Die Camper

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Die Camper

Die Camper

Kai Beisswenger

Ich glaubte zu träumen. Wie lange wir schon in den Dünen saßen und den Sonnenuntergang schweigend betrachteten - ich hatte keine Ahnung. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich spürte ihre Hitze, roch ihren jungen Schweiß. Wie selbstverständlich schlang ich meinen Arm um ihre Schulter und zog sie an mich. Sie fühlte sich weich an. Ich hatte das Gefühl, mit ihr zu verschmelzen. Sie war mir so vertraut und doch so fern. Plötzlich erhob sie sich und rannte durch den warmen Sand zum Meer hinab. Die Sonne war verschwunden. Ich sah, wie sie ihre Tunika abwarf und sich in die Wellen schmiß. War das ein Angebot? Unschlüssig starrte ich aufs Meer. Gelähmt tat ich nichts und das war auch gut so. Sie schien mein Zögern zu bemerken, denn Sekunden später war sie aus dem Wasser, ergriff ihr Tuch und rannte zu mir zurück. Nackt stand sie vor mir. Langsam überwand sie meine Intimsphäre, kam immer näher und preßte ihre Scham an mein Gesicht. Ich sog einen Cocktail aus Salzwasser, Meeresfrüchten und Körpersäften ein. Dann strich ich über ihre Pobacken. Sie fuhr mir über den Kopf, streichelte zunächst meine Ohren, dann meinen Nacken. Sanft wanderten meine Finger über ihren Hintern hinunter bis zu ihrem Geschlecht.
Was machte ich da? Meine Frau war vor drei Tagen abgereist. Ihr Chef hatte ihr nur 2 Wochen Urlaub gestattet. Ich hingegen konnte noch eine Woche länger bleiben. In den letzten 10 Jahren verbrachten wir den Sommer immer auf diesem einzigartigen Campingplatz an der Atlantikküste. Er ist preiswert, einfach und die kühlen Nächte werden von einem Meeres-Orchester harmonisch begleitet. Zelt und Strand sind weniger als 100 Meter voneinander getrennt. Das i-Tüpfelchen ist der Sonnenuntergang, der bei einem Vin Rouge in der kleinen Bar auf der Düne die Seele in einer melancholischen Melange aus Hoffnung und Müdigkeit berauscht.
Elsa kannte ich seit vielen Jahren. Als ich sie das erste Mal sah, hatte sie gerade ihr Abi in der Tasche und begann Brotlose Kunst zu studieren. Übermüdet und genervt war sie mit Freund, Hund und verbeultem VW-Bus angekommen. Wäre ich nicht zufällig ihr Nachbar gewesen, hätten sie wohl ihr Zelt nie aufgebaut und getrennt von Tisch und Bett im VW- Bus genächtigt. Sie konnten sich weder leiden, noch ohne fremde Hilfe ein Eigenheim aufstellen. Warum Elsa mit diesem Kerl zusammen gewesen ist, habe ich nie verstanden.
In diesem Sommer war sie nun schon zum zweiten Mal mit ihrem Ehepartner und ihrem Sohn in Le Paradis. Ihr Mann ist überhaupt nicht mein Typ: Männergruppler, Müslifresser, Weichei und Gesellschafts-Versager. Ihr Sohn hingegen ist absolute Spitzenklasse: neugierig, witzig und verspielt.
Weichei mußte seinen Sohn ins Bett bringen. Mein Sohn und mein Neffe ärgerten ein paar Mädchen. Sie jagten sie über den Campingplatz und beschmissen sie mit Wasserbomben. Also gingen Elsa und ich alleine unseren allabendlichen Pflichten nach. Der Vin Rouge, bester Freund des Sonnenuntergangs, wartete auf uns in der kleinen Kneipe auf der Düne.
Elsa war meine heimliche Liebe. Ich hatte mich von Anfang an in ihre großen Mandelaugen, ihre grazile Figur und ihren runden Hintern verliebt. Jetzt wog sie mindestens 10 kg mehr, aber ich war auch nicht jünger geworden. Elsa lotste mich an der Bar vorbei in die Dünen hinein. Sie wollte das Naturschauspiel ohne angetrunkene Störenfriede genießen. Zudem wollte sie etwas mehr von mir, aber an so etwas zu denken, war ich weit entfernt – bis vor wenigen Minuten.
Ich bebte und zitterte. Ich wollte mich gehen lassen, doch plötzlich baute sich das Bild meiner Frau vor meinen Augen auf. Langsam, wie ein jpg-Dateiformat öffnete es sich. Sanft entwand ich mich Elsa und ging zurück zum Zelt, wo mich mein Sohn strahlend empfing. Nun, wenige Minuten später sitze ich vor meinem Nachtlager und denke an meine Frau. Ich möchte jetzt mit ihr schlafen, doch trennen uns 1200 km. Gleich werde ich sie anrufen. Telefonsex kann auch eine Alternative sein.

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