Diese verdammte Nacht mit Vivian

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Diese verdammte Nacht mit Vivian

Diese verdammte Nacht mit Vivian

Yupag Chinasky

Es war dann doch zu einem Eklat gekommen, nicht nur so, wie er befürchtet hatte, jedenfalls nicht nur wegen seiner Arbeiten, aber dafür um so seltsamer und drastischer und auch irgendwie folgenreicher. Gegen sein Bauchgefühl und obwohl er überhaupt keine Lust und es noch weniger nötig gehabt hätte, hatte er dem Drängen seines alten Schulfreundes schließlich nachgegeben und einer Lesung in seiner Heimatstadt zugestimmt. Er war von Anfang an überzeugt war, dass das dortige Publikum keinesfalls verstehen oder gar akzeptieren würde, andererseits war er Widerspruch gewohnt und er reizte ihn sogar bis zu einem gewissen Maße. Dieser Freund, der eigentlich kein richtiger gewesen war, hatte seine private Telefonnummer ermittelt und dann so lange auf ihn eingeredet, bis er schon deswegen zugesagt hatte, damit er ihn in endlich in Ruhe ließ. Der Freund war im Gegensatz zu ihm in der Stadt geblieben und hatte auf seine Weise Kariere gemacht und es schließlich bis zum Bürgermeister geschafft. In diesem Jahr stand ein wichtiges Stadtjubiläum an und es war mit seine Aufgabe, etwas Besonderes auf den Weg zu bringen, etwas, das über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fände, so seine Worte, und da habe er sich an seinen ehemaligen Mitschüler erinnert, aus dem ein berühmter Schriftsteller und Universitätsprofessor für Literatur geworden war. Er sei die einzige Persönlichkeit aus ihrer gemeinsamen Heimat, die landesweit, ja international bekannt sei und deswegen sei er der Einzige, der als Stargast geeignet sei. In Wirklichkeit, dachte der Autor, solle er das Fest des ehrgeizigen Bürgermeisters mit dem Flair eines Erfolgreichen beweihräuchern. Ob er grundsätzlich bereit sei, wollte der Bürgermeister wissen, dann darüber hinaus wäre es auch eine einmalige Gelegenheit, wieder die alte Heimat zu besuchen und die alten Freunde zu treffen. Natürlich würde die Stadt alle Kosten übernehmen, für die Reise, für die Unterkunft, für ein Galaessen, für einen Ball und dazu käme noch ein saftiges Honorar, das ein Mäzen aus der eigenen Tasche bezahlen würde. Das Honorar indes war, gemessen an dem was der Autor für seine Lesungen üblicherweise erhielt, eher gering und die Sehnsucht nach der alten Heimat und den alten Freunden, war noch geringer. Nein, weder das Geld noch die Nostalgie spielten eine Rolle, dass er dann doch zusagte, entscheidend war etwas ganz anderes. Der Autor arbeitete zur Zeit an einem neuen Buch, in dem es um das Wiedersehen und die Aufarbeitung der Vergangenheit ging. In dieser kurzen Reise, sah er eine gute Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit diesem Thema zu machen und seine Erfahrungen gegebenenfalls einzubringen. Das diese Erfahrungen aber so drastisch ausfallen würden, das hätte er nie geahnt und wenn, dann hätte er liebend gern darauf verzichtet.

So war er denn mit dem Bus in der Stadt seiner Jugend angekommen und von seinem Freund, den er kaum noch erkannte, so dick und hässlich war dieser geworden, freudig begrüßt worden. Er hatte sich überlegt, mit dem Auto zu fahren, aber die Entfernung war sehr weit und er mochte auf so langen, monotone Strecken nur ungern selbst fahren. Aber es gab ja komfortable Fernbusse und auch der Fahrplan war optimal, er konnte am Freitag anreisen, zwei Nächte in der Stadt verbringen und am Sonntag wieder zurückkommen. Die Fahrt war lange, sie hatte sechs Stunden gedauert, aber er hatte die Zeit ganz angenehm verbracht, er hatte gelesen, Musik gehört, gedöst oder die Landschaft betrachten, die ihm einst vertraut war, die er aber schon lange nicht mehr gesehen hatte. Auch die Stadt, in der er nun wieder war, erschien ihm einerseits vertraut, andererseits aber doch sehr fremd. Es waren nicht nur die Veränderungen im Stadtbild, vierzig Jahre sind eine Lange Zeit und der Fortschritt hatte natürlich auch hier, in der tiefsten Provinz, stattgefunden, auch in den Köpfen der Leute schien die Zeit trotz aller Veränderungen still gestanden zu haben, wie er noch schmerzlich erfahren würde. Dem Bürgermeister war es jedenfalls eine Ehre, ihn als erstes zu einem üppigen Mittagessen einzuladen, zu einem, wie er sich ausdrückte, bescheidenen Imbiß. In seinem Garten war ein luxuriöser Grill aufgebaut und es gab die Spezialität der Gegend, beste Rindersteaks der berühmten Rasse "flechas doradas", sehr gutes Fleisch in Hülle und Fülle, wie es nur in diesem Land möglich ist und dazu einen wirklich guten, regionalen Rotwein, dem der Autor allerdings nur mäßig zusprach, er müsse für die Lesung am Abend einen klaren Kopf behalten, so seine Begründung dem Freund gegenüber, der ihm immer mehr und mehr aufnötigen wollte.

Nach dem Essen war eine kleine Stadtrundfahrt im Jeep des Bürgermeisters angesagt, verbunden mit einem kurzen Ausflug zu den wenigen Highlights in der näheren Umgebung, zu Haciendas und Weinbergen. Aber die Fahrt zog sich schon in der Stadt in die Länge, weil der Bürgermeister alle Nase lang anhielt, um dem Gast alle möglichen Leuten vorzustellen, immer mit der Frage verbunden: "Du kennst doch noch.den José, du erinnerst dich doch noch an die Marta". Er kannte niemanden mehr, weder José noch Marta und sein Interesse, überhaupt jemanden wieder kennenzulernen war gleich Null. Eine seiner Bedingungen, quasi die Voraussetzung seiner Zustimmung, war gewesen, dass er nur zwei Nächte bleiben wollte. Am Freitag Mittag ankommen, am Abend die Lesung, am Samstag Abend den Ball , am Sonntag Mittag zurück mit dem Fernbus. Der Bürgermeister hatte gejammert, der wichtige Festakt zum Stadtjubiläum sei am Sonntag Nachmittag und da müsse er unbedingt dabei sein. Sie einigten sich schließlich darauf, dass ein Teil der Feier, bei der er unbedingt anwesend sein müsse, auf den Vormittag verlegt werde. Der Bürgermeister war zwar nicht ganz zufrieden, zu gerne hätte er sich vor allen Leuten, besonders auch vor wichtigen Gästen aus der Umgebung, im Glanz des berühmten Autors gesonnt, dem wichtigsten, dem bedeutendsten Sohn der Stadt, dazu sein persönlicher Freund, der nur dank einer jahrelangen Freundschaft eigenes für diesen erhabenen Moment angereist sei. Doch vor die Alternative gestellt, entweder Abreise am Sonntag Mittag oder gar nicht kommen, hatte er zähneknirschend nachgegeben und seine Pläne geändert.

Zum Glück war die Stadt nicht sehr groß und der angebliche Bekanntenkreis auch nicht und so endete die Tour doch noch beizeiten und er konnte endlich in das Hotel gehen, das beste in der Stadt, ein umgebautes ehemaliges Lagerhaus. Es war auf den ersten Blick ganz ordentlich, hielt aber natürlich keinen Vergleich mit den Häusern statt, in denen er sonst abzusteigen pflegte, aber er war ja auch nicht in Buenos Aires, New York, London oder Paris, sondern hier, in der entlegenen Provinz, sozusagen am Rande der zivilisierten Welt. Er hatte noch zwei Stunden Zeit, um sich auszuruhen, dann fände die Lesung in der Aula seiner ehemaligen Schule statt. Anschließend war er zu einem festlichen Abendessen in kleinem Kreis der Honoratioren und ihrer Frauen eingeladen. Der Bürgermeister hatte ihm gesagt, dass das Essen auf Einladung eines Mäzens stattfände, demselben, der auch das Honorar für ihn gestiftet habe und zwar in einem Restaurant, einem sehr guten, wenn nicht dem besten, das ihm auch gehöre. Diesen Mäzen, den bei weitem reichsten Mann der Stadt, den alle nur den Rinderbaron nannten, hatte er auf der Rundfahrt nicht kennengelernt, er sei sehr beschäftigt, werde sich aber am Abend Zeit für ihn nehmen, obwohl, der Bürgermeister sagte es etwas verlegen, der Rinderbaron es mit der Bildung nicht so habe, er könne gar nicht richtig lesen und schreiben, er sei halt nur ein erfolgreicher Bauer und ein noch erfolgreicherer Unternehmer. Er habe früh erkannt, dass die lokale Rinderrasse mit ihrem schmackhaften, fettarmen Fleisch, sich sehr gut in der Hauptstadt vermarkten ließ. Er habe klein angefangen, mit einer kleinen Hazienda, daraus habe er aber im Laufe der letzten Jahre ein richtiges Imperium geschaffen, mit eigener Zucht, eigener Mast und eigener Schlachtung. An jedem Werktag fahre ein Kühllaster voller Steaks die sechs Stunden bis in die Hauptstadt und bringe auf dem Rückweg Kraftfutter mit, dass man trotz der üppigen Weiden immer noch brauche, dazu Antibiotika und Vitamine und all die anderen Lebensmittel, die es hier nicht gab, wie Obst, Gemüse, Fisch, Meeresfrüchte. Da diese Waren immer ganz frisch seien, profitierte nicht nur die Bevölkerung von der guten Versorgung, sondern vor allem einige Lokale. Ob er wisse, fragte der Bürgermeister, dass es nur noch in der Hauptstadt mehr Sternerestaurants als hier gäbe, die wegen ihrer Qualität und ihrer niedrigen Preise rege besucht würden, vor allem von auswärtigen Gästen, die oft eine sehr lange Anfahrt auf sich nähmen. Der Rinderbaron war also ein wichtiger Mensch, der größte Steuerzahler ohnehin und er habe sofort zugestimmt, als er ihn um Hilfe gebeten habe. Kultur, so spöttelte der Bürgermeister, sei wirklich nicht sein Ding, aber weil er ein cleverer Geschäftsmann sei, habe er erkannt, dass die Berichterstattung über einen berühmten Schriftsteller, der in seinem Restaurant zu Gast ist, sehr nützlich sein konnte. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn dort auch die Lesung stattfinden würde, aber das habe er nicht zugelassen, so der Bürgermeister, die Schule als Ort der Kultur sei gewählt worden und damit basta.

