Die Gewissheit, dass doch jemand da gewesen war, ein Frau, ein junge Frau, bestätigte sich, als er unter der zerwühlten Bettdecke einen sehr zarten, sehr kleinen, rosa Slip fand, der immer noch, wenn auch nur noch sehr schwach, nach Veilchen duftete, aber nicht nur, sondern auch nach Frau. Als er die Bettdecke ganz zurückschlug, fand er noch einen Beweis, Auf der Mitte des weißen Lakens waren einige Flecken, die bestimmt vorher nicht dagewesen sein konnten, einige waren ziemlich dunkel.
Das Rätsel, wer die junge Frau war, die ihn regelrecht überfallen und auf jeden Fall verführt hatte, sollte sich schon bald auflösen. Der Bürgermeister hatte ihn pünktlich abgeholt, auf seine Frage, wie es ihm gehe, nach all dem köstlichen Wein, erhielt er nur eine grummelnde, ungewisse Antwort. Als er an der Rezeption vorbeiging, fiel ihm wieder ein, dass er das Schweigen des jungen Mannes, an den er sich noch dunkel erinnerte, bestärken wollte, aber nun war da eine resolute, ältere Frau und er machte keinen Versuch, ihr etwas erklären zu wollen. Auf der Fahrt zur Villa des Rinderbarons, auch sie lag außerhalb der Stadt, erklärte ihm der Bürgermeister noch einmal den Grund dieses Frühstücks. Die Frau des Rinderbarons wolle ihn unbedingt kennenlernen. Sie sei auch Präsidentin des örtlichen Kulturvereins, ja, das gäbe es hier, und nur auf ihre Initiative hin, sei sein Besuch zustande. Er unterbrach den Bürgermeister, das wisse er ja bereits, er solle etwas über die Familie erzählen. Die Frau stamme aus der Hauptstadt, ihr Mann habe sie mit Hilfe einer Kontaktanzeige in einer Zeitung gefunden. Das Ehepaar habe fünf Kinder, die er auch alle kennenlernen würde. Vier stramme Jungs so zwischen 8 und 18 und eine sehr hübsche Tochter, die in diesem Jahr 15 geworden war. Sie sei der Augenstern ihres Vaters und eine der besten Partien für einen strebsamen Mann, die man sich hier denken konnte.
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