Die Verwandlung

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Die Verwandlung

Die Verwandlung

Yupag Chinasky

Neben diesen Fakten erfuhr er auch ein paar Dinge, die ihn richtig erstaunten und sehr für sie einnahmen. Er hatte ja schon gemerkt, dass sie klassische Musik liebte und nun erzählte sie ihm, dass sie im Schulchor mitsänge und auch eifrig Literatur lese. Alles, was sie in der Schulbücherei in die Finger bekäme, würde sie lesen, dort gäbe es zwar nicht viel und die Bücher seien total veraltet, aber immerhin gäbe es etwas zum Lesen. Sie habe eine große Sehnsucht nach der Welt der Literatur und wenn es möglich wäre, würde sie gerne Literatur und Sprache studieren, aber dazu brauche sie ein Stipendium und es sei nicht sicher, dass sie eines bekäme, nicht weil sie zu dumm oder ihre Eltern nicht arm genug seien, sondern nur deswegen nicht, weil sie keine Beziehungen zu denen habe, die das Geld verteilten, die in den Gremien säßen, in denen alles Wichtige entschieden wurde. Für sie käme im günstigsten Fall ein Job als Verkäuferin infrage oder ein Job bei einem Sozialdienst, aber in beiden Berufen würde man kaum etwas verdienen. Sie wurde richtig wütend, als sie das sagte und als er das Thema der sozialen Ungerechtigkeit vertiefte, merkte er, dass sie auch politisch sehr interessiert war und dass sie sogar fast auf derselben Linie lag, wie er, obwohl hier natürlich die politische Landschaft eine völlig andere war, Aber es gab seltsamerweise zwischen diesem jungen Mädchen und einem alten Akademiker eine Reihe von Gemeinsamkeiten, wie die Welt betrachtet wurde und wie man sie verbessern könnt. Nur als sie kurz auf das Thema Religion zu sprechen kamen, merkte er gleich, dass sie hier in keiner Weise übereinstimmten. Während er ein absoluter Atheist war, engagierte sie sich sehr in ihrer evangelikalen Gemeinde, in der Gospelchor sie auch sang. Er brach das Thema lieber ab und schlug vor, in das Motel zurückzukehren, da es mittlerweile ziemlich spät geworden sei.

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Bittersüß

schreibt Thunders

Mich berührt diese schöne Geschichte. Die Beziehung zwischen der jungen Amy und dem reifen Erzähler hat etwas Besonderes. Der traurige Schluss passt zum realistischen Stil. Ich weiß, wie schwer es ist, seine Leser emotional zu erreichen. Dies ist mit dieser Geschichte gelungen! Gruß von Andreas (Thunders)

Gedichte auf den Leib geschrieben