Die Lesung hätte mit der üblichen Routine über die Bühne gehen können, eine der vielen Lesungen, die der Schriftsteller schon gegeben hatte und die nicht unwesentlich zu seinem Lebensunterhalt beitrugen. Doch diese eine, ausgerechnet in seiner alten Heimat, sollte gründlich aus dem Rahmen fallen, ja geradezu ein Fiasko werden. Zwei Faktoren waren der Grund, die Zuhörer und die Werke des Autors. Dabei hatte er bewusst nur kurze, einfache Erzählungen ausgewählt. Auf einen seiner bekannten, umstrittenen Romane wollte er erst gar nicht eingehen, das Publikum wäre mit Sicherheit überfordert gewesen. Die Geschichten, die er vorlas, enthielten nur wenige Provokationen, die seine Bücher sonst auszeichneten. Aber die politische und moralische Gesinnung des Autors blieb auch hier nicht verborgen und die war so grundlegend anders, als die hier vorherrschende, dass sie Anstoß erregen musste. Er war damals nicht ohne Grund aus der Enge der Provinz geflohen. Seine Eltern waren nur deswegen aus der Hauptstadt in die Provinzstadt umgesiedelt, weil sein Vater eine Stelle als Lehrer bekommen hatte, eine der Stellen, die niemand sonst haben wollte, so weit weg von Leben und Kultur. Seine Eltern hatten sich immer schwer getan mit den Leuten hier, sowohl im Beruf als auch privat. Ihre linksliberale, Weltanschauung, ihre antireligiöse Gesinnung und ihr weltoffener Kunstgeschmack, war immer das Gegenteil zu dem konservativen, verklemmten Geist, der hier vorherrschte. Es war ein Wunder, dass die Konflikte nicht stärker zu Tage getreten waren. Nur durch Zurücknahme der eigenen Ansichten in der Öffentlichkeit, bis fast zur Selbstverleugnung und die Anerkennung der unbestreitbaren pädagogischen Qualitäten seines Vaters, ließen die Familie ausharren. Als es keinen Grund mehr gab, zu bleiben, verließen sie die Gegend wieder. Der Sohn, der die Haltung seiner Eltern voll übernommen hatte, als erster, um in der Hauptstadt zu studieren. Seine Eltern folgten nach der Pensionierung des Vaters. Freunde hatten sie so gut wie keine und dass sie nicht von hier waren, hatte man ihnen immer wieder unter die Nase gerieben. Es gab also nichts und niemanden, der sie hier festgehalten hätte und an der Gesinnung der Menschen hier, hatte sich bis heute nichts geändert.
Die Leute, die zu der Lesung gekommen waren, angesichts der Berühmtheit des Autors waren es nicht sehr viele, dachten im Wesentlichen noch so, wie vor vierzig Jahren und schon damals dachte man hier sehr konservativ. Allein die Frage, ob ihr ehemaliger Mitbürger tatsächlich so berühmt war, wie der Schulleiter in seiner Begrüßung behauptete, stellten manche in Frage. Warum, fragten sich andere, hatte er seine Bücher nicht auch hier schreiben können, in seiner Heimat? Warum war ausgerechnet er so berühmt, nur weil er was geschrieben hatte? Hatte er denn wirklich etwas geleistet, mit seinen Händen, so wie die rechtschaffenen Leute hier? Jedenfalls wurde im im Fernsehen nur selten über ihn berichtet und Bücher las man hier eher wenig. Trotzdem war der Saal fast voll, die Leute waren schon aus reiner Neugier gekommen. Der Schulleiter, der ihn als Schriftsteller natürlich kannte, fand ein paar freundliche Worte, obwohl man ihm schon anmerkte, dass diese Literatur seine Sache nicht war. Wie viel mehr hätte sie die Sache der Zuhörer sein können. Diesen Leute waren weder die Themen noch der provokative, ironische Stil zugänglich, sie hätten die Erzählungen vermutlich auch dann nicht genießen können, wenn sie unvoreingenommen gewesen wären, weil sie schlicht überfordert gewesen wären. Aber die meisten waren voreingenommen, die meisten wollten gar nicht anhören, was er vortrug. Sie begannen zu murren, als kritische Worte über die Regierung und die Kirche fielen und eine Abtreibung positiv bewertet wurden. Und als der Autor dann einige delikate Stellen zum Liebesleben der Protagonisten vortrug und dies mit Worten beschrieb, die man hier nur hinter vorgehaltener Hand verwendete, ging der Tumult los. Er äußerte sich in empörten Zwischenrufen, in absurden Fragen, in gehäßigen Bemerkungen. Einige verließen demonstrativ lautstark den Saal. Andere blieben, um noch lauter zu schimpfen und es wurden sogar Drohungen ausgestoßen, was alles passieren könnte, wenn er nicht schleunigst zurück, in seine verkommene Hauptstadt verschwände. Einige wenige, die vielleicht anders dachten und nicht alles verdammten, schwiegen, niemand meldete sich, um dem Autor beizustehen. Als schließlich ein Sektenprediger nach vorne kam, sich demonstrativ neben ihn stellte und begann, die richtige Moral zu verkünden und ihn in die Hölle zu wünschen, brach er entnervt die Lesung ab. Es war nicht möglich, auf die Hintergründe seiner Erzählungen einzugehen oder über die literarische Struktur, die allgemein sehr gelobt wurde, ein Wort zu verlieren. Alles, was noch wichtig gewesen wäre, worüber er gerne kontrovers diskutiert hätte, wären die berühmten Perlen gewesen, die man den Säuen nicht vorwerfen sollte. Anfeindungen war er gewohnt, sie fanden regelmäßig statt, nur nicht in diesem Ausmaß, mit diesem Hass und nicht von Leuten, die eigentlich mit ihm auf irgend eine Weise verbunden waren. Es war also nicht das Unverständnis der Zuhörer, das ihn so sehr irritierte, nein, es war der gezielte, persönlich motivierte Hass auf einen Menschen, der hier geboren worden war, den er einfach nicht verstand. War es vielleicht purer Neid, weil er es weiter gebracht hatte als sie? Weil er berühmt geworden war? Auch die gut gemeinten Worte des Bürgermeisters, der den Prediger wieder auf seinen Platz gescheucht hatte und der vielleicht gegen seine tiefste Überzeugung seinen Schulfreund verteidigte und die Zuhörer ermahnte, toleranter zu sein, konnten die Stimmung nicht mehr retten. Niemand, weder der Autor noch die Zuhörer wollten eine Fortsetzung der Lesung. Als sie später im Jeep zu dem Restaurant fuhren, schimpfte der Bürgermeister immer noch und verurteile die hinterwäldlerische Gesinnung seiner Bürger. Der Autor schwieg,fragte sich aber, ob sein Freund überhaupt eine Ahnung gehabt hatte, wen er da eingeladen hatte, gelesen hatte er bestimmt noch kein einziges seiner Bücher, wahrscheinlich noch keine einzige Zeile.

Natürlich war die Lesung ein Fiasko gewesen, eines, das er hätte ahnen müssen. Er hätte sich denken können, dass sich in den Köpfen der Leute seit damals nichts, aber auch gar nichts geändert hatte. Das war absolut nicht sein Publikum und seine Werke absolut nichts für diese Hinterwäldler, um ein Wort des Bürgermeisters aufzunehmen, größere Gegensätze konnte es gar nicht geben. Aber nun war zumindest diese verdammte Lesung überstanden. Jetzt nur noch das Essen hinter mich bringen, dachte er, obwohl ihm der Appetit durch die Aufregung eigentlich vergangen war, aber auch, weil das üppige Mittagessen noch längst nicht verdaut war. Das Essen überstehen und dann so rasch wie möglich zurück in das Hotel. Am nächsten Morgen lange ausschlafen, den Tag mit irgendeinem Programm vertrödeln, abends den verdammten Ball überstehen, vor dem ihm jetzt schon graute, aber noch mehr graute ihm vor dem "Festakt" am Sonntag. Was würde ihn da wohl erwarten und welche Überraschung hatte der Bürgermeister geplant? Der hatte jedenfalls auf seine Fragen eisern geschwiegen, schließlich hatte er aufgegeben, darüber nachzugrübeln. Vielleicht eine Ehrung, ja das war wahrscheinlich, er hatte schon manche über sich ergehen lassen, er würde auch diesen von einem Geheimnis umwaberten Festakt überstehen. Dann gegen Mittag ab in den Bus, erst dann wäre die Scheiße hier überstanden und sechs Stunden später könnte er sein normales Leben wieder aufnehmen.

