Ich könnte Ihnen auf den Schreck einen Whisky anbieten, während Sie warten."
"Nein danke, nicht nötig", sagte sie und stand auf. Im Licht der Parklampe zeichnete sich deutlich das schwarze Dreieck ihrer Schambehaarung ab. Richard räusperte sich und riß sich von diesem Anblick los.
"Ich wohne ebenfalls nur ein paar Häuser weiter", sagte sie ungerührt, während sie sich den Slip hochzog. "Mein Name ist Charlotte. Wir kennen uns noch nicht, weil ich erst vor kurzem eingezogen bin." Sie reichte ihm die Hand.
"Angenehm, Richard Bargen", sagte Richard, während sein Blick wieder auf ihren halb entblößten Oberkörper fiel. "Auch wenn es mir leid tut, daß wir uns unter solchen Umständen kennengelernt haben."
Die Frau schien seinen Blick bemerkt zu haben und sah an sich herab. "Oh, Gott! Ich sehe ja furchtbar aus!" sagte sie und zog die Bluse vor der Brust zusammen. Dann blickte sie sich um. "Haben Sie irgendwo meinen Rock gesehen?"
"Oh, Entschuldigung!" sagte Richard und sprang auf. Er griff hinter sich, nahm den Rock, auf dem er gesessen hatte, von der Bank und reichte ihn der Frau.
Sie nahm ihn wortlos entgegen, legte ihn um die Hüften und verschnürte ihn an der Seite. "Vielen Dank für Ihre Hilfe!" sagte sie.
Richard hüstelte. "Keine Ursache", erwiderte er mit belegter Stimme. "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie nach Hause begleite?"
Sie entdeckte ihre Handtasche neben der Bank und hob sie auf. "Nein", sagte sie.
Schweigend gingen sie den dunklen Parkweg entlang. Sie hatte sich bei ihm untergehakt, und Richard beobachtete aus dem Augenwinkel, daß sich Charlottes lädierte Bluse wieder ein Stück geöffnet hatte.
"Was ist mit Ihnen?" fragte sie plötzlich. "Sie zittern ja!"
"Oh!" sagte Richard. "Sie können mir glauben, daß ich nicht jeden Tag eine solche Aufregung erlebe."
"Stimmt", sagte sie und lachte.
"Sie scheinen die Sache ja ganz gut überstanden zu haben."
Sie zuckte die Schultern. "Wie man’s nimmt."
"Ich bin natürlich jederzeit bereit, eine Zeugenaussage zu machen", sagte Richard, als sie den Gehweg vor dem Park erreicht hatten. "Ich habe nicht viel von dem Kerl gesehen, aber ein paar Details sind mir schon aufgefallen."
Charlotte warf ihm einen kurzen Blick zu. "Vielen Dank für Ihr freundliches Angebot, aber ich glaube, ich werde auf eine Anzeige verzichten."
"Wie bitte?"
"Wir sind da", sagte Charlotte, als sie vor einem Hauseingang stehenblieb und in der Handtasche kramte. Nachdem sie ihren Schlüssel gefunden hatte, sah sie Richard wieder an, diesmal mit einem schrägen Grinsen. "Der arme Kerl hat seine Strafe schon bekommen."
"Was wollen Sie damit sagen?"
"Erzählen Sie’s bitte nicht in der Nachbarschaft weiter", sagte sie und legte ihm vertraulich eine Hand auf den Arm. "Aber ich bin seit zwei Jahren positiv." Sie lachte. "Der verdammte Schweinehund, der mir das angetan hat, wird sich noch wundern!"
Richards Gesicht erstarrte zu einer steinernen Maske.
Charlotte beugte sich vor und hauchte ihm einen Kuß auf die Wange. "Trotzdem dankeschön für Ihren ritterlichen Einsatz. Und schlafen Sie gut!"
Richard drehte sich wortlos um und machte sich wie betäubt auf den Weg nach Hause.
Die Gelegenheit
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