Seitdem bin ich auf der Jagd. Die beste Jahreszeit dafür ist der Frühling, wenn es die Menschen raus ins Freie zieht und die Hormone ihren Job erledigen. Dicht gefolgt vom Sommer, wenn sich die Leute in lauen Nächten, draußen in der Natur, im Wald, in den Parks der Städte, in dunklen Ecken großer Biergärten oder an den Ufern der Flüsse und Seen vermeintlich unbeobachtet ihrer Lust hingeben. Apropos: gestern hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis am kleinen Waldsee, aber dazu komme ich gleich.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die beste Zeit zum Jagen. Ist sicher nicht der Herbst. Obwohl ich da auch schon gute Beute gemacht habe, dann aber eher im Ausland, wo’s noch sommerlich warm ist. Ganz spannend finde ich die Zeit um Weihnachten, wenn die Häuser hell erleuchtet sind und man ganz weit in die Wohnungen schauen kann. Leider ist es dann draußen oft nass und kalt, sodass meine Streifzüge meist nicht länger dauern als eine Stunde. Und viel Erfolg habe ich dabei bisher leider auch noch nicht gehabt. Ich sehe die Menschen bei allerlei Tätigkeiten, beim Kochen, Essen, Bügeln, beim Fernschauen auf dem Sofa, aber praktisch nie beim Vögeln. Haben die denn alle keinen Sex mehr oder treiben sie es nur in ihren Betten? Wie dem auch sei, ich freue mich trotzdem immer auf die dunkle Jahreszeit. Und einmal hatte ich auch da einen Treffer, ein ganz besonderes Erlebnis, ich glaube, das war am ersten Weihnachtsfeiertag, das war so krass, dass es mich für all die Stunden vergeblichen Umherstreifens in frostigen Nächten mehr als entschädigt hat. Aber davon erzähle ich ein andermal.
Früher habe ich mich bei meinen Streifzügen mit dem Sammeln der Bilder in meinem Kopf begnügt. Ich habe still zugeschaut, habe jeden Moment in mich aufgesaugt, wie ein Schwamm, um mich zuhause, wenn ich von meinem Jagdzug mit reicher Beute zurückgekehrt war, ausgiebig selbst zu verwöhnen.
Die Voyeurin
89 10-17 Minuten 1 Kommentar
Die Voyeurin
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Unglaublich gut geschrieben
schreibt anitaisiris