Die Verwandlung

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Die Verwandlung

Die Verwandlung

Yupag Chinasky

Gestern noch ein unscheinbarer, fast hässlicher, müffelnder Teenager in ausgeleierten, schmutzigen Klamotten, ein Mensch, den er eigentlich nur abstoßend fand. Heute dagegen eine gut aussehende junge Dame, die immer unwiderstehlicher auf ihn wirkte und der er am liebsten jetzt gleich das Kleid vom Leib gerissen hätte und die spärliche Unterwäsche dazu, um sie auf das breite Bett zu werfen und sich auf sie zu stürzen und sie zu lieben, zu lieben, zu lieben. Aber eine solche halbe Vergewaltigung hätte den Zauber zerstört, der sie mittlerweile umgab und ihre kunstvolle Bemalung beschädigt und sie vermutlich nur wütend statt glücklich gemacht. Er beherrschte sich und tröstete sich mit dem Gedanken, dass ihm die kommende Nacht all die Freuden bringen würde, die er sich als Mann nur wünschen konnte.

Sie fuhren noch einmal zu dem Steakrestaurant, und während sie genau dasselbe wie am Vortag bestellte, versuchte er diesmal die frische Leber, die als Tagesangebot auf einer schwarzen Tafel vermerkt war. Sie war wieder sehr zufrieden, er dagegen tat sich schwer, an Leber mit Mango, Süßkartoffeln und Broccoli Gefallen zu finden. Aber sein Hunger auf Nahrung war ohnehin nicht ausgeprägt, im Gegensatz zu all dem anderen Hunger, der ihn umtrieb und so hörte er bald auf zu essen und beobachtete, wie sie voller Inbrunst ein Stück Fleisch nach dem anderen von ihrem Steak abschnitt, mit brauner Soße aus der Flasche beträufelte, voller Behagen in den Mund steckte, lange und genussvoll kaute, um es schließlich mit eine paar Schlucken Cola hinunterzuspülen. Dann kamen ein paar Pommes an die Reihe, die ebenfalls mit Soße und Cola gleitfähig gemacht wurden. Sie schaute ihn dabei immer wieder vergnügt und dankbar an, und als sie alles aufgegessen hatte, fragte sie, ob sie auch noch die Leber haben könne, die zum größten Teil auf seinem Teller kalt geworden war.

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Bittersüß

schreibt Thunders

Mich berührt diese schöne Geschichte. Die Beziehung zwischen der jungen Amy und dem reifen Erzähler hat etwas Besonderes. Der traurige Schluss passt zum realistischen Stil. Ich weiß, wie schwer es ist, seine Leser emotional zu erreichen. Dies ist mit dieser Geschichte gelungen! Gruß von Andreas (Thunders)

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