Die Fotografin

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Die Fotografin

Die Fotografin

Dreaming Dolphin

I.
Dass wir uns kennen lernten, war reiner Zufall. Wir trafen uns auf der Party eines gemeinsamen Bekannten, fanden einander sympathisch, unterhielten uns fast den ganzen Abend und hatten so eine gute Zeit miteinander.
Sie hieß Christine und war Fotografin. Das fand ich spannend, da auch ich in einem „kreativen„ Job arbeite. Und so gab es Gesprächsthemen ohne Ende.
Mit besonders viel Begeisterung erzählte sie von ihrer Arbeit: von den Schrullen ihrer Auftraggeber, von Motiven und Objektiven, von anstrengenden Modellen und unbeholfenen Assistenten, von langweiligen und von aufregenden Shootings. Ihre Augen leuchteten dabei, ihre Wangen röteten sich vor Begeisterung. Ja, sie liebte ihren Job, das war offensichtlich.
Ich hörte zu. Die Frau gefiel mir. Sie war nicht nur „hübsch„, sondern von jener herben Schönheit, die gerade erfolgreiche Frauen oft so anziehend wirken lässt. Sie hatte dunkelblondes, leicht strubbeliges, schulterlanges Haar, einen etwas zu großen Mund, leuchtend blaue Augen, leicht hervortretende Wangenknochen und ein hübsches Kinn. Sie war schlank, aber nicht dünn, groß, aber nicht zu groß, hatte eine angenehme Stimme und ein bezauberndes Lachen. Und je länger ich ihr zuhörte, desto klarer wurde mir, dass ich drauf und dran war, mich in diese Frau zu verlieben. Nein, ich himmelte sie an!
„Das ist also Dein Job„, sagte ich irgendwann, nur um irgendetwas zu sagen. Ich hatte bemerkt, dass sie das Gespräch vollkommen bestimmte. Ich war nur das Publikum für ihre Monologe. „Und was machst du sonst so? Was machst du gerne? Außer Deiner Arbeit, meine ich. Was kann Dich sonst begeistern?„
„Ich fotografiere!„ antwortete Christine mit einem Lächeln.
„Nein„, sagte ich ungeduldig und schüttelte den Kopf. „Ich meine: privat. Was machst du, wenn du nicht arbeitest?„
„Ich fotografiere!„ wiederholte sie. „Auch privat.„ Sie zuckte mit den Schultern. „Fotografieren ist nun mal mein Leben!„
Ich kapitulierte. „Fotografieren ist also Dein Beruf und zugleich Dein liebstes Hobby. Ist das nicht ein bisschen ... langweilig?„
Sie lachte. „Keineswegs! Die Technik ist dieselbe, aber die Motive wechseln!„
„So?„ fragte ich zurück. „Was fotografierst du denn, wenn du so ganz privat und nur zum Hobby fotografierst?„
Christine sah mich herausfordernd an. „Wenn ich so ganz privat und nur zum Hobby fotografiere„, sagte sie, „dann fotografiere ich am liebsten ... Schwänze!„
„Schwänze?„ Ich muss sehr entgeistert ausgesehen haben, denn nun lachte sie laut und herzlich auf.
„Ja, Schwänze! Nicht Pferde- oder Kuhschwänze, sondern ... das männliche Glied! Penisse, Pullermänner, maskuline Genitalien! Schwänze halt.„
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also hielt ich den Mund – und lief rot an. Was sie wiederum zu amüsieren schien. Ganz offensichtlich genoss sie es, wie ihre herzerfrischende Unverblümtheit mir die Sprache verschlagen hatte. Schließlich beugte sie sich vertraulich zu mir herüber, legte mir ihre langen Fotografinnenfinger auf den Arm und fragte leise: „Soll ich dir mal mein privates Fotoalbum zeigen?„
Jetzt wurde ich ärgerlich. Mehr auf mich selbst als auf sie, weil ich so leicht aus der Fassung zu bringen war. Unwillig schüttelte ich ihre Hand ab und sagte barsch: „Du nimmst mich auf den Arm, nicht wahr?! Das sagst du nur, um zu provozieren!„
