Dann glitzerten ihre Glubschaugen: Während die anderen feierten, werde sie wieder ein paar tausend Schillinge verdienen.
Ich drehe mich um. Der winzige Punkt am Ende des Feldwegs nähert sich mir nur langsam. Es ist Betti, die dort läuft. Betti und ich joggen jetzt jeden zweiten Tag, denn in wenigen Wochen werden wir beim Wurzelstockfestival in Nauders auftreten; bis dahin muss Betti fit werden. Obwohl ich in den letzten zehn Minuten lediglich getrabt bin, habe ich über einen Kilometer Vorsprung gewonnen. Es macht mich gereizt, auf Betti warten zu müssen. Will sie nicht schneller laufen, oder ist sie wirklich so unsportlich? Ihr fehlt in jeder Beziehung der Saft. Es ärgert mich, wie sie mit geduckter Haltung ohne Fröhlichkeit durchs Studio schlappt. Seit einigen Wochen bereitet sie sich auf die Aufnahmeprüfung des Konservatoriums vor, indem sie täglich mehrere Stunden am Flügel übt. Gewiss, sie spielt nicht schlecht, aber welchen "Zirkus" veranstaltet sie dabei! Erst wärmt sie ihre Hände mit einem Knetball auf, dann - wenn sie mit ihren Etüden zur Verbesserung der Fingerfertigkeit beginnt - stößt sie affektierte Seufzer aus: "Nein, ich kann heut' nicht spielen. Rien ne va plus". Wenn sie endlich ein ordentliches Stück herausrückt, setzt sie ihre bedeutungsvollste Miene auf und wackelt mit ihrem Oberkörper hin und her, als wäre sie der Klaviervirtuose Helfgott und gäbe schwerarbeitend Rach 3 zum Besten. Ihr unnatürliches Lachen, ihre Tranigkeit, ihre altkluge Art, wenn sie meine Lieder kritisiert: all das mag ich an Betti nicht. Jetzt hat sie mich endlich eingeholt. Mit leuchtend rotem Kopf jappt sie nach Luft. Schließlich - sie hat sich erholt - beklagt sie sich unvermittelt über den Karl: Sie könne ihn nicht länger ertragen. Er sei ein Tyrann, der ihr nichts gönne: weder Erfolg in der Schule, noch Spaß mit Freunden. Wenn er sie wenigstens nur nicht schlagen würde!
Die Hände
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Die Hände
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