Er freute sich, sein Wissen vor einer anspruchsvollen Kennerin auszubreiten, seine Interpretationen auszulegen und sie auf Aspekte hinzuweisen, die ihr bisher entgangen waren. Sie äußerte auch den Wunsch, dass er ihr ein Buch persönlich widmen möge, als Erinnerung an dieses Gespräch, aber auch an einen hochinteressanten Mensch. Leider habe er seine Aktentasche nicht dabei, bedauerte er, in der er immer ein Exemplar parat habe, aber er würde es ihr gerne im Hotel hinterlegen. Sie redeten sehr angeregt miteinander und er begann die ganze Reise schon in einem etwas anderen Licht zu sehen, als der Ehemann und Vater eintrat. Er hielt ein Handy am Ohr und hatte keinen schwarzen Anzug an, sondern Jeans und Flanellhemd, was ihm wesentlich besser stand. Er begrüßte den Ehrengast kurz mit kräftigem Handschlag, tat aber so, als sei es völlig selbstverständlich, dass er gekommen war, umarmte den Bürgermeister und machte ein paar flapsige Bemerkungen zu den Jungs. Seine Frau dagegen bekam eine mehr als flüchtige Begrüßung ab. Einer der Jungs musste seinen Platz räumen, damit der Vater und der Bürgermeister zusammen sitzen konnten. Beide waren im Nu in wichtige Gespräche vertieft und nahmen von den anderen kaum noch Notiz. Die Jungs begannen sich zu langweilen und auch der literarische Stoff für das Gespräche zwischen Autor und Gastgeberin neigte sich dem Ende zu.
Dann kam Vivian und plötzlich war alles anders. Sie war zutiefst überrascht, ihren nächtlichen Freier im Kreis ihrer Familie zu sehen, ihr Gesicht nahm einen starren Ausdruck an und die Farbe ihrer Haut veränderte sich sichtbar. Auch dem Autor ging es nicht viel anders, er wurde bleich und sein Redefluss war schlagartig unterbrochen. Diese Veränderungen der beiden entgingen weder der Gastgeberin noch den Jungs, nur der Rinderbaron und der Bürgermeister waren so in ihre wichtigen Gespräche vertieft, dass sie die plötzliche Stille und die Veränderungen zunächst gar nicht bemerkten.
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