Die Gastgeberin fand als erstes ihre Worte wieder. Was denn mit ihr los sei und wo sie denn jetzt herkomme, es sei schon reichlich spät, ob man ihr nicht gesagt habe, dass Besuch hier sei, der berühmte Autor und wenn sie noch länger weggeblieben wäre, hätte sie ihn gar nicht kennengelernt. Vivian gewann wieder etwas Sicherheit und stotterte, sie sei bei der Lesung gewesen, habe ihn also schon kennengelernt, aber sie sei doch sehr, sehr überrascht, ihn hier zu sehen. Wenn sie das geahnt hätte, wäre sie früher gekommen, warum man nicht bei der Cousine angerufen habe. Das habe sie, herrschte die Mutter sie an, die habe versprochen es ihr auszurichten, aber es wohl nicht getan. Darüber, und dass sie überhaupt die ganze Nacht weggeblieben sei, müssten man noch reden, aber nicht hier und jetzt und nun solle sie sich hinsetzen und etwas essen. Vivian setzte sich, vermied aber, den Autor anzuschauen und auch der schaute krampfhaft von ihr weg. Beiden war die Begegnung sichtlich peinlich und dieser Umstand entging weder der Mama noch den Brüdern, die endlich wieder etwas Interessantes hatten und beide scharf beobachten. Nun begannen ihre Brüder sie auszufragen und es kam, wie es kommen musste. Vivian verstrickte sich in Widersprüche, wurde immer unsicherer, immer wütender, die Brüder hetzen und stichelten und kombinierten und der älteste von ihnen, offensichtlich mit glasklarem Verstand ausgestattet, rief schließlich laut, diese Schlampe habe mit diesem Typ gepennt, das sei doch sonnenklar und es sei wohl logisch, dass er sie entjungfert habe, wenn das nicht schon vorher ein anderer gemacht habe. Er brachte diese Anschuldigung so laut vor, dass die Mutter erschrocken den Finger auf den Mund legte, um ihn zum Schweigen zu bringen und nun auch der Vater auf die verfahrene Situation aufmerksam wurde.
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