Die Gedanken an das Fiasko und an die restliche Zeit seines Aufenthalts hier, beschäftigten ihn zwar, aber es hatte auch ein positives Ereignisse gegeben, das ihn wieder ein wenig versöhnt hatte. Am Ende der Lesung, nach den Worten des Bürgermeisters und nachdem die meisten den Saal verlassen hatten, kamen doch noch einige Zuhörer nach vorne und versammelten sich um ihn. Keiner hatte etwas Negatives gesagt, keiner hatte ihn beschimpft oder gar bedroht. Einige hatten sich vielmehr für das lümmelhafte Verhalten der anderen entschuldigt, andere hatten beteuert, schon etwas von ihm gelesen zu haben und sie fänden seine Bücher gut. Vier hatten sogar gefragt, ob sie ein signiertes Buch kaufen könnten. Er hatte in seiner Aktentasche immer ein paar signierten Exemplare dabei und es war für ihn ein gewisser Trost, dass er diese verschenken und dabei doch noch ein paar Worte über die Lesung wechseln konnte. Der Bürgermeister hatte seinen Drang, ihm jeden Einwohner vorstellen zu wollen, bezähmt, obwohl er diese Andersgläubigen bestimmt alle kannten, aber er mischte sich in die kurzen Unterhaltungen nicht ein, zog sich vielmehr zu einem Gespräch unter vier Augen mit dem Schulleiter in die andere Ecke des Saals zurück. Die letzte, die ihn noch ermunterte und lobte, als die anderen schon alle gegangen waren, war ein sehr junges, sehr gut aussehendes Mädchen. Schon als sie mit etwas Verspätung in den Saal gekommen war, war sie ihm aufgefallen. Er hatte schon angefangen zu lesen, als sie in die da noch herrschende Stille fast atemlos hereinplatzte, ihren roten Anorak auszogen und demonstrativ auf einem der vorderen Sitze Platz nahm. Dort konnte er sie die ganze Zeit gut beobachten. Sie war relativ klein und stämmig, ihre Haut ziemlich dunkel und ihre Gesichtszüge verrieten, dass sie einiges Indianerblut in ihren Adern haben musste. Dazu wollten jedoch die üppig gelockten, kastanienbraune Haare nicht so recht passen. Auffallend war auch ihr sehr kurzer Rock, denn um diese Jahreszeit war es abends schon empfindlich kühl. Das Mädchen war, als die Tumulte begannen, eine Art Anker für ihn, seine Blicke fielen immer wieder auf sie, nicht zuletzt wegen ihrer hübschen Beine, vor allem aber, weil sie ihm ermunternd zunickte, obwohl sie selbst nichts sagte und auch keine Gegenposition bezog, vermutlich war sie dafür zu jung und zu schüchtern. Sie schien lange die Einzige zu sein, von der er glaubte, dass sie ihn verstand, trotz oder wegen ihrer Jugend. Diese positive Haltung ihm gegenüber wurde zur Gewissheit, als sie nun auch um ein signiertes Buch bat, ihn mit einigen, wenigen Worte zu der Lesung beglückwünschte und ihm auch noch sagte, dass sie schon viel von ihm gelesen habe und dass sie vieles gut fände, nicht alles, aber vieles sei wirklich gut. Aber noch ehe er ein kurzes Gespräch beginnen konnte, zog sie ihren Anorak wieder an, nahm das Buch, bedankte sich eher flüchtig und eilte zur Tür, als ob sie den letzten Bus verpassen könnte, es reichte noch nicht einmal zu einem Lebewohl oder Adios.

Diese Begegnungen am Schluss der Lesung und das Essen im Restaurant versöhnte ihn wieder. Es war vorzüglich und alles war reichlich vorhanden, vor allem das wirklich gute Fleisch der "flechas doradas". Es war auf unterschiedliche Weisen zubereitet und üppig garniert, dazu wurden verschiedene Soßen, Salate und Beilagen gereicht. Der sehr gute Rotwein, den schon der Bürgermeister angeboten hatte, wurde von der aufmerksamen Bedienung sofort nachgeschenkt, kaum dass ein Glas leer war. Das war ihm sehr recht, denn nun hatte er keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten, im Gegenteil, er konnte seinen Frust reichlich ertränken. Das störte niemanden, es viel auch keinem auf, denn niemand sprach während des Essens über Literatur, niemand interessierte sich für den Ehrengast, abgesehen von ein paar höflichen, unverbindlichen Fragen, die nur von den Damen gestellt wurden. Den Gastgeber, den Rinderbaron, hatte der Bürgermeister gleich beim Eintreten vorgestellt. Es war ein kleiner, stämmiger, vierschrötiger Typ mit gegerbtem, dunklem Gesicht, das, wie bei dem hübschen Mädchen auf Indianerblut hinwies, nur dass seine Haare pechschwarz und glatt waren. Man sah ihm den Bauer und Viehzüchter sofort an, den erfolgreichen Unternehmer eher nicht. Ein Mann, dem jede Intellektualität fehlte, ja der nicht einmal in den schwarzen Anzug passen wollte, den er, wie auch die anderen Männer, trug. Der Rinderbaron hatte ein paar unverbindliche Worte gesagt, wie sehr er sich über den Gast freue und welche Ehre es für ihn sei und noch etwas Blabla, dann entschuldigte er noch seine Frau, die gerne an der Lesung teilgenommen hätte und auch jetzt liebend gerne anwesend wäre, aber sie sei unpässlich. Er räusperte sich, aber am nächsten Morgen, beim Frühstück, da würde sie ihn gerne kennenlernen. Er sagte nicht, wann und wo dieses Frühstück stattfinden sollte und fragte auch nicht, ob er überhaupt kommen wollte. Von diesem Frühstück war bisher nicht die Rede gewesen, aber hier schien schon alles eingefädelt zu sein und Widerstand war zwecklos, deshalb verkniff er sich eine despektierliche Bemerkung und nickte nur gottergeben. Nachdem der Gastgeber das Wichtigste los geworden war, widmete er sich ausschließlich seinen guten Freunden, die mit ihren Frauen gekommen waren. Diese Frauen, die weibliche crème de la crème der hiesigen Gesellschaft, hatten ihre beste Garderobe ausgeführt sich selbst reichlich mit teuren Parfüms eingesprüht, das täuschte aber nicht darüber hinweg, dass alle schon ziemlich alt waren, ziemlich verlebt aussahen und nur noch dank Schminke und Schönheitsoperationen einigermaßen attraktiv erschienen. Aber was hilft Attraktivität, wenn die Köpfe hohl sind. Denn ihre Fragen am Anfang waren unverbindlich, bezogen sich nicht auf sein Werk, vielmehr nur auf seine Person, wie er lebe, wo er lebe, ob er verheiratet sei, ob Kinder habe. Danach hatten sich rasch zwei Gesprächskreise über die große Tafel hinweg gebildet und es ging nur noch um wirklich interessante Themen. Zum einen um Rinder und Sport, zum andern um Mode und Soap-operas. Die Männer rauchten nach dem Essen schwere Zigarren und tranken noch mehr Rotwein und Weinbrand, während die Damen zu Schampus und kleinen Törtchen übergegangen waren. Er saß ziemlich verloren zwischen den Blöcken, der einzige, der mit ihm redete, war der Bürgermeister. Er kam sich überflüssig vor, langweilte sich, sein Magen war voll und mehr Wein konnte er auch nicht mehr vertragen, er meinte, schon im Sitzen zu schwanken. Es war Zeit zu gehen. Der Bürgermeister protestierte zwar, als er ihn bat, ihn in das Hotel zu fahren, kam aber der Bitte dennoch ganz gerne nach. Als er sich verabschiedete, versuchte keiner der Anwesenden, auch keine der Damen, ihn zum Bleiben zu überreden, aber sie waren auch nicht unfreundlich, vielleicht , weil sie etwas besser erzogen waren, als die Zuhörer in der Schule.
Als sie das Hotel erreicht hatten und er aussteigen wollte, sagte der Bürgermeister noch, er würde ihn am nächsten Morgen um neun zu dem Frühstück beim Rinderbaron abholen, das im engen Familienkreis stattfände. Der Grund für diese spontane Einladung sei die Frau des Gastgebers, die ihn unbedingt kennenlernen wolle. Sie habe sich beim Reiten, ihrem Lieblingssport, ein Bein gebrochen und auch noch andere Verletzungen zugezogen. Sie sei nicht gut dran und dürfe deswegen das Haus nicht verlassen. Aber sie wolle ihn unbedingt kennenlernen, denn sie sei eine gebildete Frau und würde sich, im Gegensatz zu ihrem Mann, für Kultur und Literatur sehr interessieren. Eigentlich sei sie es gewesen, die ihn, den Bürgermeister, auf die Idee gebracht hatte, den berühmten Autor und Sohn der Stadt zu dem Stadtfest einzuladen. Und weil er nun schon am Erklären sei, wolle er auch noch ein Geheimnis lüften, das eigentlich erst beim Festakt am Sonntag publik werden sollte. Die Frau des Rinderbarons habe nicht nur seine Einladung betrieben, auf ihre Initiative hin, solle ihm auch die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen werden. Er wollte ihn damit überraschen, so der Bürgermeister, er sei davon ausgegangen, dass er diese Ehre bestimmt annehmen würde und deshalb habe er bisher nichts darüber gesagt. Bei diesen Worten sah er ihn fragend an, ob seine Annahme richtig war. Wegen des vielen Weins brauchte der Autor eine Weile, ehe er verstanden hatte, dass er geehrt werden sollte, doch dann war er einigermaßen perplex, eine solche Ehre nach diesem Auftritt, das mochte er kaum glauben. Aber als er Zweifel äußerte, ob die Mehrheit der Bevölkerung das überhaupt wolle, beruhigte ihn der Bürgermeister, die Leute hier würden alles akzeptieren, was er und der Rinderbaron beschlössen.

