Die Stille in der Felsspalte war nun vollkommen, nur unterbrochen vom schweren, langsamen Atem von Julio. Er hielt inne, als er spürte, wie Marijanas Körper unter seinen Händen schlaff wurde. Das wilde Beben ihrer Muskeln war einem sanften Zittern gewichen, und ihr Kopf war zur Seite gesunken. Er wusste, dass ihr Geist kapituliert hatte – die Intensität war zu groß für das Wachbewusstsein gewesen.
Mit einer unendlichen Behutsamkeit, die man diesem harten Mann niemals zugetraut hätte, schob er seine Arme unter ihren nackten Körper. Er hob sie hoch, als bestünde sie aus feinstem Glas, und bettete sie fest an seine breite, warme Brust. Er zog die schwere Decke über sie beide, um sie vor der klammen Morgenfeuchtigkeit zu schützen, die nun in die Spalte kroch.
Julio lehnte seinen Kopf gegen den harten Fels und schloss die Augen. Er spürte ihre nackte Haut an seiner, das rhythmische Heben und Senken ihrer Brust an seinem Herzschlag. Der Geruch nach ihr – dieser tiefe, weibliche Duft, der nun alles andere verdrängt hatte – hüllte ihn ein wie ein Kokon. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte er kein Adrenalin, keine Wachsamkeit, keinen Hass. Er fühlte einen Frieden, der ihn fast erschreckte.
Er betrachtete ihr Gesicht im fahlen Licht. Die Spuren der Tränen waren getrocknet, ihre Züge wirkten im tiefen Schlaf fast kindlich gelöst. Er strich ihr eine verklebte Strähne aus der Stirn. Seine Finger waren noch immer rau, aber seine Berührung war nun eine reine Liebkosung. Er wusste, dass dieser Moment alles verändert hatte. Sie war nicht mehr nur die „Dr. Vance“, die er durch den Wald schleusen musste. Sie war zu seinem Anker in einer Welt geworden, die er längst aufgegeben hatte.
Draußen im Sektor 7 erwachte der Dschungel mit Macht. Das ferne Brüllen der Affen und das Kreischen der Papageien kündigten den hellen Tag an.
Die verbotene Route
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