Die Verwandlung

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Die Verwandlung

Die Verwandlung

Yupag Chinasky

In solch einem Fall bliebe ihr nichts anderes übrig, als sich ein anderes Auto zu suchen. Aber statt enttäuscht zu reagieren, zeigte sie sich geradezu begeistert. «That’s great, I love fotografing. Don’t worry, I have time. I’ll stay with you.» Er resignierte, aber nun hatte er ihr schon eine Zusage gemacht und er würde sich daran halten müssen. Bevor sie zum Auto gingen, holte Amy eine dicke, für die Jahreszeit viel zu warme Jacke und einen alten, schäbigen Matchsack unter der Bank hervor. Der Matchsack war nicht nur schäbig, sondern auch nur teilweise gefüllt, was durchaus dafürsprach, dass sie wenig materiellen Besitz mit sich herum schleppte.

Im Auto machte Amy es sich so bequem wie möglich, was angesichts ihrer Größe und ihrer langen Beine gar nicht so einfach war. Aber sie hatte den Beifahrersitz weit nach hinten geschoben, die Fersen bis fast unter den Po gezogen und die Knie, die bis halb in die Windschutzscheibe ragten, abgewinkelt. Sie fragte als Erstes, mit einem neuen Kaugummi im Mund, ob sie das Radio anmachen und Musik suchen dürfte. Er schüttelte den Kopf, die Radioprogramme hier würden ihm alle nicht gefallen, er fände die Musik langweilig, aber er habe ein paar CDs dabei, die er immer hören würde. Er warnte sie jedoch, diese Art von Musik würde sie bestimmt nicht mögen. Sie wollte wissen, was es sei, aber statt einer Antwort, schob er die CD mit Klavierkonzerten von Mozart in den Schlitz. Sie war tatsächlich überrascht, reagierte aber anders, als er gedacht hatte. Sie schloss die Augen, hörte eine ganze Weile konzentriert zu und sagte dann andächtig: «It’s great. What a great music.» Diese Bemerkung bewirkte, dass ihm das Mädchen Amy auf einmal viel sympathischer wurde. Ein Mensch, der Mozart liebte, das war doch schon einmal eine Gemeinsamkeit, ein solcher Mensch konnte gar nicht schlecht sein.

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Bittersüß

schreibt Thunders

Mich berührt diese schöne Geschichte. Die Beziehung zwischen der jungen Amy und dem reifen Erzähler hat etwas Besonderes. Der traurige Schluss passt zum realistischen Stil. Ich weiß, wie schwer es ist, seine Leser emotional zu erreichen. Dies ist mit dieser Geschichte gelungen! Gruß von Andreas (Thunders)

Gedichte auf den Leib geschrieben