Leicht schwankend, aber mit einem Hochgefühl im Bauch, legte er die wenigen Meter bis zum Eingang des Hotels zurück, stieg vorsichtig die paar Stufen der breiten Treppe hoch und ließ sich von dem jungen Mann an der Rezeption den Schlüssel geben. Als er zum Lift ging, musste er an einem Getränkeautomat vorbei und da merkte er plötzlich, dass sein Durst immer noch nicht gestillt war, dass der viele Rotwein ihn eher verstärkt hatte. Er kramte in seinem Geldbeutel nach ein paar Münzen, warf sie ein und hielt dann eine sehr kalte und ziemlich große Flasche in der Hand, ein Bier erschien ihm als der ideale Durstlöscher. Dann stand er vor seiner Zimmertür, fummelte mit dem Schlüssel zunächst vergeblich herum, bis er dann doch das Schlüsselloch fand. Er trat ein und wunderte sich, dass das Licht brannte, er hatte es am Nachmittag bestimmt nicht angemacht. Er zog sein Jackett aus, hängte es in die Garderobe und erst als er aus dem kleinen Gang in das Zimmer trat, zeigte sich die wahre Überraschung und diese versetzte ihm einen gelinden Schock. Auf seinem Bett saß, nackt wie Gott es erschaffen hatte, das braun-gelockte Wesen, das ihn bei der Lesung schon beeindruckt hatte und sah ihn aus unschuldigen, großen Augen an, so als ob es die selbstverständlichste Sache der Welt sei, einen Fremden nackt in einem Hotelbett zu empfangen. Die Überraschung war zwar groß, aber sie hatte ihn nicht sprachlos gemacht. Er fragte sie, wegen des wirklich unerwarteten Anblicks und auch wegen des vielen Weins, ziemlich konfus und leicht stotternd und sich verhaspelnd, was sonst nie vorkam, wer sie eigentlich sei, wie sie hereingekommen sei und was sie hier wolle. Das Mädchen lächelte ihn an und sagte, sie heiße Vivian, sie sei bei der Lesung gewesen, dass wisse er doch noch, er habe ihr doch ein Buch geschenkt und sie habe den Eindruck gehabt, dass er ihr noch ein paar Fragen hatte stellen wollen. Da sie auch eine ganze Menge Fragen über seine Werke habe und die nicht stellen konnte, weil sie leider dringend weg musste, habe sie beschlossen, ihn hier zu treffen und alles in Ruhe zu besprechen. In das Zimmer zu kommen, sei kein Problem gewesen, der Mann an der Rezeption sei ein Freund, er habe sie herein gelassen. Nun seien sie zusammen und könne anfangen sie zu fragen, aber er könne auch alles andere mit ihr machen, wirklich alles was er wolle, sie sei für ihn da.

Ihre Antwort, besonders der letzte Satz, irritierte ihn sehr. Er konnte nicht glauben, dass sie in das Hotel gekommen war, um zu später Stunde mit ihm über Literatur zu diskutieren. , Er konnte noch weniger glauben, dass dieses junge Ding mehr von ihm wollte, als nur zu reden und warum war sie nackt. Schön, meinte er schließlich, nachdem er sich etwas gefangen hatte, man könne die literarischen Probleme noch klären, obwohl er zu viel getrunken habe und jetzt zu müde sei, aber morgen hätten sie bestimmt Gelegenheit, sich zu treffen und zu reden und er würde sich freuen. Aber eine Frage müsse sie ihm noch beantworten, bevor sie ihn dann bitte allein lassen möge, warum sie nackt im Bett sitze, das sei doch eine sehr seltsame, ja geradezu gefährliche Situation, die man eigentlich nur missverstehen könne, ein so junges Mädchen, nackt im Bett eines alten Mannes und das mitten in der Nacht. Auf diese Frage ging Vivian aber gar nicht ein, hielt sich nicht mit theoretischen Begründungen auf, sondern kam direkt zur Sache. Sie wollte wissen, ob er sie hübsch fände, ob sie ihm gefalle und ob er keine Lust auf Sex mit ihr habe, die Literatur könne bis zum nächsten Tag warten, aber jetzt habe sie große Lust, er sei ein interessanter Mann und die Gelegenheit einen berühmten Autor zu vögeln und eine ganze Nacht mit ihm zu verbringen, die habe sie nur einmal im Leben und die wolle sie auf keinen Fall verpassen und deswegen sei sie hier und deswegen habe sie ihn nackt erwartet.

Die direkte Aufforderung sie zu vögeln, war ein weiteres Überraschungsmoment und machte ihn erneut sprachlos. Er setzte sich auf einen Stuhl am Fenster, um nachzudenken und das junge Mädchen nicht aus den Augen zu lassen. Dass sie jung war, sehr jung sogar, das erkannte er nun noch deutlicher als in der Schule. In der Hinsicht hatte der Wein seine Sehkraft nicht getrübt. Er sah ihre glatte, braune Haut, ihre kleinen, festen Brüste, den flachen Bauch, die strammen Schenkel und ihre Augen, die ihn voll Verlangen anschauten. Das Mädchen meinte es ernst, sie wollte ihn, sie wollte ihn verführen. Er sah sie deutlich vor sich und ihm war klar, was sie wollte, aber der Wein hatte offensichtlich einige andere Bereiche in seinem Gehirn lahmgelegt. Denn statt sie aufzufordern, das Zimmer sofort zu verlassen oder selbst wieder zu gehen, um ein anderes Zimmer zu bitten oder wenigstens die Rezeption um Hilfe zu bitten, starrte er sie nur unentwegt an. Das schien ihr gar nicht unangenehm zu sein, im Gegenteil, sie verstand das wohl als ersten Schritt zu dem, was sie wollte. Sie räkelte sich, fuhr mit ihren Händen durch die dichten Haare, streckte ihm ihre kleinen Brüste mit den steil aufgerichteten Brustwarzen entgegen und setzte sich schließlich so hin, dass er freie Sicht auf die Region zwischen ihren Schenkeln hatte, auf ihre leicht geöffnete Spalte, die von ein wenig Flaum umgeben war. Das war mehr als deutlich und der Autor schluckte und merkte plötzlich, dass er dringend pinkeln musste, aber nicht nur das, er merke, wie er geil wurde, wie sich sein Schwanz regte und langsam größer wurde und wie sich ein Gedanke in seinem Kopf breit machte. Sie muss, so dachte er, eine junge Nutte sein, eine andere Erklärung gibt es nicht. Sie wollte ihn vögeln, weil sie Geld wollte, das war doch sonnenklar. Ein paar weitere, eigentlich logische Überlegung fanden jedoch nicht statt, ob solche Besuche hier in der Provinz gang und gäbe seien, ob man die Gäste so zu überraschen pflegte oder wenigstens die Frage nach dem Alter hätte er sich stellen können und sie von ihr beantworten lassen können. Sie schien wirklich sehr jung zu sein, aber trotzdem benahm sie sich wie eine ausgekochte Nutte. Das Einzige, was ihm noch in den Sinn kam, war die Überlegung, ob sie nicht nur Geld von ihm wollte, sondern ihn vielleicht später zu erpressen versuchte. Junges Mädchen von berühmten Autor geschändet. Aber diese Überlegungen tauchten nur kurz in seinem Gehirn auf und wurde von dem immer dringender werdenden Wunsch verdrängt, dieses junge Mädchen zu vögeln, richtig zu vögeln, warum eigentlich nicht, wenn sie wollte, warum nicht. Er murmelte etwas von "erst mal pinkeln gehen", stand auf und ging auf die Toilette. Dort hätte er die letzte Gelegenheit zur Einsicht gehabt, während er sich bei seinem Geschäft in einem großen Spiegel betrachtete. Ein älterer Mann, immer noch attraktiv, selbst für eine junge Nutte, eine andere Erklärung gab es einfach nicht, ein Mann, der nehme musste, was ihm das Leben bot, bevor es zu spät war. Genau das war jetzt gerade der Fall, er hatte eine seltene, sehr seltsame Gelegenheit eine junge, geile Frau zu vögeln, warum sollte er sie nicht ausnützen, genauso wie sie die einmalige Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollte? Ihr Interesse für Literatur, so schloss er, war nur eine Masche, um an ihn heranzukommen. Sie hatte von Anfang an geplant, ihn zu verführen. Was sie wirklich wollte war Geld, das würde er ihr geben, ohne sie vorher zu fragen wieviel oder gar mit ihr herumzuhandeln. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass es in solchen Situationen besser ist, wenn man großzügig ist. Dass sie noch andere Absichten haben könnte, ihn vielleicht mit Handyfotos erpressen wollte, das war doch zu unwahrscheinlich, das konnte er sich einfach nicht vorstellen. Blieb nur noch als letzter Zweifel, die Frage ihres Alters. Aber, so redete er sich ein, wenn der Mann an der Rezeption sie hereingelassen hatte, sicher nicht zum ersten Mal, musste sie bestimmt 18 sein, sonst hätte der Probleme bekommen, die er sich in seinem Job nicht leisten konnte. Er beschloss nun im Dialog mit seinem Spiegelbild, es darauf ankommen zu lassen. Er würde sie vögeln, dann würde er ihr geben, was sie wollte, danach würde sie verschwinden und kein Mensch würde etwas von dem nächtlichen Besuch erfahren. Halt, da war noch der junge Mann an der Rezeption, vielleicht ihr Freund und Zuhälter, dem könnte er ja am nächsten Morgen etwas zustecken, damit sein Schweigen sicher war. Dann war er mit pinkeln fertig und auch fertig mit seinen Überlegungen und sein Schwanz war inzwischen auch groß und stark geworden und das einzige, was ihm jetzt noch durch den Kopf ging, war die Frage, ob er bei dem vielen Alkohol in seinem Blut überhaupt in der Lage sein würde, ihr das zu geben, was sie von ihm erwartete.
Aber alles klappte bestens. Die Chica hatte vermutlich erwartet, dass er sie doch noch hinauswerfen würde oder dass sie noch mehr Überzeugungsarbeit leisten müsste, bis er so weit war. Doch zu ihrer Überraschung sagte er nur, sie solle herkommen und ihn ausziehen, denn das würde ihn besonders erregen. Sie kam und noch bevor sie ihn berührte, nahm er einen intensiven Duft nach Veilchen wahr, der ihm bisher nicht aufgefallen war. Dann umarmten sie sich und küssten sich. Sie war aber keine gute Küsserin, stellte er fest, alle Variationen mussten von ihm kommen, aber sie war willig und gierig und nahm seine Küsse voller Leidenschaft entgegen. Während er ihren glatten, festen Körper betastete, ihre kleinen Brüste liebkoste, die Hand in die Spalte ihres Hintern schob, zog sie ihn aus, so wie er es gewünscht hatte und verteilte seine Kleidungsstücke auf dem Fußboden. Dann waren beide nackt und er war ausreichend erregt, sie gingen zum Bett und liebten sich. Die Erregung hatte dazu geführt, dass alles um ihn herum in einer Art Nebel versank, dass er auch das Mädchen nur noch gedämpft wahrnahm und dass er sein eigenes Handeln nur spärlich kontrollieren und später kaum noch rekonstruieren konnte. Aber das Mädchen half ihm, obwohl sie für eine kleine Nutte ziemlich ungeschickt war. Erst später wurde ihm klar, dass es vieler Anläufe bedurft hatte, bevor er in sie eindringen konnte, dass sein Schwanz immer wieder abgewiesen worden war, aber von den Händen des Mädchens in ihre Vagina hinein gezwungen worden war, etwas, was er noch nie so erlebt hatte. Noch etwas fiel ihm ein und verunsicherte ihn noch nachträglich, alles war ohne Kondom geschehen und vielleicht hatte er sich eine Krankheit bei der jungen Nutte geholt oder gar AIDS. Aber diese Gedanken kamen erst viel später, als der Akt schon vorbei war und der war dann doch noch sehr erfolgreich abgelaufen, zumindest für das Mädchen. Sie erreichte offensichtlich mehrere wunderbare Orgasmen, denn sie keuchte, stieß kleine spitze Schreie aus, zuckte an ihrem ganzen Körper, klammerte sich wie eine Ertrinkende an ihn, wollte mehr und immer mehr und hätte ihn am liebsten gar nicht mehr losgelassen. Sie hatte ihr Ziel anscheinend voll und ganz erreicht, während er selbst kaum spürte, dass er kam, das er sich aber in ihr entlud, das hatte er deutlich gespürt. Doch auch danach, als er abschlaffte, sein Glied immer kleiner wurde, aus ihr heraus schlüpfte, wollte sie immer noch nicht nachlassen, wollte es noch einmal, versuchte mit aller Macht und allen Mitteln, es wiederzubeleben, neu aufzurichten, noch einmal in sich einzuführen, natürlich vergeblich, was sie zornig machte, er solle sich anstrengen, wenn er ein Mann sei: Erst als er völlig schlaff und willenlos neben ihr lag, hörte sie auf, ihn zu bedrängen und schluchzte stattdessen leise vor sich hin, wie ihm aber schien nicht nur aus Frust, sondern auch aus purem Glück.

