Julio wusste, dass die Männer der „Schwarzen Hand“ irgendwo da draußen waren, dass der Krieg um diesen Wald noch nicht vorbei war.
Als Marijana die Augen aufschlug, war das erste, was sie wahrnahm, nicht das fahle Licht, das durch den Spalt drang, sondern die unerschütterliche, fast glühende Wärme von Julio’ Brust. Er hatte nicht geschlafen. Sein Rücken lehnte noch immer hart gegen den nackten Fels, und seine Arme hielten sie mit einer Bestimmtheit umschlossen, die keinen Zweifel an seinem Schutzwillen ließ. In seinem Blick, der sie beim Erwachen traf, lag keine Spur mehr von der kühlen Distanz des Jägers. Es war das Auge eines Mannes, der an diesem Morgen etwas gefunden hatte, das er längst verloren geglaubt hatte.
Marijana spürte, dass sie eine andere geworden war. Julio hatte in ihr eine Saite zum Klingen gebracht, die weit über das bloße körperliche Begehren hinausging. Die Intensität, mit der er sie bis an den Rand des Bewusstseins getrieben hatte, hatte die alten Barrieren ihrer Identität einfach weggeschwemmt. Sie fühlte sich nicht mehr wie die Fremde in diesem Wald; sie fühlte sich wie sein Herzschlag.
Sie setzten ihre Reise fort, doch die Dynamik hatte sich grundlegend gewandelt. Sie gingen nicht mehr als Scout und Klientin, sondern als eine untrennbare Einheit. Jede Berührung im Vorbeigehen, jeder helfende Griff an einer steilen Böschung war nun von einer elektrisierenden Vertrautheit geprägt.
Als sie schließlich die Ruinen von Xibalba-Osh erreichten, lag eine fast heilige Stille über dem Ort. Marijana fand in den zerfallenen Kammern tatsächlich alles, was sie für das internationale Protektorat benötigte – die Beweise waren unumstößlich. Doch der Triumph der Wissenschaft verblasste hinter der Realität ihrer Bindung zu Julio.
Die verbotene Route
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