Marijana sackte in sich zusammen. Ihre Knie gaben nach, und sie wäre in den Schlamm gefallen, hätte Julio sie nicht im letzten Moment an den Schultern gepackt.
„Atmen Sie“, befahl er rauh. Sein Gesicht war ganz nah an ihrem, seine Augen unter der Krempe des wieder aufgesetzten Hutes blitzten dunkel. „Er hat nur sein Revier markiert. Er wollte kein Blut.“
„Ich... ich kann nicht mehr“, krächzte sie. Ihre Stimme brach. Die Erschöpfung, der Schock und die endlose schwüle Hitze hatten ihren Tribut gefordert. Eine Träne bahnte sich den Weg durch den Schmutz auf ihrer Wange. Julio sah, wie Marijanas Kraft endgültig schwand. Ihre Beine zitterten unkontrolliert, und das schlammige Wasser des Sumpfes reichte ihr bereits bis zur Mitte der Oberschenkel. Der Geruch nach fauligem Laub und stehendem Wasser war betäubend.
„Wir müssen hier raus, Dr. Vance. Der Sumpf schläft nachts nicht“, sagte er, seine Stimme jetzt weniger hart, eher wie ein dunkles Grollen. Er trat zu ihr, das Wasser klatschte gegen seine hohen Stiefel. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren oder auf ihren Protest zu warten, griff er unter ihre Kniekehlen und ihren Rücken. Mit einer Kraft, die ihn kaum anzustrengen schien, zog er sie aus dem Schlamm und hob sie hoch. Marijana stieß einen kleinen, erschöpften Laut aus und schlang instinktiv ihre Arme um seinen Nacken. Ihr Kopf sank gegen seine Schulter. Sie spürte die raue Leinwand seines Hemdes an ihrer Wange und das rhythmische Klopfen seines Herzens – fest, ruhig, unerschütterlich. Er roch nach Tabak, Schweiß und dem herben Aroma des Safari-Hutes, ein Geruch, der in dieser feindseligen Umgebung seltsam beruhigend wirkte.
Julio watete mit schweren, sicheren Schritten durch den Morast. Er spürte das Gewicht ihres Körpers, die Weichheit ihrer Kurven gegen seinen harten Brustkorb.
Die verbotene Route
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Die verbotene Route
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