Diese verdammte Nacht mit Vivian

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Diese verdammte Nacht mit Vivian

Diese verdammte Nacht mit Vivian

Yupag Chinasky

Sie einigten sich schließlich darauf, dass ein Teil der Feier, bei der er unbedingt anwesend sein müsse, auf den Vormittag verlegt werde. Der Bürgermeister war zwar nicht ganz zufrieden, zu gerne hätte er sich vor allen Leuten, besonders auch vor wichtigen Gästen aus der Umgebung, im Glanz des berühmten Autors gesonnt, dem wichtigsten, dem bedeutendsten Sohn der Stadt, dazu sein persönlicher Freund, der nur dank einer jahrelangen Freundschaft eigenes für diesen erhabenen Moment angereist sei. Doch vor die Alternative gestellt, entweder Abreise am Sonntag Mittag oder gar nicht kommen, hatte er zähneknirschend nachgegeben und seine Pläne geändert.

Zum Glück war die Stadt nicht sehr groß und der angebliche Bekanntenkreis auch nicht und so endete die Tour doch noch beizeiten und er konnte endlich in das Hotel gehen, das beste in der Stadt, ein umgebautes ehemaliges Lagerhaus. Es war auf den ersten Blick ganz ordentlich, hielt aber natürlich keinen Vergleich mit den Häusern statt, in denen er sonst abzusteigen pflegte, aber er war ja auch nicht in Buenos Aires, New York, London oder Paris, sondern hier, in der entlegenen Provinz, sozusagen am Rande der zivilisierten Welt. Er hatte noch zwei Stunden Zeit, um sich auszuruhen, dann fände die Lesung in der Aula seiner ehemaligen Schule statt. Anschließend war er zu einem festlichen Abendessen in kleinem Kreis der Honoratioren und ihrer Frauen eingeladen. Der Bürgermeister hatte ihm gesagt, dass das Essen auf Einladung eines Mäzens stattfände, demselben, der auch das Honorar für ihn gestiftet habe und zwar in einem Restaurant, einem sehr guten, wenn nicht dem besten, das ihm auch gehöre. Diesen Mäzen, den bei weitem reichsten Mann der Stadt, den alle nur den Rinderbaron nannten, hatte er auf der Rundfahrt nicht kennengelernt, er sei sehr beschäftigt, werde sich aber am Abend Zeit für ihn nehmen, obwohl, der Bürgermeister sagte es etwas verlegen, der Rinderbaron es mit der Bildung nicht so habe, er könne gar nicht richtig lesen und schreiben, er sei halt nur ein erfolgreicher Bauer und ein noch erfolgreicherer Unternehmer.

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