Die Fotografin

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Die Fotografin

Die Fotografin

Dreaming Dolphin

„Und um Deine nächste Frage gleich vorwegzunehmen: Nein, Penisneid ist dabei nicht im Spiel! Ich möchte durchaus nicht selber so ein ... Ding ... haben.„ Sie lachte. „Aber ich fotografiere es nun mal gern!„
Ich schüttelte den Kopf. „Du machst tatsächlich solche ... pornografischen Bilder? Das hätte ich dir gar nicht zugetraut!„
„Pornografie?„ Sie war entrüstet. „Nein, Pornografie ist etwas ganz anderes! Pornografie ist die Ausschlachtung menschlicher Sexualität zu kommerziellen Zwecken. Nein, mich fasziniert einfach das Motiv. Als Symbol von Männlichkeit vielleicht. Oder auch nur, weil ich es süß finde.„ Und wieder lachte sie. „Jedenfalls ziehe ich den real existierenden Phallus allen Phallussymbolen vor! Du solltest wirklich meine Bilder sehen ...„
Da saß ich also, und die für mich in diesem Augenblick schönste und begehrenswerteste Frau der Welt lud mich ein, mir ihr privates Fotoalbum zu zeigen, so wie ich als Teenager die Mädchen in meiner Klasse eingeladen hatte, meine Briefmarkensammlung zu begutachten. Was sollte ich tun? Ich sagte natürlich: „Das ist eine gute Idee!„
„Ja„, sie lachte wieder, „das meine ich auch.„ Sie zögerte. „Es gibt da nur ein Problem.„
„Ein Problem?„
„Ja, ein Problem. Oder besser: eine Regel!„
Ich wurde ungeduldig: „Nun sag schon, was ist das Problem, die Regel?
Sie sah mir in die Augen. „Ganz einfach: Diese Bilder bekommen nur solche Männer zu sehen, die sich vorher selber von mir haben fotografieren lassen. Alles andere wäre unfair, denke ich.„
Ich schluckte. „Das ist nicht dein Ernst! Du meinst, wenn ich diese Bilder sehen will, dann muss ich mich vorher von dir fotografieren lassen? Nackt?„
„Ja„, sagte sie, „genau das meine ich.„
Ich schüttelte den Kopf. „Du bist vollkommen verrückt! Wer mach denn so was?„ Doch Christine lächelte nur süffisant: „Mehr als du denkst!„ Dann stand sie auf. „Ich muss noch mal für kleine Mädchen„, sagte sie, „dann fahre ich nach Hause. Du kannst es dir ja überlegen: mitkommen oder nicht. Es ist deine Entscheidung.„ Und schon rauschte sie davon in Richtung Badezimmer.
Und ich überlegte es mir. Was für eine verwirrende und zugleich durchaus aufregende Situation. Wie viele Männer bekamen wohl die Chance auf solch ein erotisches Abenteuer? Auf der anderen Seite: Was würde mich erwarten? Was, wenn ich mich hoffnungslos blamierte? Doch eigentlich war die Entscheidung längst gefallen. Als Christine zurückkehrte, hielt ich schon unsere Mäntel in der Hand. „OK!„ sagte ich. „Dann zeig mir mal deine Briefmarkensammlung!„
Sie lachte und hakte sich bei mir unter. „Gerne, wenn du mich deinem kleinen Freund vorstellst ...„ Und giggelnd wie Teenager verließen wir die Party unseres Bekannten und machten uns auf den Weg zu ihr nach Hause.

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