Die Verwandlung

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Die Verwandlung

Die Verwandlung

Yupag Chinasky

Und nun fand er auch, dass sich der Gestank in Grenzen hielt, weil beide Seitenfenster offen waren und der Fahrtwind für genügend Frischluft sorgte. Sie waren vielleicht eine halbe Stunde gefahren und er dachte inzwischen gar nicht mehr daran, sie loszuwerden, als sich eines seiner Vorurteile dann doch zu bestätigen schien.

Er war von der Hauptstraße auf eine kleine Nebenstraße abgebogen und hatte im Schatten einiger Bäume angehalten. Es war schon fast ein kleines Wäldchen, gegen die Sicht von der Straße geschützt und auch vor der heißen Sonne. Weit und breit war kein Mensch. Amy hatte ihn ein wenig irritiert angeschaut, aber er hatte ihr versichert, er müsse nur dringend pinkeln und dann würde er gerne ein paar Bilder von ihr machen, sie habe doch gesagt, dass sie es möge, fotografiert zu werden. Sie nickte und stieg ebenfalls aus. Nachdem er sein Geschäft ein paar Meter weiter und geschützt von einem dicken Baumstamm erledigt hatte, machte er eine Reihe von Aufnahmen, mit und ohne Auto, Amy in der Totale, dann nur ihr Gesicht. Er war ganz in seine Arbeit vertieft, wie immer, wenn es darum ging, gute Bilder zu machen und sie folgte nicht nur seinen Anweisungen, sondern entwickelte auch eigene Ideen und nahm verschiedene Posen ein. Ein gutes Modell, dachte er, und ihr Zustand einer fortgeschrittenen Verwahrlosung machten die Bilder viel interessanter als diese bescheuerten Beauty-Bilder, die er nicht leiden konnte. Als sie mit der Arbeit fertig waren und wieder Platz genommen hatten, wollte er sich noch einen Moment entspannen. Er war etwas müde, wie immer am Nachmittag, und ein paar Minuten autogenes Training, das er leidlich beherrschte, würden ihn für den Rest des Tages wieder fit machen. Er stellte die Lehne seines Sitzes weit zurück, streckte sich wohlig aus, dehnte sich, reckte sich, verschränkte die Arme im Nacken, schloss die Augen und seufzte wohlig und schon ein wenig entspannt.

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Bittersüß

schreibt Thunders

Mich berührt diese schöne Geschichte. Die Beziehung zwischen der jungen Amy und dem reifen Erzähler hat etwas Besonderes. Der traurige Schluss passt zum realistischen Stil. Ich weiß, wie schwer es ist, seine Leser emotional zu erreichen. Dies ist mit dieser Geschichte gelungen! Gruß von Andreas (Thunders)

Gedichte auf den Leib geschrieben