Die Wartende

Kaffeehausgeschichten

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Die Wartende

Die Wartende

Leni Trattner

Für einen kurzen Moment standen wir uns einfach gegenüber. Nah genug, um seinen Atem zu spüren.
Dann küsste er mich.
Nicht vorsichtig. Nicht tastend. Sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die mich einen Augenblick lang erschreckte – und im selben Moment jede meiner eigenen Reserven hinwegfegte. Ich erwiderte den Kuss sofort, ohne Zögern, als hätte mein Körper nur auf dieses Signal gewartet.
Es gab keinen Abstand mehr zwischen uns, keinen Raum für Gedanken. Als ich ihn ganz spürte, entglitt mir ein leiser, unkontrollierter Laut, weil die Intensität mich sofort erfasste – unmittelbar, körperlich, ohne jede Vorbereitung.
Ich klammerte mich an ihn, spürte seine Hände an meinen Hüften, fest genug, um mich zu halten, mich zu führen. Jede Bewegung traf mich präzise, ließ die Spannung in mir anschwellen, tiefer, dichter, bis ich kaum noch ruhig atmen konnte. Mein Körper reagierte schneller, als ich es gewohnt war, offener, verlangender, als hätte ich jede Zurückhaltung im Kaffeehaus zurückgelassen.
Ich bewegte mich ihm entgegen, ohne darüber nachzudenken, suchte den Kontakt, verstärkte ihn, wollte mehr von genau diesem Gefühl, das sich in mir ausbreitete. Wärme wurde zu Hitze, Hitze zu etwas Drängendem, das sich nicht mehr kontrollieren ließ. Meine Finger gruben sich in seine Schultern, hielten ihn fest, als könnte ich ihn noch näher zu mir ziehen.
„Nicht aufhören“, hörte ich mich sagen, leise, fast atemlos – und es überraschte mich nicht einmal.
Er tat es nicht.
Der Rhythmus wurde intensiver, klarer, ließ mir keinen Raum mehr, mich zu sammeln. Ich spürte jede Bewegung in meinem ganzen Körper, wie sich die Spannung immer weiter aufbaute, sich zusammenzog, bis sie kaum noch auszuhalten war. Mein Atem ging stoßweise, meine Gedanken lösten sich auf in reines Empfinden.

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