Doch Christine lehnte sich gelassen zurück, zündete sich eine Zigarette an und antwortete: „Keineswegs! Im Gegensatz zu vielen meiner Geschlechtsgenossinnen, finde ich das männliche Glied an sich sehr ... fotogen. Um ehrlich zu sein: Es fasziniert mich! Ich mag es, wie aus einem kleinen, schrumpeligen Anhängsel durch ein paar Berührungen, vielleicht nur durch einen Gedanken, ein großes, kräftiges und mitunter durchaus wohlgestaltetes Instrument der Lust wird – für Mann und Frau. Wenn das kein lohnendes Sujet ist!„ Sie nahm einen tiefen Zug aus ihrer Zigarette. „Und um Deine nächste Frage gleich vorwegzunehmen: Nein, Penisneid ist dabei nicht im Spiel! Ich möchte durchaus nicht selber so ein ... Ding ... haben.„ Sie lachte. „Aber ich fotografiere es nun mal gern!„
Ich schüttelte den Kopf. „Du machst tatsächlich solche ... pornografischen Bilder? Das hätte ich dir gar nicht zugetraut!„
„Pornografie?„ Sie war entrüstet. „Nein, Pornografie ist etwas ganz anderes! Pornografie ist die Ausschlachtung menschlicher Sexualität zu kommerziellen Zwecken. Nein, mich fasziniert einfach das Motiv. Als Symbol von Männlichkeit vielleicht. Oder auch nur, weil ich es süß finde.„ Und wieder lachte sie. „Jedenfalls ziehe ich den real existierenden Phallus allen Phallussymbolen vor! Du solltest wirklich meine Bilder sehen ...„
Da saß ich also, und die für mich in diesem Augenblick schönste und begehrenswerteste Frau der Welt lud mich ein, mir ihr privates Fotoalbum zu zeigen, so wie ich als Teenager die Mädchen in meiner Klasse eingeladen hatte, meine Briefmarkensammlung zu begutachten. Was sollte ich tun? Ich sagte natürlich: „Das ist eine gute Idee!„
„Ja„, sie lachte wieder, „das meine ich auch.„ Sie zögerte. „Es gibt da nur ein Problem.„
„Ein Problem?„
„Ja, ein Problem. Oder besser: eine Regel!„
Ich wurde ungeduldig: „Nun sag schon, was ist das Problem, die Regel?
Sie sah mir in die Augen. „Ganz einfach: Diese Bilder bekommen nur solche Männer zu sehen, die sich vorher selber von mir haben fotografieren lassen. Alles andere wäre unfair, denke ich.„
Ich schluckte. „Das ist nicht dein Ernst! Du meinst, wenn ich diese Bilder sehen will, dann muss ich mich vorher von dir fotografieren lassen? Nackt?„
„Ja„, sagte sie, „genau das meine ich.„
Ich schüttelte den Kopf. „Du bist vollkommen verrückt! Wer mach denn so was?„ Doch Christine lächelte nur süffisant: „Mehr als du denkst!„ Dann stand sie auf. „Ich muss noch mal für kleine Mädchen„, sagte sie, „dann fahre ich nach Hause. Du kannst es dir ja überlegen: mitkommen oder nicht. Es ist deine Entscheidung.„ Und schon rauschte sie davon in Richtung Badezimmer.
Und ich überlegte es mir. Was für eine verwirrende und zugleich durchaus aufregende Situation. Wie viele Männer bekamen wohl die Chance auf solch ein erotisches Abenteuer? Auf der anderen Seite: Was würde mich erwarten? Was, wenn ich mich hoffnungslos blamierte? Doch eigentlich war die Entscheidung längst gefallen. Als Christine zurückkehrte, hielt ich schon unsere Mäntel in der Hand. „OK!„ sagte ich. „Dann zeig mir mal deine Briefmarkensammlung!„
Sie lachte und hakte sich bei mir unter. „Gerne, wenn du mich deinem kleinen Freund vorstellst ...„ Und giggelnd wie Teenager verließen wir die Party unseres Bekannten und machten uns auf den Weg zu ihr nach Hause.

