Dieser Abend war anders geplant

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Dieser Abend war anders geplant

Dieser Abend war anders geplant

Eros Demenos

Dann, so stellten sie sich das Szenario vor, würde sie sich schon mal auf dem Bett ausstrecken und einschlafen - oder jedenfalls so tun als ob. Entspannt und doch kunstvoll so hin drapiert liegend, dass das leichte Betttuch wie durch ein Versehen ein wenig von ihrem Körper rutschen und den Blick auf ihre nackten Brüste freigeben würde.

Wenn dann Berhane mit dem bestellten Getränk an der Tür klopfte, wäre er, der Ehemann gerade noch im Bad beschäftigt und würde den Etagenkellner auffordern einzutreten und die Getränke am Nachttisch abzustellen. So würde der junge Mann unweigerlich mit dem verlockenden Anblick seiner halb entblößten blonden Gattin konfrontiert und hätte anschließend seinen Kollegen für den Rest der Nacht ein erotisches Abenteuer zu erzählen. Natürlich hätte er selbst als Ehegatte die ganze Zeit über ein wachsames Auge auf die Situation und er konnte sich insgeheim sogar vorstellen, dem jungen Mann etwas mehr zu erlauben, als nur hinzuschauen: „You may touch her, if you like“. Davon sagte er seiner Frau allerdings lieber erst mal nichts. Auf jeden Fall würde seine auf der anderen Bettseite versteckte kleine Videokamera ihnen eine prickelnde Schlussszene für ihren Urlaubsfilm festhalten.

Hand in Hand kehrten sie mit leicht geröteten Gesichtern und einem beschwingten Lächeln zurück ins Hotel, wo sie sofort ins Bad unter die Dusche huschte. War es die Hitze des Abends, die erregenden Gespräche auf dem Heimweg oder doch eher der Alkohol - seine Überraschung hätte jedenfalls größer nicht sein können, als sie nur flüchtig abgetrocknet, nackt und mit einigen Wassertropfen auf der Haut, ins Zimmer zurückkehrte, ihm tief in die Augen sah und fragte: „Und, was ist jetzt, bestellst Du uns noch einen Champagner oder traust Du Dich nicht?“

Er schluckte, meinte sie das ernst? Wollte sie den kleinen Traum tatsächlich in die Wirklichkeit umsetzen? Sie wich seinem fragenden Blick nicht aus.

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