Es sei wunderbar gewesen, gestand sie dann auch, als sie sich wenig später eng an seine Seite legte, Arme und Beine auf seltsam innige Weise ineinander verschlungen. Er kämpfte allerdings mit dem Schlaf, konnte ihn jedoch noch einmal kurz vertreiben, als sie das Bier entdeckte, das auf dem Tisch stand. Sie löste sich aus der Verschlingung, stand auf und öffnete die Flasche geschickt an der Tischkante. Dann lag sie wieder bei ihm und sie tranken zusammen das kühle Bier, ein richtiges Labsal nach all den Anstrengungen. Er wollte nun doch wissen, wer sie sei und ob sie es mit jedem treiben würde, ob sie so ihr Geld verdienen würde und wie viel sie von ihm wolle. Sie rückte von ihm ab und schaute ihn empört an. Was er von ihr denke, sie habe doch gesagt, warum sie zu ihm gekommen sei, sie sei keine Nutte und sie wolle kein Geld. Ihr Wunsch sei es gewesen, mit ihm zu schlafen, nur mit ihm und dieser Wunsch sei in Erfüllung gegangen und sie sei froh und dankbar und er solle aufhören, dummes Zeug zu reden. Er war zu erschöpft und zu müde, um ihr zu widersprechen. Er konnte auch bald ihren Worten nicht mehr folgen, obwohl sie nun eifrig begann, über seine Bücher zu reden, was ihn eigentlich interessierte, aber die süße Nähe und die Wärme ihres schlanken, anschmiegsamen Körpers, die gerade überstandene Anstrengung, der viele Wein und jetzt noch das Bier, das alles hatte ihn unendlich müde gemacht und er war wieder in derselben Trance, die ihn schon überfallen hatte, als sie es intensiv miteinander getrieben hatten, nur dass dieses Gefühl in Watte zu versinken immer intensiver wurde. Er schlief ein und wachte erst auf, als die Sonne in das Zimmer schien. Er war allein, der Kopf tat ihm weh, die Kehle war trocken, der Harndrang wieder groß und erst allmählich fiel ihm ein, was in der Nacht geschehen war, aber er war sich nicht sicher, ob es nicht doch nur ein Traum war. Er stand auf, ging unter die Dusche, das kalte Wasser und die leere Blase machten auch seinen Kopf wieder klarer. Während er sich abtrocknete war er überzeugt, dass er einfach zu viel gesoffen hatte und dass der verdammte Wein diese lebhaften Träume ausgelöst haben musste. Als er aber seine Kleider einsammelte, die verstreut auf dem Fußboden herumlagen, was so gar nicht seiner Art sich zu entkleiden entsprach, begann er wieder zu zweifeln, er musste schon reichlich besoffen gewesen sein. Die Gewissheit, dass doch jemand da gewesen war, ein Frau, ein junge Frau, bestätigte sich, als er unter der zerwühlten Bettdecke einen sehr zarten, sehr kleinen, rosa Slip fand, der immer noch, wenn auch nur noch sehr schwach, nach Veilchen duftete, aber nicht nur, sondern auch nach Frau. Als er die Bettdecke ganz zurückschlug, fand er noch einen Beweis, Auf der Mitte des weißen Lakens waren einige Flecken, die bestimmt vorher nicht dagewesen sein konnten, einige waren ziemlich dunkel.

Das Rätsel, wer die junge Frau war, die ihn regelrecht überfallen und auf jeden Fall verführt hatte, sollte sich schon bald auflösen. Der Bürgermeister hatte ihn pünktlich abgeholt, auf seine Frage, wie es ihm gehe, nach all dem köstlichen Wein, erhielt er nur eine grummelnde, ungewisse Antwort. Als er an der Rezeption vorbeiging, fiel ihm wieder ein, dass er das Schweigen des jungen Mannes, an den er sich noch dunkel erinnerte, bestärken wollte, aber nun war da eine resolute, ältere Frau und er machte keinen Versuch, ihr etwas erklären zu wollen. Auf der Fahrt zur Villa des Rinderbarons, auch sie lag außerhalb der Stadt, erklärte ihm der Bürgermeister noch einmal den Grund dieses Frühstücks. Die Frau des Rinderbarons wolle ihn unbedingt kennenlernen. Sie sei auch Präsidentin des örtlichen Kulturvereins, ja, das gäbe es hier, und nur auf ihre Initiative hin, sei sein Besuch zustande. Er unterbrach den Bürgermeister, das wisse er ja bereits, er solle etwas über die Familie erzählen. Die Frau stamme aus der Hauptstadt, ihr Mann habe sie mit Hilfe einer Kontaktanzeige in einer Zeitung gefunden. Das Ehepaar habe fünf Kinder, die er auch alle kennenlernen würde. Vier stramme Jungs so zwischen 8 und 18 und eine sehr hübsche Tochter, die in diesem Jahr 15 geworden war. Sie sei der Augenstern ihres Vaters und eine der besten Partien für einen strebsamen Mann, die man sich hier denken konnte. Dann waren sie angekommen, aber zunächst sah man nur ein mächtiges Tor aus Metall, auf dessen Flügel stilisierte Kühe mit den charakteristischen Hörnern der "flechas doradas" abgebildet waren. Der Bürgermeister kannte sich gut aus, er kannte auch den Code für das Tor. Er tippte ihn an einer kleinen Säule ein, dann schwangen, wie von Geisterhand, die beiden Flügel nach innen und gaben den Blick auf eine vielleicht 200 Meter lange und sehr breite Zufahrt frei. Der Straßenbelag, heller weißer Sand, bildete einen schönen Kontrast zu den kleinen Bäumchen links und rechts und dem tadellos gemähten, grünen Rasen dahinter. Am Ende der Privatstraße stand die prächtige Villa, ein breites, strahlend weißes Gebäude mit Säulen vor dem Haupteingang und einer großen Freitreppe. Die Villa war so richtig protzig, einem Rinderbaron durchaus angemessen. Auf dem kleinen Parkplatz vor dem Haus standen mehrere Autos, ein kleiner Stadtwagen, zwei Jeeps und ein dicker Mercedes.