II.
Christine wohnte in ihrem Atelier oder arbeitete in ihrer Wohnung – ganz wie man es sah. Eine ehemalige Fabriketage, umgebaut zu einer Loft, in der es sich leben ließ: große Fenster, Parkettfußboden, viel Chrom und Stahl, eine kleine Küchenecke, ein ebenso kleiner Sanitärbereich, ein großer Schreibtisch, auf dem sich Fotos, Kameras und Kamerazubehör stapelten – und mitten drin ein großes, baldachinbewehrtes Bett.
„Herzlich willkommen!„ sagte sie, nachdem die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war. „Hier lebe ich.„
„Nicht schlecht„, antwortete ich bewundernd. „Scheint so, als könne man ganz gut verdienen mit der Fotografiererei.„
„Es geht so„, lachte sie. „Man lebt ...„ Mit einer lässigen Bewegung legte sie den Mantel ab und warf ihn über einen etwas deplaziert wirkenden Ohrensessel. Und – als fordere sie mich auf den Fernseher anzumachen oder Musik aufzulegen – sagte sie dann: „Zieh dich schon mal aus ... ich hol nur schnell die Kamera!„ – und verschwand in einem kleinen Kabuff am anderen Ende des Raumes ...
Da stand ich nun. Worauf hatte ich mich da eingelassen? „Zieh dich schon mal aus!„ Wie eine Sprechstundenhilfe beim Arzt: „Machen Sie sich schon mal frei!„ Der leichte Anflug von Erregung, den ich von der Party meines Bekannten hinübergerettet hatte in diese Situation, war schlagartig verflogen. In meiner Hose regte sich – nichts. Und SIE wollte meine Männlichkeit fotografieren! Na prima!
Verschämt sah ich mich um. Keine Umkleidekabine, keine spanische Wand, hinter der ich hätte verschwinden können (ich hatte auch nicht wirklich damit gerechnet!), nur dieser große Raum, das riesige Bett – und ich. Ich überlegte ernsthaft zu kneifen. Zu absurd war das Ganze. Aber dann wollte ich mir doch keine Blöße geben. Ich hatte eingewilligt – nun blieb mir nichts anderes übrig, als das alles durchzustehen.
Von „Stehen„ konnte freilich keine Rede sein. Als ich Hemd und Hosen ausgezogen hatte, stand da gar nichts. Schlaff und wenig beeindruckend präsentierte sich mein Geschlecht. Schnell verkroch ich mich auf das von Deckenstrahlern in helles Licht getauchte Bett und zog die dort liegende Decke über meinen Schoß.
Keinen Augenblick zu früh. Schon kam Christine zurück. Immer noch trug sie das „kleine Schwarze„, ihre Partykleidung, doch um den Hals baumelte eine sehr professionell wirkende Spiegelreflexkamera.
„Na, na„, lachte sie, als sie mich sah, wie ich da nackt in ihrem Bett hockte, die Bettdecke verschämt über den Schoß gezogen, „so schüchtern?„ Und mit geschickten Händen bereitete sie ihre Kamera für unser Fotoshooting vor.
„Hm ... nun ja ... weißt du ...„ stammelte ich, „schließlich mache ich so etwas nicht jeden Tag!„
„Ich schon!„, sagte sie lächelnd und brachte sich in Position. „Dann mach uns mal bekannt, deinen kleinen Freund und mich!„
Tja, nun wurde es ernst. Ich atmete noch einmal tief durch, dann zog ich die Bettdecke zur Seite. Klein und schlaff, fast ein wenig verängstigt, lag mein Penis in meinem Schoß. Nun habe ich eines von diesen Geschlechtsteilen, die im „Normalzustand„ auch nur „normale„ Größe haben und erst bei entsprechender Erregung ihre volle Pracht entfalten. Doch zum ersten Mal in meinem Leben war mir das nun peinlich.
„Na„, sagte sie, „der ist ja süß!„ und machte die ersten Fotos.
