Die Hände

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Die Hände

Die Hände

Sandro Armesani

Behutsam ihr Haar streichelnd küsse ich nun Bettis verpickelte Stirn. Unsere Zungen verknoten sich. Dann schleichen wir in die schalldichte Gesangskabine und ich schäle Bettis Körper aus Bluse und Unterhemd. Aufgebart wie eine Leiche liegt ihr weißer Körper vor mir; ich nippe an ihren Brustspitzen, sie reagiert nicht. Meine Jeans aufknöpfend schiebe ich ihre knochigen Finger unter den Bund meiner Boxershorts und zeige ihrer Hand die rhythmischen Bewegungen, die mich zum Höhepunkt führen sollen. Bettis Hand weicht zurück. Ich versichere ihr nun erneut, sie bei all ihren Problemen mit dem Karl zu unterstützen. Im Gegenzug würde ich etwas Dankbarkeit ihrerseits erwarten, vermittle ich Betti und dränge ihre Hand zurück ins Zentrum meiner Erregtheit. Bettis Unterarm schwingt nun, wie der Griff einer Handpumpe, auf und nieder.
Drohend hebt mein Vater seinen Arm. Er tobt. Ich habe ihn "Spießer mit Dackelbeinen" genannt. Ich kann nichts dafür: Er hat wirklich ganz kurze, krumme Dackelbeinchen. Außerdem hat er mich zuvor als "Proleten" bezeichnet. Jetzt also rast der Herr Papa und schlägt zu - fünf-, sechsmal. Er trifft meinen Oberarm. Es tut kaum weh, denn es mangelt meinem Vater an Kraft und Präzision. Ich fixiere das schmerzverzehrte Gesicht meines Vaters. Was für ein Jammerlappen! Da will er seinen Sohn verprügeln und verletzt sich selbst. Ich könnte ihn jetzt problemlos fertig machen. Ein gezielter Fersendrehschlag - Karl hat mir diesen Tritt gezeigt - stöße ihn zu Boden. Ich würde ihn an den Ohren packen und seinen Hinterkopf gegen sein wertvolles Laminat hämmern. Ich - beherrsche mich. Mein Vater und meine Mutter kreischen hysterisch: So ginge es nicht weiter. Meine Matura würde ich "vergeigen", denn nie sei ich zuhause, sondern immer nur im Tonstudio. Sie wollten jetzt mit diesem Karl sprechen: Es müsse ein Schluss-Strich unter meine Aufnahmen gesetzt werden.

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Gedichte auf den Leib geschrieben