Es betraf vor allem ihre Sitzgelegenheit, was Manuela ziemlich verunsicherte. Sollte an den Gerüchten doch etwas dran sein, über die manche der älteren Schülerinnen in den Pausen unter vorgehaltener Hand tuschelten? Manu wurde unruhig. Sie konnte plötzlich nicht mehr still sitzen, obwohl sie es krampfhaft versuchte. Dieses diffuse Gefühl verstärkte sich noch, als Margot sie mit Namen aufrief.
„Manuela Hansen! Ich habe mich über dein Verhalten mit der Direktorin unterhalten. Fräulein Reiser ist der Meinung, dass du eine Strafe verdienst. Da weder Nachsitzen, noch Strafarbeiten gefruchtet haben, werde ich nun zum allerletzten Mittel greifen. Du kommst jetzt nach vorne zu mir, damit ich dir den Hintern versohlen kann!“ Aus Manus Gesicht wich der letzte Rest Farbe, als sie diese Nachricht hörte. Manuela wehrte sich sofort. „Das dürfen sie nicht! Ich will mit meiner Mutter sprechen. Sie wird ihnen das verbieten und wenn es sein muss, einen Rechtsanwalt einschalten!“
Hedwig hatte genau diese Reaktion vorhergesagt und dementsprechend vorgesorgt. In Maggies Beisein telefonierte sie mit Emilie Hansen, Manus Mutter. Die reserviert wirkende Norddeutsche hörte sich die Geschichte an, die Hedwig erzählte. Emilie kannte ihr Mädchen, dem eine strengere Hand fehlte. Hedwig gab Frau Hansens Worte an Margot weiter. „Sie dürfen Manuela gerne auf diese Weise bestrafen, wenn sie sich so schlecht benimmt! Sagen sie ihr, dass sie nicht anzurufen braucht. Ich stehe voll und ganz hinter dieser Erziehungsmaßnahme, die ich viel zu lange vermieden habe!
Wenn meine Tochter es wagen sollte, die Schule zu verlassen, wird es für sie die nächsten Jahre keinerlei Taschengeld geben, und wir werden Manuela auf die katholische Internatsschule in der bayrischen Provinz schicken. Dort herrschen noch sehr strenge Sitten vor, die Manuela kaum behagen werden.
Die Zeiten ändern sich
Episode 1 aus: Rückkehr nach Ruteberg
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