Deshalb ist der Waldsee immer noch so etwas wie ein Geheimtipp. Die Fahrt dorthin dauert 10 Minuten und ich steige am alten Forsthaus aus. Von dort führt ein etwa zwei Kilometer langer Wanderweg runter zum See. Ein kleiner, versteckter Trampelfpad zweigt vom Weg ab und geht um den See herum. Und mit einem Abstecher über den Sandkopf, einer isolierten Düne mit Fichten und Lärchen, die ein Relikt aus der letzten Eiszeit ist, führt der Weg dann zurück zum Forsthaus. Insgesamt etwas mehr als elf Kilometer, eine wunderschöne Runde.
Wochentags ist hier wenig los, und so begegnet mir unterwegs nur ein altes Ehepaar mit einem noch älteren Dackel an der Leine. Am See selbst ist keine Menschenseele. Nur ein paar Enten dösen am Ufer. Ich biege auf den Trampelpfad ab und beginne meine Runde ums Gewässer. Es ist so schön hier draußen, Natur pur, der weiche Waldboden dämpft meine Schritte wunderbar ab. Fast lautlos komme ich voran, meine Beine laufen automatisch, wie von allein, ich kann meine Gedanken spazieren lassen. Und die Landschaft genießen.
Auf einmal nehmen meine Sensoren andere Menschen war, am Ufer unter ein paar Bäumen, kaum zu sehen. Sofort bleibe ich stehen. Mein Jagdinstinkt erwacht. Ich brauche ein paar Minuten, bis sich meine Atemfrequenz von „Laufen“ auf „Lauern“ runtergeregelt hat, dann schleiche ich langsam und vorsichtig in Richtung Ufer, wo meine vermeintliche Beute nichtsahnend ihr Ding macht. Was auch immer ihr Ding sein mag.
Geduckt und so lautlos wie möglich pirsche ich mich an meine Opfer heran. Es ist ein Pärchen, jung, knackig, vielleicht Mitte Zwanzig. Sie liegen auf einer Picknickdecke, nah am Ufer, im Halbschatten der Bäume und machen rum. Oha! Das sieht vielversprechend aus. Schritt für Schritt komme ich näher, verharre immer wieder im Schutz geeigneter Baumstämme oder Hecken.
Die beiden sind voll bei der Sache, knutschen und fummeln, es ist eine Augenweide.
Die Voyeurin
89 10-17 Minuten 1 Kommentar
Die Voyeurin
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Unglaublich gut geschrieben
schreibt anitaisiris