Derselbe Platz, dasselbe gedämpfte Licht, das durch die hohen Fenster fiel, derselbe matte Glanz der Marmortische, dieselbe diskrete Geschäftigkeit der Kellner, die eher glitten als gingen. Ich saß an meinem kleinen Tisch nahe der Wand, den Blick halb in den Raum, halb in mich selbst gerichtet, und spielte gedankenlos mit dem Henkel meiner Tasse.
Ich bemerkte ihn nicht sofort.
Sicher war er schon eine Weile da. Vielleicht hatte er mich bereits beobachtet, während ich noch in meiner geordneten kleinen Welt verweilte, die ich für unantastbar hielt. Erst als mein Blick zufällig aufstieg und nicht, wie gewöhnlich, an irgendeinem belanglosen Detail hängenblieb, sondern von seinem gehalten wurde, bemerkte ich ihn.
Es war kein aufdringlicher Blick, der meinen einfing. Eher ein ruhiger, prüfender. Aber auch einer, der nicht gleich wieder wich, sondern standhielt, als hätte er ein Recht, zu bleiben. Für einen kurzen Moment war ich versucht, ihn zu übergehen, ihn wie all die anderen Gesichter in diesem Raum zu behandeln – beiläufig, austauschbar. Doch etwas daran hinderte mich. Vielleicht die Selbstverständlichkeit, mit der er mich ansah. Vielleicht die stille Einladung, die darin lag.
Ich hielt den Blick.
Es entstand jene eigentümliche, gespannte Stille zwischen zwei Menschen, die einander nichts schulden und sich doch plötzlich in einer unausgesprochenen Übereinkunft wiederfinden. Und plötzlich wurde mir mein Körper bewusst. Wie ich saß. Wie meine Finger die Tasse hielten. Wie meine Beine unter dem Tisch übereinandergeschlagen waren. Wie sehr sich die Luft um mich herum verdichtete, ohne dass sich im Raum äußerlich etwas verändert hätte.
Er lächelte nicht sofort. Auch das gefiel mir – mehr, als es sollte. Stattdessen blieb dieser Blick, ruhig, aufmerksam, beinahe geduldig, als würde er abwarten, ob ich ihn zuließe.
Die Wartende
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