Die verbotene Route

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Die verbotene Route

Die verbotene Route

Jürgen Lill

Nachdem sie die Dokumente gesichert hatten, kehrten sie tief in das grüne Heiligtum des Dschungels zurück, weit abseits jeder Zivilisation. An einem Ort, an dem ein kleiner Wasserfall in ein verstecktes, smaragdgrünes Becken stürzte, hielten sie inne. Die schwüle Hitze des Nachmittags lastete schwer auf ihnen, und das Rauschen des Wassers bildete die Kulisse für das, was nun kommen musste.
Marijana trat auf Julio zu. Diesmal war sie es, die die Initiative ergriff. Sie wollte sich für die grenzenlose Zärtlichkeit revanchieren, mit der er sie in der Felsspalte beschenkt hatte. Mit langsamen, bedächtigen Bewegungen begann sie, sein durchgeschwitztes Hemd aufzuknöpfen. Sie wollte ihn nun ebenso Schicht um Schicht freilegen, wie er es bei ihr getan hatte. Ihr Blick wich dabei nicht von seinem, und sie sah die tiefe Erregung in seinen Augen, die nun mit einer fast demütigen Erwartung gepaart war. Sie war bereit, ihm die gleiche Hingabe zurückzugeben, die sie selbst erfahren hatte.
Das Rauschen des Wasserfalls hüllte sie ein wie ein schwerer, flüssiger Vorhang. Die Nachmittagshitze lastete drückend auf dem feuchten Farn, und der Geruch von nassem Stein und wilden Orchideen war betäubend. Marijana sah Julio direkt in die Augen, während sie ihre Hände flach auf seine breite, narbige Brust legte. Unter seinen Rippen spürte sie das heftige, unregelmäßige Pochen seines Herzens. Mit einer Entschlossenheit, die sie selbst überraschte, ließ sie sich Zeit, genau wie er es getan hatte. Jedes Mal, wenn ein Stück seiner gegerbten Haut unter dem Stoff zum Vorschein kam, strich sie mit ihren Fingerspitzen darüber, als wollte sie jede einzelne Narbe, jede Erinnerung an sein hartes Leben mit ihrer Berührung heilen.
Julio stand vollkommen reglos, fast so, als hielte er den Atem an.

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