Auch als sie das Haus betraten, zeigte sich, dass der Bürgermeister hier wohl oft zu Gast war, denn sie gingen ohne auf jemanden zu warten, direkt in den Speisesaal, ein anderes Worte wäre für den Raum untertrieben. In dessen Mitte stand ein großer runder Tisch, um diesen mehrere Stühlen, weitere, kleinere Tische an den Wänden. Der Tisch war bereits üppig gedeckt, es duftete intensiv nach Kaffee und gebratenem Speck. Die Stühle waren noch frei, aber der Raum dennoch nicht leer. Neben einem der Abstelltische stand eine junge Frau in einem hochgeschlossenen, schwarzen Kleid, das aber ihre ausgeprägten Kurven sehr betonten. Sie grüßte die Eintretenden freundlich. Der Bürgermeister kannte sie, sie wechselten ein paar unverbindliche Worte und die junge Frau, offensichtlich ein Dienstmädchen, sagte, sie sollten doch bitte Platz nehmen und ob sie vielleicht einen Saft wollten oder ein Glas Champagner, sie würde sogleich den Herrschaften ihre Anwesenheit melden. Kurz danach und nacheinander kamen dann auch schon die Herrschaften, erst die vier strammen Jungs, die sich alle glichen. Sie waren klein und gedrungen ihr Gesicht hatte denselben Indioeinschlag, den auch der Vater aufwies. Sie wurden ihm vom Bürgermeister vorgestellt, sie setzten sich und warteten steif und stumm, in der Familie schien eine gewisse Disziplin zu herrschen. Als nächstes kam die Ehefrau und Mutter, eine attraktive, sehr hellhäutige, sehr blonde Mitvierzigerin, das genau Gegenteil ihres Mannes, deren Schönheit zwar schon etwas zu verblassen begann, aber durch ihre intensive Lockenpracht gerettet wurde, ein wahrer Rauschgoldengel und das hier, in der tiefsten Pampa. Ihr Auftritt und auch ihr Anblick wurden allerdings durch die Tatsachen geschmälert, dass sie in einem Rollstuhl saß, der von der Bedienung im schwarzen Kleid herein geschoben wurde, ein Bein war im Gips, und sie sah insgesamt ziemlich mitgenommen, ziemlich leidend aus. Aber sie war sehr freundlich und bedankte sich überschwänglich, dass der Autor, dieser berühmt Herr aus der Hauptstadt, wie sie sagte, den Weg hierher in die tiefe Provinz gefunden habe, in eine Gegend, in der man Kultur wie die Nadel im Heuhaufen suchen müsse. Allein deswegen würde sie sich ja so freuen, ihn kennenzulernen, sie danke ihm von Herzen, dass er die Einladung zum Frühstück angenommen habe und hoffe auf ein intensives Gespräch über seine Werke. Sie sei eine treue, begeisterte Leserin und er könne sich nicht vorstellen, wie wichtig ihr sein Besuch sei. Auch der Bürgermeister, der sich zu hier hinab gebeugt und mit einem Küsschen begrüßt hatte, bekam ihren Dank ab, dass er es auf sich genommen habe, den Besuch neben seiner vielen Arbeit zu organisieren und sogar den Fremdenführer und Chauffeur selbst zu spielen. Die Idee, ihn zum Frühstück einzuladen, sei ihr erst spät, erst gestern Abend gekommen, als sie sich ziemlich geärgert hatte, weil sie weder an der Lesung noch an dem Essen teilnehmen konnte. Ihr Mann habe gleich eingewilligt, das entgangene Treffen beim Frühstück nachzuholen und der Bürgermeister, ein freundlicher Blick in seine Richtung, ihr lieber Freund, habe es auch geschafft, diese kurzfristige Änderung zu realisieren und dafür wollte sie sich bei beiden noch einmal herzlich bedanken. Der liebe Freund war über so viel Dank etwas irritiert, nickte aber routiniert und strahlte zurück. Nachdem die Begrüßung endlich beendet war, wies sie die Bedienung an, sie möge nun servieren. Zum Autor gewandt, der neben dem Rollstuhl Platz genommen hatte, fügte sie entschuldigend hinzu, ihr Mann käme immer zu spät, er sei immer so beschäftigt und die Geschäfte hätten für ihn absolut Vorrang. Ihm würde es aber nichts ausmachen, wenn sie ohne ihn anfingen, das sei für ihn normal, aber, fügte sie noch hinzu, ein wenig unhöflich sei es schon, den berühmten Gast so zu behandeln, er möge es verzeihen. Nachdem die Bedienung Kaffee eingeschenkt und Eier mit Speck verteilt hatte, langten die Jungs kräftig zu und das tat auch der Bürgermeister. Er war sofort in intensive Gespräche mit ihnen verwickelt oder waren es freundschaftlich Frotzeleien, jedenfalls schienen sie sich gut zu kennen und sich gut zu amüsieren.
Zwei Stühle waren immer noch frei und der Autor erinnerte sich, dass der Bürgermeister auch noch von einer Tochter gesprochen hatte. Als ob sie Gedanken lesen konnte, kam die Gastgeberin nach einer Weile auf dieses Thema zu sprechen. Nicht nur ihr Mann, auch ihre Tochter würde noch fehlen. Sie habe den ganzen Freitag und auch die Nacht bei einer Cousine in der Stadt verbracht. Zwar habe sie dort angerufen, um ihr zu sagen, sie solle am Morgen rechtzeitig hier sein, er, der berühmte Autor sei kurzfristig zum Frühstück eingeladen worden, aber sie habe sie selbst nicht erreicht, nur ihre Nichte und die habe versprochen, es ihr auszurichten, was wohl nicht geschehen sei. Sie, die Mutter müsse noch ein ernsthaftes Wort mit der Tochter reden, denn so gehe es nicht, außerdem sei sie mit ihren 15 Jahren noch viel zu jung, um die Nächte irgendwo zu verbringen. Auf so junge Mädchen könne man sich ja nicht verlassen, sie würden alles Mögliche anstellen. Jedenfalls sei sie immer noch nicht zurückgekommen. Die Gastgeberin meinte dann noch abschließend, dass junge Mädchen aus Prinzip unpünktlich und unzuverlässig seien, ganz im Gegensatz zu den Jungs. Diesen letzten Satz sagte sie sehr laut und so bekamen ihn die vier mit und nickten bestätigend, ließen sich aber nicht stören und fuhren fort, sich weiter große Portionen auf die Teller zu laden und in den Mund zu schieben und dann mit vollem Mund zu reden und ziemlich laut Blödsinn zu machen. Die anfängliche Zurückhaltung und Disziplin war wohl an ihre Grenzen gekommen, aber diese Grenze zur Unhöflichkeit sollte noch weiter überschritten werden und es sollte noch richtig schlimm werden.

Während sie aßen, das Frühstück war äußerst reichhaltig und wohlschmeckend, der Autor fragte sich, ob sie jeden Tag so fürstlich speisen würden oder ob es eine Ausnahme zu Ehren seiner Person war, unterhielt er sich sehr angeregt mit der Gastgeberin. Sie war nicht nur äußerlich so ganz anders als ihr Mann und ganz anders als die Damen der Gesellschaft, die er am letzten Abend kennengelernt hatte. Sie bedauerte mehrfach zutiefst, dass sie bei der Lesung nicht teilnehmen konnte, aber sie habe immer noch Schmerzen und müsse sich schonen. Auf seine Frage hin, berichtete sie über ihren Unfall mit dem Pferd und die fatalen Folgen, aber dann kamen sie zu dem Thema, das beide interessierte. Sie war in der Tat sehr beschlagen und belesen und das was sie fragte, war weit mehr, als er erwartet hatte und stand im krassen Gegensatz zu seinen bisherigen Erfahrungen hier in der Provinz. Er freute sich, sein Wissen vor einer anspruchsvollen Kennerin auszubreiten, seine Interpretationen auszulegen und sie auf Aspekte hinzuweisen, die ihr bisher entgangen waren. Sie äußerte auch den Wunsch, dass er ihr ein Buch persönlich widmen möge, als Erinnerung an dieses Gespräch, aber auch an einen hochinteressanten Mensch. Leider habe er seine Aktentasche nicht dabei, bedauerte er, in der er immer ein Exemplar parat habe, aber er würde es ihr gerne im Hotel hinterlegen. Sie redeten sehr angeregt miteinander und er begann die ganze Reise schon in einem etwas anderen Licht zu sehen, als der Ehemann und Vater eintrat. Er hielt ein Handy am Ohr und hatte keinen schwarzen Anzug an, sondern Jeans und Flanellhemd, was ihm wesentlich besser stand. Er begrüßte den Ehrengast kurz mit kräftigem Handschlag, tat aber so, als sei es völlig selbstverständlich, dass er gekommen war, umarmte den Bürgermeister und machte ein paar flapsige Bemerkungen zu den Jungs. Seine Frau dagegen bekam eine mehr als flüchtige Begrüßung ab. Einer der Jungs musste seinen Platz räumen, damit der Vater und der Bürgermeister zusammen sitzen konnten. Beide waren im Nu in wichtige Gespräche vertieft und nahmen von den anderen kaum noch Notiz. Die Jungs begannen sich zu langweilen und auch der literarische Stoff für das Gespräche zwischen Autor und Gastgeberin neigte sich dem Ende zu.