Unter normalen Umständen hätte ich sicher längst eine Erektion gehabt, aber an diesem Abend – nichts.
Sie machte noch ein paar Bilder, dann baute sie sich vor mir auf, die Hände an den Hüften, und sagte: „So wird das nichts, mein Schatz! Nun zier dich mal nicht. Mach ihn ein bisschen fotogener für mich, du weißt doch sicher, wie das am Besten geht.„ Und wieder lachte sie und hob erneut die Kamera. „Ignorier mich einfach! Ich bin gar nicht da!„
„Gar nicht da„, dachte ich zornig. „Wenn das so einfach wäre!„
Und dann war es mir plötzlich egal. Sie wollte Fotos? Sie sollte Fotos bekommen!
Ich schloss die Augen und begann trotzig, mir den Schwanz zu massieren. Schließlich mochte ich es sonst doch auch, mich selbst zu befriedigen und meine Partnerin dabei zuschauen zu lassen. Ich hatte doch diese exhibitionistische Ader und zog Lustgewinn daraus, beobachtet zu werden dabei. Warum nicht jetzt?!
Und es funktionierte. Nach wenigen Augenblick hatte ich eine Erektion, die sich endlich sehen lassen konnte.
Christine schien zufrieden zu sein. Sie lächelte hinter ihrer Kamera. Und sie machte ein Bild nach dem anderen.
Nach einer Weile begann sie, mir Anweisungen zu geben: „Jetzt nimm die Hand weg! Er steht doch von alleine!„ Und wieder drückte sie auf den Auslöser. So ging es eine Weile. Ich wurde langsam lockerer, und das Ganze begann sogar, mir Spaß zu machen. Ganz selbstverständlich griff ich zwischendurch nach meinem Schwanz und sorgte dafür, dass meine Erektion erhalten blieb. Wir unterhielten uns dabei, sie machte ihre Bilder, und mir kam es so vor, als wäre längst nicht mehr nur ich es, den dieses außergewöhnliche Spiel erregte.
Ich irrte mich nicht.
Plötzlich nahm Christine ihre Kamera vom Hals, montierte sie auf ein Stativ und brachte dieses in einigem Abstand zum Bett in Position. Durch den Sucher peilte sie die Stelle an, an der ich noch immer lag und mein bestes Stück präsentierte. Dann drückte sie auf einen der vielen Knöpfe an der Kamera, woraufhin ein leises Summen den Raum erfüllte.
„Ein Selbstauslöser„, dachte ich noch – dann war sie auch schon bei mir. Über mir. Zog sich ihr Kleid über die Schenkel hoch – sie trug keinen Slip; hatte sie das alles genau so geplant?!? – und zeigte mir ihre süße, kleine, feucht glänzende Pflaume.
Ein Griff, eine schnelle Bewegung des Unterkörpers, und mein bestes Stück verschwand tief in ihrem Schoß.
In diesem Augenblick löste die Kamera aus, gleich mehrfach nacheinander. Christine fand ihren eigenen, sich schnell steigernden Rhythmus, meine, in der letzten Stunde langsam aufgebaute Erregung, trieb einem fulminanten Höhepunkt entgegen: ein paar Bewegungen ihrer-, ein paar Stöße meinerseits, und ich ergoss mich in ihren Schoß ...

III.
Sie war natürlich noch nicht gekommen. Aber das machte nichts. Wir liebten uns – mit Unterbrechungen – die halbe Nacht, und holten ausgiebig nach, was beim ersten Mal zu kurz gekommen war.
Zwischendurch zeigte sie mir ihre privaten Fotoalben. Unglaublich, wie unterschiedlich – und einzigartig – das männliche Geschlechtsteil ist! Meine Begeisterung dafür hielt sich freilich in Grenzen, als ich mir vorstellte, dass sie ... Aber egal! Dies war meine Nacht! Und wenn Christine nicht so gewesen wäre, wie sie nun einmal war, wäre ich um eine wirklich außergewöhnliche Erfahrung ärmer ...

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