden. Genau dort, wo die Ruinen von Xibalba-Osh liegen.“
Julio starrte auf das Foto. Sektor 7 war sein Heiligtum. Dort lebte die letzte stabile Population der schwarzen Jaguare, die er seit Jahren wie seinen eigenen Schatten schützte. Wenn diese Leute dort mit schwerem Gerät anrückten, war es vorbei.
„Sie wollen mich als Führer, damit Sie Ihre kleinen Tonscherben retten können, bevor die Bagger kommen?“, knurrte er, doch die Verachtung in seiner Stimme war einer mühsam beherrschten Wut gewichen.
„Nein“, sagte Marijana und trat noch ein Stück näher. Ihre Stimme war jetzt kaum mehr als ein Hauch, der seine Wange streifte.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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