Dann kam Vivian und plötzlich war alles anders. Sie war zutiefst überrascht, ihren nächtlichen Freier im Kreis ihrer Familie zu sehen, ihr Gesicht nahm einen starren Ausdruck an und die Farbe ihrer Haut veränderte sich sichtbar. Auch dem Autor ging es nicht viel anders, er wurde bleich und sein Redefluss war schlagartig unterbrochen. Diese Veränderungen der beiden entgingen weder der Gastgeberin noch den Jungs, nur der Rinderbaron und der Bürgermeister waren so in ihre wichtigen Gespräche vertieft, dass sie die plötzliche Stille und die Veränderungen zunächst gar nicht bemerkten. Die Gastgeberin fand als erstes ihre Worte wieder. Was denn mit ihr los sei und wo sie denn jetzt herkomme, es sei schon reichlich spät, ob man ihr nicht gesagt habe, dass Besuch hier sei, der berühmte Autor und wenn sie noch länger weggeblieben wäre, hätte sie ihn gar nicht kennengelernt. Vivian gewann wieder etwas Sicherheit und stotterte, sie sei bei der Lesung gewesen, habe ihn also schon kennengelernt, aber sie sei doch sehr, sehr überrascht, ihn hier zu sehen. Wenn sie das geahnt hätte, wäre sie früher gekommen, warum man nicht bei der Cousine angerufen habe. Das habe sie, herrschte die Mutter sie an, die habe versprochen es ihr auszurichten, aber es wohl nicht getan. Darüber, und dass sie überhaupt die ganze Nacht weggeblieben sei, müssten man noch reden, aber nicht hier und jetzt und nun solle sie sich hinsetzen und etwas essen. Vivian setzte sich, vermied aber, den Autor anzuschauen und auch der schaute krampfhaft von ihr weg. Beiden war die Begegnung sichtlich peinlich und dieser Umstand entging weder der Mama noch den Brüdern, die endlich wieder etwas Interessantes hatten und beide scharf beobachten. Nun begannen ihre Brüder sie auszufragen und es kam, wie es kommen musste. Vivian verstrickte sich in Widersprüche, wurde immer unsicherer, immer wütender, die Brüder hetzen und stichelten und kombinierten und der älteste von ihnen, offensichtlich mit glasklarem Verstand ausgestattet, rief schließlich laut, diese Schlampe habe mit diesem Typ gepennt, das sei doch sonnenklar und es sei wohl logisch, dass er sie entjungfert habe, wenn das nicht schon vorher ein anderer gemacht habe. Er brachte diese Anschuldigung so laut vor, dass die Mutter erschrocken den Finger auf den Mund legte, um ihn zum Schweigen zu bringen und nun auch der Vater auf die verfahrene Situation aufmerksam wurde. Er ließ sich von seinem Ältesten ein paar Details erklären, über die Schwester, die kleine Nutte, die mit dem Schreiberling gevögelt habe, dann riss er das Heft des Handelns an sich und richtete scharfe, insistierende Fragen sowohl an seine Tochter als auch an den Gast, der am liebsten im Boden versinken würde und so kam recht schnell heraus, was tatsächlich in der Nacht geschehen war. Ja, sie waren zusammen im Hotelzimmer, ja sie haben miteinander geschlafen, ja er habe sie entjungfert, aber es war ihr freier Wille, sie habe ihn verführt, sie wollte unbedingt mit einem Mann wie ihm ihre Unschuld verlieren und von Vergewaltigung konnte keine Rede sein. Aber die Details interessierten keinen, Entschuldigungen und Erklärungen waren sinnlos, die ganz große Schande war offensichtlich geworden und nun galt es zu rächen und zu bestrafen. Es brach die reinste Hölle los und der geballte Zorn der Familie richtete sich auf die beiden Übeltäter, doch schon rasch war klar, dass vor allem der alte Lüstling und Verführer unschuldiger, minderjähriger Mädchen bestraft werden müsse.

Alle schrien zunächst durcheinander, die Jungs besonders laut, der Vater besonders böse, der Bürgermeister mit all seiner Autorität als oberster Vertreter der örtlichen Polizei, die Mutter röchelte nur und rang nach Luft, das Dienstmädchen fächelte ihr mit einer Serviette Luft zu und betete halblaut vor sich hin. Vivian weinte bittere Tränen und der Autor kämpfte gegen eine gewisse Übelkeit und schwieg eisern, er versuchte erst gar nicht sich zu rechtfertigen, es wäre in dieser Situation vollkommen sinnlos gewesen. Wenn der Rinderbaron eine Waffe zur Hand gehabt hätte, er hätte sie sicher eingesetzt, so musste er sich auf üble Beschimpfungen und Drohungen beschränken. Die Jungs redeten so laut durcheinander, dass es unmöglich war, den Sinn der Kakophonie zu ergründen, nur Begriffe wie Ehre, Rache, Geld, Gefängnis schälten sich heraus. Dann nahm der Bürgermeister allen den Wind aus den Segeln, als er erst mit aller ihm zur Verfügung stehenden Lautstärke Ruhe herstellte und dann Kraft seines Amtes als oberster Chef der Polizei verkündete, der Übeltäter sei vorläufig festgenommen. Tatsächlich schwiegen alle und er fuhr fort, er selbst würde ihn umgehend einem Richter vorführen und der würde dafür sorgen, dass er in den Knast käme und dort müsse er die Anklage und das Verfahren abwarten und das könne sich hinziehen, lange hinziehen. Dann wandte er sich mit schneidender Schärfe in der Stimme an seinen Freund, oder sollte man sagen an seinen ehemaligen Freund? Er wolle ihn nur daran erinnern, dass auf ein Verbrechen dieser Art, auf ein solch ruchloses Verbrechen an einem jungen, minderjährigen, unschuldigen Mädchen eine hohe, eine sehr hohe Strafe stehen würde und dass man in diesem Land das Gesetz richtig anwenden würde, da sei er sich sicher. Er fügte noch ein paar Details und Beispiele hinzu, die er kannte und nach diesen Ausführungen beruhigten sich die Aufgebrachten vollends, Der Autor war noch eine Spur bleicher geworden. In die momentane Stille hinein heulte Vivian und sagte etwas, das zunächst niemand verstand, aber sie wiederholte es immer wieder und dann verstanden es alle. Sie flehte den Autor an, sie in die Hauptstadt mitzunehmen, dort wolle sie warten, bis sie 16 sei, dann könne sie heiraten und sie wolle ihn heiraten, nur ihn, weil sie ihn liebe und schon immer geliebt habe und sie bereue nichts, weil alles nur aus reiner Liebe geschehen sein. Die Brüder jaulten auf, wie eine Meute geprügelter Hunde, der Vater bebte, trat auf sie zu und holte mit der Hand aus, um ihr eine Ohrfeige zu verpassen, aber der Bürgermeister war, trotz seiner Leibesfülle überraschend schnell und hinderte ihn daran. Ob die Mutter ihre Worte mitbekommen oder verstanden hatte, war unklar, sie war und blieb in einem desolaten Zustand. Nur die Bedienung stellte sich schon ein Happy-end vor und schaute bei dieser Vorstellung ganz verklärt nach oben. Doch ein solches Happy-end würde es bestimmt nie geben, denn der Angebetete bekam es mit einer weiteren Angst zu tun, denn der Gedanke mit dieser kleinen Nutte leben zu müssen, war unerträglich.
Der Einzige, der die Ruhe bewahrte, war der Bürgermeisters. Er sorgte noch einmal für Ruhe und verkündete dann, er habe eine Idee und alle sollten verdammt noch mal zuhören. Das taten sie dann auch. Die Schuld, so der Bürgermeister, die dieser Mensch auf sich geladen habe, dabei wies er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Autor, und das Unrecht, dass er der unschuldigen Vivian angetan habe und die Schande, die er über die rechtschaffene Familie gebracht habe, all das sei eindeutig und bewiesen und müsse mit aller Härte des Gesetzes gesühnt werden. Aber, nun reckte er den Zeigefinger beschwörend in die Höhe, aber man müsse auch unbedingt versuchen, diesen Skandal unter der Decke zu halten. Niemand solle von der Schande erfahren, niemand solle künftig auf ein Mitglied der angesehenen Familie herabblicken und schon gar nicht auf dieses arme, vergewaltigte, vielleicht sogar geschwängerte Kind. Deswegen habe er beschlossen, den Schuldigen, auf jeden Fall vor das Gericht zu bringen, aber nicht hier, nicht in dieser Stadt. Er würde ihn dem Richter in einer anderen Stadt übergeben, das sei möglich, das wisse er und er selbst würde sich dafür einsetzen, dass auch dort das Gesetz in seiner strengsten Form angewendet würde. Nach seiner sicheren Verurteilung und noch bevor er die langjährig Strafe abgesessen habe, wäre der Name der Familie wieder reingewaschen, absolut rein, das schwöre er bei der Jungfrau Maria, jetzt und hier. Es regte sich kein Widerspruch und so fuhr er fort, es seien aber noch ein paar wichtige Dinge zu beachten. Dass die hier versammelte Familie schweigen würde und nichts über den tragischen Vorfall, aber auch gar nichts, wo auch immer, gegenüber wem auch immer, verlauten lassen würde, davon gehe er aus, denn das sei in ihrer aller Interesse. Um seinen Worten die notwendige Wirkung zu geben, fuhr er die vier Jungs geradezu an, das würde auch für sie gelten und wenn durch ihr Geplauder etwas ruchbar würde, müssten sie mit schweren Strafen von Seiten ihres Vaters rechnen. Dabei schaute er den Rinderbaron an, dem schien der Plan zu gefallen, denn er nickte grimmig, die Jungs schauten verängstigt. Die Mutter, so der Bürgermeister, könne im Moment weder etwas verstehen noch etwas entscheiden, auch hier sei ihr Mann gefragt, der sie in Ruhe überzeugen müsse, aber da sie ja eine intelligente Frau sei, würde sie früher oder später einsichtig sein und letztlich, entscheide in einer richtigen Familie immer noch der Mann und die Frau habe zu gehorchen. Dann sei da noch das Küchenmädchen, so der Bürgermeister, und trat ganz dicht an die verschreckte, verängstigte Bedienung heran. Er wisse, dass sie derzeit allein lebe und dass ihr Verlobter beim Militär sei, ob das stimme. Die Frau nickte. Nun wandte er sich wieder an den Rinderbaron. Man müsse ausschließen, dass sie plaudere und das gehe nur auf freiwilliger Basis, aber nicht mit Zwang. Der Rinderbaron solle ihr hier und jetzt kündigen. Er schwieg einen Moment, die Bedienung wurde bleich. Er solle ihr kündigen, ihr Gehalt aber ein Jahr weiter bezahlen und ihr zudem eine hübsche Summe in die Hand drücken und zwar auch hier und jetzt , damit sie, eine neue Existenz für sich und ihren Verlobten aufbauen könne. Der Rinderbaron sei ein Ehrenmann, jetzt sprach er wieder die junge Frau an, und wenn er hier seine Zustimmung erteile und vor allen Zeugen sein Wort gäbe, könne sie sich darauf verlassen, dass alles so geschähe. Solch eine Chance sehr reich zu werden, werde sie sicher nie wieder in ihrem Leben bekommen, sie solle also nicht lange überlegen. Aber sie müsse unbedingt ihr Schweigen einhalten, wenn herauskäme, dass durch sie Gerüchte in der Stadt aufkämen, würde einem der hier Anwesenden sicher etwas einfallen, um sie für immer zum Schweigen zu bringen. Eine Mischung aus Schreck und Freude zeichnete sich in ihrem Gesicht ab, als sie heftig nickte und mehrfach ja, ja, ja rief. Aber der Bürgermeister war mit ihr noch nicht fertig. Damit auch alles so ablaufe, wie besprochen, müsse der älteste Sohn sie erst in ihre Wohnung und dann zum Bus begleiten. Sie könne alles mitnehmen, was sie in Koffer und Taschen packen könne, den Rest würde man ihr nachschicken, wenn sie eine neue Wohnung habe. Dafür würde er als Bürgermeister auf jeden Fall sorgen, er sei nicht nur eine Amtsperson, sondern auch ein Ehrenmann. Damit hatte er seinen Vorschlag verkündet und dachte gar nicht daran, die Zustimmung der Familie einzuholen, vielmehr gab er seinem Freund dem Rinderbaron den Auftrag, das Geld zu besorgen, genügend Geld, und es vor seinen Augen der Küchenhilfe zu übergeben.

