Und das tat ich.
Es war schließlich er, der diese Stille brach, ohne die Verbindung zu zerstören.
Er stand auf, ging zu meinem Tisch und sprach mich an.
„Warten Sie auch?“
Seine Stimme hatte etwas Unaufgeregtes, beinahe Sachliches, als handelte es sich um eine beiläufige Feststellung. Ich hob den Blick wieder, langsamer diesmal, und erlaubte mir ein schmales Lächeln.
„Ja“, sagte ich. „Schon eine Weile.“
Er nickte, als bestätigte ich damit etwas, das er längst vermutet hatte. „Ich auch“, erwiderte er. „Es ist erstaunlich, wie viel Zeit man mit Warten verbringen kann, ohne dass etwas passiert.“
„Wobei doch gerade dabei so viel passieren könnte“, gab ich zurück, noch ehe ich genau wusste, warum.
Ein kaum merkliches Zucken um seine Mundwinkel – kein Lachen, eher ein Anerkennen. Ich wurde mir meines Atems bewusst. Er ging ruhiger, als ich erwartet hätte. Meine Finger, die eben noch gleichgültig mit dem Löffel gespielt hatten, hielten nun inne. Ich legte ihn sorgfältig neben die Untertasse, als verlangte selbst diese kleine Bewegung nach einer gewissen Präzision.
„Und?“, fragte er nach einem kurzen Moment. „Warten Sie gern?“
Ich lehnte mich ein wenig zurück, mehr um mir selbst Raum zu verschaffen als aus wirklichem Bedürfnis. „Nein“, sagte ich ehrlich. „Aber ich tue es gut.“
Diesmal lächelte er. So, als hätte ich ihm etwas Interessantes über mich verraten, das er nun weiterdenken wollte. Sein Blick glitt kurz über mich, nicht hastig, nicht prüfend – wahrnehmend. Und gerade darin lag etwas, das ich deutlicher spürte, als mir lieb war.
„Ich glaube“, sagte er leise, „Sie sind jemand, der ungern die Kontrolle verliert.“
Es war keine Frage. Und doch antwortete ich.
„Das weiß ich bereits.“
Ein kurzer Augenblick verging, in dem keiner von uns sprach. Ich hätte den Blick abwenden können, vielleicht sogar sollen.
Die Wartende
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