Doch nun, er wandte sich jetzt Vivian zu, müsse man noch über das unschuldige, vielmehr nicht mehr unschuldige Mädchen sprechen. Vivian hatte aufmerksam zugehört und sich immer mehr beruhigt, aber die Tränen rannten noch immer aus ihren hübschen Augen. Die Tatsache, dass sie keine Jungfrau mehr sei, könne man nicht aus der Welt schaffen, begann der Bürgermeister. Aber heutzutage gäbe es bereits in ihrem Alter kaum noch Jungfrauen, heute würde die jungen Mädchen am liebsten schon nach der heiligen Kommunion vögeln und wen sie 15 sind, eine Quinze, dann seien sie nicht mehr zu bremsen. Er gehe davon aus, dabei schaute er Vivian durchdringend an, dass auch sie sich vermutlich lieber früher als später hätte entjungfern lassen und mit Sicherheit nicht bis zu ihrer Hochzeit gewartet hättet. Sie habe sich genug Ärger eingehandelt und die Idee, diesen Verbrecher zu heiraten, solle sie sich gefälligst aus dem Kopf schlagen. Wenn sie ihren Mund hielte und nicht prahle, einen berühmten Autor gevögelt zu haben, würde sich an ihrem Leben und auch an ihren Zukunftschance nichts, aber auch gar nichts ändern. Wobei er allerdings davon ausgehe, dass dieser eine Schuss, den der Autor abgegeben habe, nicht säße und wenn, müsse man weiter nachdenken, aber heutzutage gäbe es selbst in diesem Land geeignete Mittel und Wege und Geld würde ja keine Rolle spielen. Wie Vivian allerdings einem künftigen Ehemann klarmachen wolle, dass sie keine Jungfrau mehr sei, das sei allein ihr Problem. Damit war der Bürgermeister mit seinen Ausführungen am Ende und schaute triumphierend in die Runde. Alle Anwesenden schwiegen, keiner wollte dem Plan zustimmen, keiner schien dagegen zu sein, wobei es aber nur auf die Meinung des Rinderbarons ankam und der brauchte wohl noch etwas Seelenmassage. Er solle sich doch mal überlegen, ergriff der Bürgermeister noch einmal des Wort, dass es für seine Tochter spräche, wenn sie von einer solchen Berühmtheit verführt worden war. Wenn alle zusammen hielten und keiner etwas sagen würde, sei nach außen hin gar nichts passiert und das, was wirklich passiert wäre, würde gesühnt werden, dafür werde er schon sorgen. Doch als er dabei den Angeklagten, den bereits Verurteilten ansah, war sein Blick ein wenig seltsam und sah nicht unbedingt nach Rache oder Sühne aus. Also, damit kam er wirklich zum Schluss, jeder wisse, was er zu tun habe und er würde jetzt mit dem Verbrecher direkt zu seinem Richter fahren, einen den er kenne und von dem er wisse, auf wessen Seite er stehen nämlich auf der des absoluten Rechts.

Als sie wieder im Auto saßen und nachdem sie das Grundstück verlassen hatten, begann der Bürgermeister auf seinen Freund einzuschimpfen. Was für ein Idiot er doch sei, eine Minderjährige zu schwängern, ausgerechnet die Tochter dieses Rinderfurzes, warum er sich nicht eine anständige Nutte auf sein Zimmer bestellt habe, die gäbe es auch in dieser schönen Stadt und die seien gar nicht schlecht, das wisse er aus eigener Erfahrung. Erst jetzt hatte der Autor die Gelegenheit, das Geschehene der letzten Nacht aus seiner Sicht darzustellen, aber noch dringender war sein Wunsch zu erfahren, was der Bürgermeister mit ihm vorhabe, er wolle ihm doch keinem Richter übergeben, er sei doch ein Mann, er wisse doch, wie solche irren Weiber sein könnten. Nun lachte der Bürgermeister dröhnend, für so etwas komme man doch nicht ins Gefängnis, dann wäre die Hälfte der männlichen Bewohner dieser schönen Stadt im Gefängnis, er solle sich beruhigen, er habe diese Show abziehen müssen, um diesen Rinderfurz zu beruhigen. Er solle jetzt rasch seine Sachen aus dem Hotelzimmer holen, das ja bereits bezahlt sei. Dann würde er ihn zum Bus in die Hauptstadt bringen, aber nicht hier, sondern im nächsten Ort. Er solle sehen, dass er aus der Gegend möglichst rasch verschwände und sich ja nie mehr hier blicken lassen, man könne nicht wissen, ob der Rinderfurz sich an die Absprache halten würde. Er würde die Sache hier schon schaukeln, darauf könne er sich verlassen, er sei schließlich Bürgermeister und Ehrenmann und er wisse, wie man mit Rinderfürzen umgehen müsse.

Damit könnte die Geschichte enden, wenn da nicht noch zwei erwähnenswerte Details wären. Das eine war das ungläubig staunende Gesicht des Zimmermädchens, als er in den Bus stieg, aber sie fragte nichts und er sagte nichts. Das andere war ein Bericht in der lokalen Zeitung am nächsten Montag, den ihm der Bürgermeister hatte zukommen lassen. In dem Bericht wurde breit und ausführlich das wunderbare Stadtfest beschrieben, die vielen Belustigungen, das Konzert der Feuerwehrkapelle, der rauschende Ball. Besonders erwähnt wurde jedoch, dass der berühmte Autor und Professor eigens aus der Hauptstadt gekommen sei, um aus seinen Werken zu lesen und damit großes Interesse und große Zustimmung in der Bevölkerung erzielt habe. Hervorgehoben wurde, dass dieser Besuch dem Rinderbaron und seiner Frau zu verdanken sei, die sich nicht nur für sein Kommen eingesetzt hatten, sondern den Besuch durch eine großzügige Spende überhaupt ermöglicht hätten. Dann folgten ein paar Sätze über die Firma "fechas doradas", die genau so hieß wie die berühmte Rinderrasse, und ihre Bedeutung für die ganze Gegend. Den Lesern besonders empfohlen und in höchsten Tönen gelobt, wurde auch ein Restaurant, wo man die delikaten Steaks zu unglaublich günstigen Preisen verkosten könne. Dann vermerkte der Artikel aber auch noch eine traurige Nachricht. Dem berühmten Autor hätte in einem Festakt die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen werden sollen, leider habe er aber einen Schwächeanfall erlitten und da er zur Zeit an einer mysteriösen Infektion leide, sei er auf eigenen Wunsch schon vorher in die Hauptstadt zurückgekehrt, um sich in die Hände erfahrende Spezialisten zu begeben. Die Ernennungsurkunde würde ihm der Herr Bürgermeister, der ebenfalls maßgeblich zu dem grandiosen Erfolg des Festes beigetragen habe, von dem man noch lange schwärmen würde, postalisch zuschicken.

So war es dann auch. Nach einigen Tagen kam ein eingeschriebener Brief mit einem offiziellen Anschreiben und einer pompösen Urkunde, die ihm die Ehrenbürgerschaft verkündete und ihm gestattete, alle städtischen Einrichtungen sein Leben lang unentgeltlich zu nutzen. Wichtiger aber als das dekorative, letztlich jedoch wertlose Papier, war ein Scheck, mit exakt der Summe, die der Bürgermeister ihm als Honorar versprochen hatte, der ihm aber wegen der widrigen Umstände nicht ausgehändigt worden war. Und dann war da noch ein handgeschriebener Zettel seines Freundes. Er solle sich keine Sorgen machen, alles sei geklärt, das Leben gehe weiter, der Zorn verrauscht, Vivian gehe es gut und er solle sich in Zukunft gut überlegen, wen er sich ins Bett hole.

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Gedichte auf den Leib geschrieben